Hansestadt Harderwijk: Tipps für ein perfektes Wochenende

Harderwijk: Tipps für ein perfektes Wochenende

Wusstet ihr, dass es in Holland insgesamt neun Hansestädte gibt? Ich weiß nicht genau, ob ich es wusste, bis ich zwei von ihnen im Herbst besucht habe: die Studentenstadt Zwolle und das kleine, gemütliche Harderwijk.

Und gerade Letzeres hat mir besonders gut gefallen!

Das lag natürlich auch an dem wunderschönen, goldenen Herbstwetter, das ich Ende Oktober erwischt hatte, aber auch an der Stadt selbst: Harderwijk ist klein, schnuckelig und richtig schön.

Die Stadt ist unkompliziert zu Fuß zu erkunden, am Wasser gelegen, hat eine interessante Geschichte und historische Gassen mit netten kleinen Läden, Cafés und Restaurants. Perfekt für einen Wochenendtrip, bei dem man es sich 1-2 Tage richtig gutgehen lassen und entschleunigen kann. Meine Tipps dafür findet ihr hier!

Eingecheckt im B&B De Keizerin

Direkt nach meiner Ankunft habe ich in dem kleinen Bed and Breakfast De Keizerin eingecheckt. Das B&B liegt mitten in der historischen Altstadt von Harderwijk, und zwar in einer der schönsten Gassen der Stadt. Das B&B ist in einem alten Haus und besteht im Grunde nur aus einem einzigen Zimmer im Erdgeschoss, das als Studio mit eigener kleiner Küche und Bad mit Badewanne konzipiert ist. Die luxuriöse, stylische und gemütliche Einrichtung hätte ich am Liebsten gleich mit nachhause genommen!

Von dem Studio öffnet man nur die Tür und ist direkt in der Keizerstraat, die wunderschön, aber ganz ruhig ist. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen, auch weil es von hier durch die Gassen nur ein Katzensprung zu allen anderen Orten ist und ich noch nicht einmal ein Fahrrad gebraucht habe. Morgens haben mir meine Gastgeber einen großen Frühstückskorb mit frischen Brötchen, Aufstrichen, Ei, Käse, Müsli usw. gebracht – alles ganz liebevoll und ohne Plastik angerichtet und verpackt. Wer mag, kann bei schönem Wetter sogar draußen an dem kleinen Tisch frühstücken und einen Tee oder Kaffee mit Blick in die Gasse genießen.

Auf den Spuren der Hanse

Nach einem kurzen Zwischenstopp in meinem gemütlichen B&B bin ich direkt los, um die Altstadt zu erkunden – im Grunde war ich ja bereits mittendrin. Obwohl die Stadt klein ist, gibt es einiges zu entdecken! Bereits 1252 wurde Harderwijk als Hansestadt erwähnt. In den darauffolgenden Jahrhunderten entwickelt sie sich zu einer florierenden Fischerei- und Hafenstadt – strategisch gelegen zwischen der Nord- und Ostsee und Arnhem bzw. Köln und Deutschland.

Wie das, fragt ihr, wenn die Stadt nicht mal am Meer liegt? Noch zu Hansezeiten hatte die Stadt Zugang zum Meer über die Zuidersee (einer flachen Meeresbucht der Nordsee), die erst im 20. Jhd. durch Eindeichung zum heutigen Ijsselmeer und anderen Binnenseen wurde. Heute liegt Harderwijk am Veluwemeer, einem flachen Binnensee. Doch wenn man den Strandboulevard entlangschlendert und hinaus aufs Wasser und die vorbeifahrenden Boote blickt, wähnt man sich noch immer am Meer (als könne jederzeit eine Hansekogge vorbeischippern)…

Ob Binnenmeer oder nicht: Im Sommer locken diverse Aktivitäten am Wasser und auch einen Sundowner am Strandboulevard kann ich euch uneingeschränkt empfehlen (s. weiter unten im Artikel). Idyllisch fand ich auch das alte Hafenquartier am Havendam mit den flachen Fischerbooten aus Holz (Bottern) und der Windmühle De Hoop.

