Hansestadt Kampen, Niederlande: ein Städtetrip-Geheimtipp

Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr gerne hübsche, kleine, alte Städte bereise. Am besten mit einer wunderschönen Altstadt und malerischen Gässchen, in denen sich coole kleine Läden und gemütliche Cafés verstecken. Das alles findet ihr in Kampen in den Niederlanden!

Hier stelle euch die Stadt vor und teile meine besten Kampen-Tipps für einen Kurztrip.

Kampen ist quasi noch ein Geheimtipp unter den Städtetrips in Europa – wie eigentlich alle der holländischen Hansestädte.

Sie liegen unweit der deutschen Grenze und sind von Deutschland aus leicht mit dem Zug zu erreichen. So ist Kampen nur 15 Minuten mit dem Zug von der größeren Hansestadt Zwolle entfernt, sodass ihr beide bei einem Kurztrip gut kombinieren könnt. Wer mag, macht es so wie ich und baut noch einen Ausflug in die Mini-Hansestadt Hattem mit ein.

Kampen – die maritimste der holländischen Hansestädte

Kampen wirkt auf mich wie die maritimste der holländischen Hansestädte. Das liegt zum einen an der Lage: Während die anderen niederländischen Hansestädte weiter im Inland liegen, ist der Kampener Hafen nur wenige hundert Meter vom Eingang zum Ijsselmeer entfernt. Das bedeutet: Kampen hatte zu Hansezeiten direkten Zugang zum Meer.

Zudem war Kampen die einzige der niederländischen Hansestädte, die von den großen Hansekoggen angefahren werden konnte. Hier könnt ihr sogar eine alte Hansekogge besichtigen – die einzig schiffbare der Niederlande! (Dazu unten mehr!).

Während Kampen heute eine Kleinstadt mit ca. 54.000 Einwohnern ist, von der die meisten hierzulande vermutlich noch nie etwas gehört haben, war Kampen einst eine bedeutende Handelsstadt – quasi eine Art Rotterdam des Mittelalters.

Alte Segelschiffe, die “Kamper Kogge”, alte Handelshäuser und hanseatische Gassen prägen das Stadtbild und erinnern an vergangene Zeiten. Auch eine Gracht mit Brücken gesäumt von schönen, alten Häusern zieht sich durch die Altstadt und sorgt für das typisch holländische Flair.

Skyline von Kampen

Direkt nach meiner Ankunft am Bahnhof hatte ich direkt den schönsten Blick auf die Stadt: Vom gegenüberliegenden Ufer der Ijssel schweift der Blick über die “Skyline” von Kampen mit diversen Kirchtürmen und Segelschiffen. Besonders schön ist es bei dem kleinen Stadtstrand mit der Bar Paviljoen Hanzezicht – ein guter Spot zum Sundowner, wenn ihr in Kampen seid! (Bei mir fiel der Sonnenuntergang aus Wettergründen leider aus…).

Über die auffällige Hubbrücke mit den goldenen Rädern ging es danach hinüber in die historische Innenstadt, die in nur wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist.

Sehenswürdigkeiten in der Altstadt

Die Kampener Innenstadt ist eine der am besten erhaltenen Altstädte der Niederlande und hat hunderte historische Gebäude und viele gepflasterte Gassen, die zum Bummeln und Erkunden einladen. Zum Glück ist die Stadt nicht groß und man kann alles super zu Fuß erkunden. Schlendert einfach mal kreuz und quer durch die Gassen und schaut, was ihr alles entdecken könnt!

Nicht verpassen solltet ihr das spätgotische Alte Rathaus aus dem Jahr 1350, das zu den wichtigsten Kampen-Sehenswürdigkeiten zählt. Wunderschön fand ich auch das Gotische Haus (Gotisch Huis) mit seiner prachtvollen Fassade, das einst als Kaufmanns- und Patrizierwohnung errichtet wurde. Ebenfalls am Rathausplatz findet ihr den auffälligen Glockenturm De Nieuwe Toren und das Städtische Museum (s.u.).

Broederpoort

Kampen war früher von einer Stadtmauer umgeben. Drei prächtige Stadttore sind noch erhalten: Koornmarktspoort, Broederpoort und Cellebroederspoort. Am schönsten fand ich die Broederpoort, die mit ihren Türmchen und Fensterchen wirkt wie eine kleine, romantische Burg (siehe Fotos unten).

Het Kleinste Huisje

Am Burgwal 98 findet ihr “Het Kleinste Huisje van Kampen”, und ich kann bestätigen: Das kleinste Haus ist wirklich klein! Vor allem ist es nur 1,40m breit und ganz windschief und sieht irgendwie süß aus – wie aus einem Fantasy-Film entsprungen. Einst wohnte hier wohl mal eine kinderreiche Familie, heute ist es innen ein kleines Museum. Was man sieht, wenn man durch die kleinen Fensterchen hineinschaut, spoilere ich hier mal nicht – werft selbst einen Blick hinein!

