Wie sich das Reisen in Zukunft (hoffentlich) verändern wird

In den letzten Wochen habe ich viel darüber nachgedacht, wie wir in Zukunft reisen werden. Kein Wunder: Noch nie in der jüngeren Geschichte wurden Reisen und Mobilität so stark eingeschränkt wie aktuell durch die Pandemie. Als Reisebloggerin betrifft mich das natürlich besonders: Innerhalb weniger Tage lösten sich alle meine Reisepläne, aber auch meine Aufträge für Kunden aus der Tourismusbranche erst einmal in Luft auf. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das kein Schock für mich war, den ich nicht erst einmal verdauen musste.

Offensichtlich hatte ich  das Reisen zu lange für zu selbstverständlich genommen. Als einen Traum, den ich geschafft hatte zu verwirklichen, und an den ich sogar einen Teil meiner beruflichen Zukunft geknüpft hatte.

Nie wieder werde ich freies Reisen für selbstverständlich nehmen.

Wie würde es nun weitergehen? „Wann werden wir wieder reisen können?“, frage ich mich im Prinzip seit März. Mittlerweile ist glaube ich allen klar, dass es noch eine ganze Weile (wenn nicht sogar Jahre) dauern wird, bis wir wieder wie ‚vor Corona‘ reisen können – doch sollten wir das überhaupt? Neben der Frage nach dem „Wann“ beschäftigt mich die Frage nach dem „Wie“. Wie könnten die ersten Reisen nach Corona (bzw. mit Corona) aussehen? Wie wird sich das Reisen in Zukunft verändern? Wird es sich überhaupt verändern? Ich persönlich hoffe: ja.

Denn wir sollten, können nicht so weitermachen wie bisher.

Tourismus muss nachhaltiger werden. Das denke ich im Übrigen auch nicht erst seit Corona, gerade als Reisebloggerin beschäftigt mich das Thema schon länger. Es scheint, als hätten wir als menschliche Individuen die Verbindung zur Natur und zu unserem Planeten verloren, dabei müssen wir diese dringend wiederfinden und uns wieder als Teil eines großen Ganzen begreifen. (Denn es geht immerhin um nichts Geringeres als die Rettung der Welt und unser Überleben auf diesem Planeten – just saying). Im Zuge dessen sollten wir einiges in Frage stellen, und ja, das wird jetzt hart, aber dazu gehört auch der Urlaub, den wir kennen.

Versteht mich nicht falsch: Gar nicht mehr reisen ist auch keine Lösung. Es gibt wirklich viele gute Gründe zu reisen (das wäre Thema eines anderen Artikels), und einiges davon könnten wir vielleicht gerade jetzt dringender gebrauchen denn je. Und ja, ich gebe zu, dass ich das Reisen vermisse, und ich vermisse das, was es mit mir macht. Ich möchte mich frei fühlen, lebendig, ganz im Augenblick. Ich möchte staunen, Neues erfahren, Menschen kennenlernen, mir meinen Horizont weiter aufstemmen lassen, auch wenn es oft anstrengend ist. Ich möchte die Wellen des Ozeans heranrauschen hören, den Klang einer fremden Sprache um mich herum, ich möchte wieder fremde Gewürze auf der Zunge schmecken, den Sonnenuntergang über den Bergen sehen.

Doch nun scheint es, als hätte ein klitzekleines Virus einfach mal einen Reset-Knopf für die gesamte Reisebranche gedrückt. Und das muss nicht nur schlecht sein, denn wie wir wissen, bringen Krisen auch jede Menge Chancen mit sich.

Ich persönlich wünsche mir, dass wir die Chance nutzen und uns fragen, wie wir in Zukunft besser, bewusster und nachhaltiger reisen können.

Dazu habe ich hier ein paar Gedanken aufgeschrieben.

Zwischenstopp bei einem Roadtrip über die Schwäbische Alb

Think smaller!

Touristische Fernreisen und generell Flugreisen werden vermutlich für eine lange Zeit nicht möglich sein. Massentourismus wird es in der alten Form sobald nicht wieder geben, auch keine Flug-Pauschalreisen oder Reisen zu großen Events. Doch ist das wirklich so schlimm?