Schöne Orte und Sehenswürdigkeiten in der Altstadt

In den Gassen von Harderwijk ist der Geist der Hanse vielerorts noch spürbar. Auch wenn die Stadt zwischendurch abbrannte, gibt es immer noch einige historische Gemäuer aus dem Mittelalter sowie dem 16. bis 18. Jahrhundert zu bestaunen, die das besondere Flair der Gassen ausmachen.

Schlendert auf jeden Fall über den Vischmarkt mit dem wuchtigen Vischpoort, dem einzig noch erhaltenen Stadttor zur früheren Zuiderzee, das oben einen kleinen Leuchtturm hat und euch hinaus zur Strandpromenade bringt. Am Vischmarkt findet ihr nicht nur richtig schöne Häuser, sondern auch Reste der alten Stadtmauer. Zudem gibt es hier einige Restaurants, wo man im Sommer auch schön draußen auf der Piazza sitzen kann (darunter das Guide-Michelin-Restaurant Ratatouille).

Versteckter Rosengarten mit Stadtmauerrest beim Vanghentoren

Schön fand ich auch das Viertel rings um die Keizerstraat. Kleine, historische Häuschen schmiegen sich hier aneinander und vermitteln ein idyllisches Flair fernab des Trubels der nahen Einkaufstraße. Streift hier einfach mal durch die Gassen und stellt euch vor wie es wäre, hier zu wohnen… und danach holt ihr euch (wenn es offen hat) ein Eis bei t’Boerinneke und schlendert damit weiter zum Hafen.

Tipps für kleine Läden und Cafés

Bei einer Altstadterkundung in Harderwijk werdet ihr auf kleine, individuelle Läden und Cafés stoßen – was mir ja immer sehr gut gefällt (Notiz an mich: Nächstes Mal bitte nicht mehr nur mit Handgepäck nach Holland reisen…).

In der Donkerstraat (der Haupt-Einkaufsmeile) findet ihr nicht nur größere Ketten, sondern auch individuelle Boutiquen mit Klamotten und Accessoires wie De Garage, Frenkies Fashion oder Trendies und kleine Läden mit stylischer, niederländischer Interior-Deko und Geschenken. Cool fand ich auch den Vintage-Laden Blije Meisjes in der Hondegatstraat, in dem ich ein tolles Kleid gefunden habe. Nur ein paar Häuser weiter könnt ihr im Plattenladen De Platenwinkel stöbern.

Für einen guten Kaffee zwischendurch kehrt ihr am besten in Y.A.M’s Koffie & Lunch ein. Auch der Carrot Cake war richtig fein! Das Café liegt mitten in der Innenstadt, ist gemütlich eingerichtet und bietet neben Kaffee und Kuchen auch Tee, All-day Breakfast bis 16 Uhr (juhu!) und Lunch.

Auch die süße Patisserie Patrijs ist eine gute Wahl für Kaffee und Kuchen bzw. einen Nachmittagstee. Hier gibt es leckere Küchlein, die richtig toll aussehen, und in den Sommermonaten auch Eis. Die hausgemachten Kürbis-Macarons waren sensationell!

Geschichte erleben im interaktiven Stadsmuseum

Stadtmuseen sind ja nicht unbedingt die Museen, in die man gerne reingeht. Das Stadsmuseum Harderwijk scheint da allerdings eine Ausnahme, denn es ist richtig modern und interaktiv gemacht! Es vermittelt die Geschichte der Stadt anhand einer fiktiven “Pension”, in der man echte, historische Bewohner*innen der Stadt kennenlernen und mehr über ihr Leben erfahren kann. Zudem finden wechselnde Kunstausstellungen lokaler Künstler*innen statt, bei mir zum Beispiel eine zu Jitske Schols. Hat mir gut gefallen!