Rings um die Keizerstraat

Bei meiner Stadterkundung habe ich durch Zufall ein ganz idyllisches und verschlafenes Viertel entdeckt: Zwischen Keizerstraat und Herensmitsteeg scheint die Zeit stehengeblieben. Kleine Häuschen aus Klinker, ruhige gepflasterte Gassen und ein versteckter Innenhof mit Grün zwischen den beiden Gassen waren eine schöne Abwechslung!

Kaffee & Tee bei De Eenhoorn

Zeit für ein Päuschen, oder? Erstklassigen Kaffee und Tee bekommt ihr beim “Einhorn” – De Eenhoorn koffie & thee. Das historische Gebäude mitten in der Innenstadt wirkt wie eine altes Kolonialwaren-Lagerhaus mit Verkaufsladen und Café. Hier bekommt ihr einen leckeren Kaffee und könnt euch durch die tollen Teesorten probieren. De Eenhoorn ist auch super für Mitbringsel!

Im Obergeschoss werden nicht nur Kaffeesorten geröstet und duftende Tees verpackt: Auch die Zigarrenmanufaktur De Olifant befindet sich mit im Gebäude. Einst waren Zigarren ein wichtiger Wirtschaftszweig in Kampen. So war um 1880 etwa die Hälfte der Bevölkerung Kampens in der Tabakindustrie beschäftigt. Heute ist De Olifant die einzige Zigarrenfabrik der Stadt.

Tipp: Wer mag, kann bei De Eenhoorn & De Olifant über die Website eine Führung buchen – oder ein Coffee/Tea Tasting. Ich habe eine Teeverköstigung gemacht und kann es empfehlen!

Kamper Kogge

In Kampen gibt es etwas sehr Cooles: eine Hansekogge! Bei der Kamper Kogge handelt es sich um eine Rekonstruktion eines Original-Handelsschiffs aus dem 14. Jhd. – übrigens die einzig schiffbare Kogge der Niederlande. Im Sommer sticht sie ab und zu in See – wenn ihr Glück habt, könnt ihr eine Runde mitfahren!

Eine Stiftung mit Freiwilligen kümmert sich um die Kogge, die man mitsamt der Werft besichtigen kann. Für mich war es meine erste Hansekogge, und auch wenn sie nur im Hafen lag, hat mir die Führung mit dem “Seebär” Jan richtig viel Spaß gemacht! Wenn Jan nicht gerade auf der Kogge unterwegs ist, ist er Reenactor mit Fokus auf die Hansezeit und mittelalterlicher Schmied. Ich hab auf jeden Fall viel gelernt (war aber ehrlich gesagt auch ein kleines bisschen froh, dass ich alte Landratte nicht mit der schwankenden Kogge in See stechen musste…).

Die Führungen könnt ihr hier buchen. Interessant: In Kampen wurde eine Original-Hansekogge geborgen, die derzeit restauriert und zukünftig in einem neuen Museum zu sehen sein wird.

It’s Tea Time!

Die Besitzerin Gerlyne hat sich mit dem Teeladen Zoetelief einen Lebenstraum erfüllt, den ich durchaus nachvollziehen kann: Überall in dem liebevoll eingerichteten Laden duftet es unglaublich gut nach Tee, Kaffee und Schokolade. Einheimische schauen kurz auf einen Schwatz vorbei, besorgen Tee oder Pralinen, die aussehen wie kleine Kunstwerke. Die Atmosphäre ist freundlich und entspannt – man kennt sich in Kampen.

Aber nicht nur leckere Mitbringsel shoppen kann man hier gut. Der Laden ist auch ein kleines Café, in dem man zum High Tea einkehren kann! (vorher online anmelden). Dafür durfte ich mir einen Tee aussuchen und bekam eine Etagère voller süßer und salziger Köstlichkeiten – sogar mit kleinen Scones.

Für mich war die gemütliche Tea Time bei Zoetelief genau richtig, um vor dem Regen- und Hagelschauer zu flüchten, aber auch eine perfekte Entschleunigung von Shopping und Stadterkundung. Definitiv ein kleiner Geheimtipp!

Shopping in kleinen, individuellen Läden

Wie in den anderen Hansestädten auch kann man auch in Kampen schön shoppen und es macht richtig Spaß, durch die Gassen zu bummeln und schöne kleine Läden zu entdecken.