Statt um die halbe Welt zu jetten und spontane Easyjet-Städte-Kurztrips übers Wochenende zu veranstalten (das mochte ich eh nie so wirklich) werden wir uns wieder über die kleinen Dinge freuen: Schwimmen im See, ‚Waldbaden‘, ein Sonnenaufgang nach einer Nacht im Camper, die Einkehr auf eine Almhütte nach einer Wanderung, gemeinsam paddeln, radeln, klettern ausprobieren, lokale Spezialitäten genießen. Gerade in der Einfachheit werden wir das Besondere finden. Denn war es nicht genau das, was wir auf unseren Reisen in die Ferne suchten, etwa beim Übernachten in der Wüste oder in einer einfachen Bambushütte am Strand?

Neu ist, dass sich unser Radius (notgedrungen) verkleinern wird.

Sundowner am Tegernsee

Lasst uns lokaler reisen.

Als uns gefühlt noch die ganze Welt zur Verfügung stand, war Urlaub auf der Schwäbischen Alb oder an der Nordsee vielleicht nichts Besonderes mehr. Indem wir künftig lokaler reisen, werden wir wieder lernen, dass wir nicht immer in die Ferne schweifen müssen, um besondere Momente zu erleben, sondern dass wir das auch in unserer näheren Umgebung in Deutschland und Europa haben können.

Wir werden lernen, unsere Heimat mit den Augen eines Reisenden zu sehen und wieder neu zu entdecken.

Diese ‚Challenge‘ habe ich in den letzten Jahren besonders genossen. Denn wenn mich meine Reisen eins gelehrt haben, dann das, dass man gerade in der Fremde mit sich selbst konfrontiert wird und und auch seine Heimat mit anderen Augen sieht. Lasst es uns doch begrüßen, dass Reiseoptionen derzeit eingeschränkt sind und wir kein „schneller, höher, weiter, abenteuerlicher“ brauchen!

Lasst uns Corona stattdessen als Chance nehmen, den lokalen und regionalen Tourismus zu unterstützen. Das beinhaltet für mich auch eine kürzere, nachhaltigere Anreise, weniger Emissionen, die bewusste Unterstützung kleiner lokaler Unternehmen. Zudem vermittelt lokaleres Reisen Sicherheit, denn das Risiko, dass man festsitzt, dass Flüge gestrichen werden oder man von Reiseanbietern abhängt ist geringer.

Waldbaden im Schwarzwald

Langsamer & achtsamer

Ich hoffe, dass das Reisen der Zukunft ein bewussteres Reisen sein wird. Der vor einigen Jahren ausgerufene Trend des „Slow Travel“ wird künftig aktueller denn je. Warum nicht einfach Freunde und Familie besuchen, die in ganz Deutschland vertreut sind? Mit dem Zug oder Auto verreisen anstatt zu fliegen? Langsame Überlandreisen in Deutschland oder ins angrenzende Ausland planen, so wir früher, als es noch keine Flüge gab? Insbesondere Reisen in die Natur, Wandern und mit dem Camper unterwegs sein verspricht Freiheit – in diesem Sommer mehr denn je, auch vor dem Virus und vor Menschenansammlungen.

Bewussteres, achtsameres Reisen sieht für mich auch so aus, dass wir künftig genauer hinschauen, wem wir unser Geld geben – sei es bei der Buchung oder vor Ort. Wir sollten bewusst Regionen und lokale Betriebe und Initiativen unterstützen sowie uns nach nachhaltigen Reisezielen, Unterkünften und Reiseanbietern umschauen (Reminder an mich selbst: Dazu in Kürze einen Artikel schreiben!). Doch dafür benötigen wir eben auch eins:

Reiseangebote mit mehr „Sinn“

Damit Reisen in Zukunft nachhaltiger und bewusster werden kann, braucht es nicht nur ein neues Bewusstsein unter Reisenden. Auch Destinationen, Reiseanbieter und andere Tourismusunternehmen müssen neue Angebote entwickeln und damit zusammenhängend auch ihr Marketing umstellen. Warum nicht die Coronakrise als Chance nutzen, Visionen zu entwickeln, die auch langfristig einen nachhaltigeren Tourismus ermöglichen?

Visionen allein reichen jedoch nicht, es müssen im nächsten Schritt konkrete neue Produkte und Angebote entwickelt werden (die wir als Verbraucher*innen dann auch wirklich nutzen!). Dies könnten z.B. Reiseangebote sein, bei denen Begegnungen und Erlebnisse mit Einheimischen und die Unterstützung kleiner, lokaler Unternehmen im Vordergrund stehen (Stichworte Immersion, Resonanzerlebnisse, Neues lernen), aber auch der Schutz und Erhalt der Umwelt. Vielen Regionen, gerade in Deutschland, haftet immer noch ein ziemlich ‚uncooles‘, verstaubtes Urlaubsimage an – teils zu Recht, vermute ich. Warum hier nicht auch einfach mal Neues wagen, neue Gastronomie- und Erlebniskonzepte, besondere Unterkünfte etc.?