(Humorvolle) Kunst im Marius-van-Dokkum-Museum

Auch dieses Museum solltet ihr in Harderwijk besuchen – ein Museum, in dem ausdrücklich laut gelacht werden darf! Das Marius-van-Dokkum-Museum ist das einzige Museum für einen noch lebenden Künstler in den Niederlanden. Mit etwas Glück trefft ihr ihn hier höchstpersönlich in seinem Atelier an.

Sein Stil erinnert mich ein bisschen an die Ölgemälde der alten holländischen Meister. Die Bilder zeigen jedoch häufig absurde und komische alltägliche Situationen, mit denen uns der Künstler den Spiegel vorhält. Beide Museen (Stads- und van-Dokkum-Museum) sind klein und zu Fuß nur zwei Minuten voneinander entfernt – einen Besuch könnt ihr daher einfach mal an einem Vormittag einplanen, um euch eine Dosis lokaler Geschichte und Kunst zu gönnen.

Sundowner an der Promenade

Zum Sonnenuntergang gibt es in Harderwijk einen Place to Be: die Strandpromenade! Denn hier gibt es einen unverstellten, weiten Blick auf die untergehende Sonne, die über dem (Veluwe)Meer versinkt. Praktischerweise gibt es am Wasser mehrere Sitzgelegenheiten und einen Aussichtspunkt, und die Strandbar Walhalla ist auch nicht weit. Am besten einfach zwischen Wasser und alter Stadtmauer entlangspazieren und genießen!

Ich hatte das Glück, dass ich bei richtig schönem goldenem Herbstwetter in der Stadt war und mir Harderwijk zwei Tage lang magische Sonnenuntergänge kredenzt hat. Dazu lasse ich jetzt einfach mal Bilder sprechen:

Tipps für Essen & Trinken

Harderwijk gilt als “die Kulinarische” unter den holländischen Hansestädten. Wer mag, kann hier sogar in mehreren Sterne-Restaurants dinieren: Der Michelin-Guide listet z. B. das Restaurant ‘t Nonnetje, das Basiliek und Ratatouille (alle beim Vischmarkt) sowie das Savage. Man findet aber auch andere Restaurants mit leckerem Essen sowie stylischer und gemütlicher Einrichtung (so langsam frage ich mich, ob das eigentlich etwas typisch Holländisches ist? Scheinbar wird überall total Wert auf Einrichtung und Design gelegt – gefällt mir richtig gut).

Nicht verpassen solltet ihr ein Essen bei Dicke Dirck, wenn ihr in Harderwijk seid. Das Interieur des Restaurants ist bereits eine Sehenswürdigkeit für sich: eine verrückte Mischung aus Vintage-Möbeln und -Deko, bunter Tapete, Globus-Sammlung und Steampunk-Zahnrad über der Bar. Auf der Karte stehen hauptsächlich Burger und Fleischgerichte, es gibt jedoch auch vegetarische Optionen, Kuchen und Cocktails. Ich hatte einen Veggie-Burger und Crème Brulée zum Nachtisch – beides war sehr lecker! Der Service war sehr freundlich und auch als Alleinreisende habe ich mich in dem ungezwungenen Ambiente wohlgefühlt.

Eine coole Location ist das Walhalla, es befindet sich nämlich direkt am Strand und ist eine Mischung aus Strandbar, Pub und Restaurant. Bei schönem Wetter genießt man draußen den Blick aufs Wasser und den hellen Sandstrand (das ging bei mir auch Ende Oktober noch erstaunlich gut!). Und wenn es mal stürmt, sitzt man drinnen gemütlich zwischen Sesseln und Möbeln im Industrial- und Retro-Flair. Auf der Karte stehen Suppen, Salate, Sandwiches/Burger, Curry und Snacks.

Johannes: Das Restaurant am Wasser ist spezialisiert auf Fisch und Meeresfrüchte.