Eine gute Anlaufstelle dafür ist die der Geerstraat, Ecke Hofstraat. Hier findet ihr mehrere kleine, individuelle Geschäfte wie Kunstig Kitschwerk (verrückt-bunte Klamotten, Accessoires und Geschenke), Fair and Share (Fair Fashion und Vintage-Mode) sowie den total verwinkelten Comicladen De Fantast.

Einrichtungs-Accessoires im holländisch-skandinavischen Stil, Schmuck und Geschenke findet ihr bei Safi Essentials sowie bei Casa El Campo, und bei Blaak gibt es hippe Fair Fashion-Mode und Accessoires.

In der Haupteinkaufsstraße Oudestraat solltet ihr bei Joïz Boutique vorbeischauen. Die nette Besitzerin Eline hatte den Laden gerade frisch eröffnet, als ich da war. Bei ihr findet ihr schöne Mode von skandinavischen und holländischen Marken (bei mir durfte eine coole neue Sonnenbrille mit) und sie nimmt sich Zeit für einen Plausch und eine Beratung.

Kunst im Stedelijk Museum

Wenn ihr auch gerne auf Reisen eine Dosis Kunst zu euch nehmt, werft bei eurem Besuch unbedingt auch einen Blick auf die aktuellen Ausstellungen im Stedelijk Museum Kampen. Neben einer Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt und dem alten Schepenzaal aus dem 16. Jhd., wo früher Recht gesprochen wurde, bietet das Museum wechselnde Ausstellungen niederländischer Künstlerinnen und Künstler.

Ich war in der Ausstellung “Meidenpracht Vrouwenkracht” (“Mädelpracht und Frauenkraft”). Auf knallig-auffällige und teils provokative Weise setzten sich die Künstlerinnen Beth Namenwirth, Marit Dik und Tanja Ritterbex mit den Themen Frausein und Muttersein auseinander. Bunt – und gut!

Essen & Trinken in Kampen

La Base Pizza: In der Pizzeria bekommt ihr Pizza im neapolitanischen Stil, die wirklich fantastisch geschmeckt hat! Auch die Vor- und Nachspeisen waren sehr gut. Der Service war super freundlich, auch das stylisch-gemütliche Ambiente hat mir gut gefallen und als Alleinreisende hab ich mich dort sehr wohlgefühlt.

De Stomme van Kampen: Gemütliches Bar/Restaurant in historischem Gebäude beim Hafen mit riesiger Bierauswahl zum Verköstigen, aber auch großer Weinkarte. Auf der Speisekarte stehen hauptsächlich Fleischgerichte vom Grill und Burger.

Lalaloes: Noch ein richtig guter Café-Tipp in Kampen! Das kleine Café mit Vintage-Möbeln liegt versteckt in einer kleinen Gasse und serviert richtig leckere französische Quiches und Tartes. Ich war zum Lunch da und habe direkt einen Schwatz mit der netten Besitzerin gehalten. An den Wänden findet ihr Kunst von wechselnden lokalen Künstlerinnen und Künstlern.

Auf der Piazza: Beim Rathausplatz und direkt um die Ecke beim Lalaloes gibt es eine kleine Piazza (namens “Plantage”) voller Tische und Stühle der umliegenden Cafés/Bars. Bei schönem Wetter eignet sich das NJoy gut für einen Drink und Fingerfood. Im Dapper Foodcafé bekommt ihr Lunch oder Kaffee und Kuchen.

Mehr Essenstipps in den holländischen Hansestädten findet ihr hier.

Übernachten: Boetiek Hotel Kampen

Mein Übernachtungstipp in Kampen ist das Boetiek Hotel Kampen. Die Lage mitten im Zentrum ist super – man ist in wenigen Gehminuten überall in der Altstadt und auch am Bahnhof. Das Boutiquehotel ist in einem schönen alten Jugendstilhaus am Flussufer untergebracht und hat moderne und individuell eingerichtete Zimmer.

Ich hatte ein großes Zimmer unterm Dach mit Balkon, von dem ich einen schönen Blick über die Dächer der Altstadt hatte. Das Frühstück wurde von der Betreiberin jeden Morgen liebevoll für mich angerichtet. Hotel hier buchen*

Mehr Übernachtungstipps am Wasser für die holländischen Hansestädte findet ihr hier.

Habt ihr auch Lust auf einen Kurztrip in die holländischen Hansestädte bekommen? Hier geht es zu meinen Artikeln mit Tipps zu den anderen Hansestädten. Da sie ganz in der Nähe von Kampen und alle nah beeinander liegen, lassen sie sich auch super kombinieren!

Werbehinweis: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Holland-Hanse.de, die mich zur Recherche nach Kampen eingeladen haben. Alle Ansichten sind wie immer meine eigenen.

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