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Lokalerer, nachhaltigerer Tourismus statt Overtourism

Massentourismus und Overtourism waren schon vor Corona problematisch, und spätestens jetzt müssen Destinationen un Anbieter nicht zuletzt aufgrund der Sicherheitsbestimmungen neue Ansätze entwickeln. Hier kommen wir Reiseblogger wieder ins Spiel. Gemeinsam könnten wir mit der Unternehmen der Tourismusbranche neue Angebote entwickeln, sie testen und helfen, sie zu promoten.

Auch wir Reiseblogger sollten bei unseren künftigen Reisen mit gutem Beispiel vorangehen, bewusster reisen und Reisen nicht mehr für selbstverständlich nehmen. Wir sollten in unseren Kooperationen genauer darauf achten, welche Unternehmen und Destinationen wir promoten, und Ansätze von unseren Kooperationspartnern fordern. So können wir uns gegenseitig helfen und gleichzeitig dafür einsetzen, dass Reisen in Zukunft bewusster, achtsamer und nachhaltiger werden kann. Nennt mich naiv, nennt mich optimistisch, doch ich glaube, dass wir die Krise auch einige Chancen für uns bereit hält.

Lasst sie uns gemeinsam nutzen!

Und jetzt gehe ich mal meine erste Reise nach Corona planen… es wird an ein wunderschönes (innerdeutsches) Reiseziel gehen. Stay tuned!

Was denkt ihr, wie wir in Zukunft reisen werden? Wie sehen eure ersten Reisen nach Corona aus? Schreibt mir gerne einen Kommentar!

Sonnenuntergang im Hochschwarzwald letzten Sommer

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2 Kommentare

  • Claudia sagt:

    Hey Susi,
    ein sehr zum Nachdenken anregender Artikel, der eine schöne Perspektive für das Reisen nach und mit Corona aufzeigt. Ich begreife den Virus auch als Chance und habe die Zeit genutzt, meine so viel kleiner gewordene Welt mal wieder genau zu erkunden. Der nächste Park war mein Garten, und ich habe, glaube ich, zum ersten Mal in meinem langen Leben in Norddeutschland den Botanischen Garten in Hamburg besucht.
    Ich finde, Corona hat gezeigt, dass man auch im Kleinen und Nahen ganz viel Großartiges und Neues entdecken kann. Wichtig ist schließlich nicht, wie weit man weg reist, sondern vielmehr, dass man unterwegs ist.
    Und nebenbei hatte ich, genau wie du, viel Zeit, darüber nachzudenken, wie ich in Zukunft reisen möchte. Auf jeden Fall lokaler und ausgewählter. Obwohl ich zugeben muss, dass mich, als ich unlängst den Film „Soul Surfer“, der auf Hawaii spielt, gesehen haben, schon ganz schlimm das Fernweh gepackt hat. Naja, ich hoffe, ich finde eine neue Balance des Reisens. Ich bin jedenfalls gespannt, wohin es für dich als nächstes geht! Mein nächstes kleines Mikroabenteuerreiseziel heißt HILDESHEIM. Klingt für mich gerade extrem verheißungsvoll 😉
    In diesem Sinne, herzliche Grüße aus dem Norden
    Claudia

    • Susi sagt:

      Hallo Claudia, vielen lieben Dank – sehr schön geschrieben! Mir geht es so ähnlich wie dir!
      Und oh ja, Hildesheim klingt verheißungsvoll! 😉 Ich war dort früher immer auf dem Meraluna Festival und würde dort tatsächlich auch nochmal hinreisen. 😉 Ich glaube, der Ausdruck „neue Balance des Reisens“ finden trifft es ganz gut. Natürlich habe ich weiterhin Fernweh, und manchmal ist es auch richtig schlimm. Natürlich möchte ich auch wieder ins Ausland reisen können, doch ich möchte es bewusster tun, und in Balance it vielen Nahzielen, die ich früher vielleicht nicht so auf dem Schirm hatte. Stichwort Mikroabenteuer! Und ja, auch da stimme ich dir zu: Das einfach Rausgehen, unterwegs sein, und dabei Neues entdecken – auch wenn es „nur“ vor der eigenen Haustür ist, klingt nach wochenlanger freiwilliger Selbstquarantäne einfach gut, oder? Liebe Grüße in den Norden!

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