Holy Moly Cantina: TexMex-Food und Cocktails im bunten Restaurant mit Außenterrasse zum Draußensitzen direkt am Marktplatz.

Fuego: Schön eingerichtete Tapas-Bar in der Nähe des Marktplatzes mit Cocktails und kleinen Gerichten zum Teilen (oder alleine aufessen).

Brownies&downies: Gemütliches Café, das u.a. von Menschen mit Behinderungen geführt wird, mit Brownies und Kuchen, Frühstück und Lunchkarte.

In der Umgebung: Veluwemeer & Veluwe

Harderwijk grenzt an die Veluwe, eine Region mit ausgedehnten Wäldern, Sand und Heidelandschaft, die zu Wanderungen und Fahrradtouren einlädt und wo im August und September die Heide blüht. Im Süden liegt mit dem Beekhuizerzand sogar ein Gebiet mit Inlanddünen direkt vor den Toren der Stadt! Hierhin würde ich beim nächsten Mal gerne eine Fahrradtour machen. (Ich war nach Harderwijk auch noch in der Veluwe unterwegs, allerdings im nahegelegenen Nunspeet.)

Blühende Heide in der Veluwe

Auf der einen Seite von Harderwijk liegt das Wasser, genauer gesagt das Veluwemeer. Hier locken Bootsfahrten, Fahrradtouren entlang des Ufers und sogar Strände.

Ein faszinierendes Beispiel der Ingenieurskunst ist das Veluwemeer Aqueduct in Harderwijk: Die Autos fahren hier scheinbar unter dem Meer hindurch! Schiffe können über der Straße passieren, allerdings ist das Wasser auf der Brücke nur drei Meter tief. (Bei meinem Glück war leider Flaute und weit und breit kein Boot in Sicht…). Trotzdem sieht es aus der Luft faszinierend aus und man muss immer hinschauen, findet ihr nicht? (Hier könnt ihr euch mein Reel dazu ansehen).

Anreise & Weiterreise

Harderwijk könnt ihr von Deutschland gut mit dem Zug erreichen. Ich bin von Stuttgart via Duisburg und Utrecht nach Harderwijk gefahren und habe dafür ca. 6 Stunden gebraucht. Das Ticket konnte ich direkt über die Deutsche-Bahn-App buchen. Der Bahnhof in Harderwijk ist zu Fuß ca. 20 Min. von der historischen Innenstadt entfernt. Mit Gepäck empfehle ich euch, nach eurer Ankunft ein Taxi zu rufen. In der Innenstadt ist alles leicht zu Fuß in nur wenigen Minuten zu erreichen.

Die niederländischen Hansestädte liegen praktischerweise alle nah beeinander und lassen sich bei einem Kurztrip gut verbinden. Das ist auch insofern interessant, da die einzelnen Hansestädte doch recht unterschiedlich sind – das größere, wuselige Zwolle hatte z. B. einen ganz anderen Vibe als das süße, beschauliche Harderwijk. Neben Harderwijk und Zwolle war ich bei dieser Reise auch noch für eine Nacht am Veluwemeer bei Nunspeet. Zwolle erreicht ihr von Harderwijk mit der Regionalbahn in ca. 30 Minuten, Nunspeet in 8 Minuten. Tickets kauft ihr unkompliziert auf der NS-Website oder über die App NS Travel Planner.

Tipp: Die holländischen Hansestädte lassen sich übrigens auch mit dem Rad entdecken: Der Hanseradweg führt auf 115 km durch sieben der neun Hansestädte an der IJssel (Infos zur Hanseroute).

Mehr Infos und Tipps zur Hansestadt Harderwijk findet ihr hier.

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Werbehinweis: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer bezahlten Zusammenarbeit mit Visit Netherlands, die mich zur Recherche nach Zwolle eingeladen haben. Alle Ansichten sind wie immer meine eigenen.

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