Wandern auf Teneriffa: 6 schöne und einfache Touren

Teneriffa ist wunderbar zum Wandern! Ich würde sogar sagen, dass die Kanareninsel ein richtiges Wanderparadies ist und sich auch besser für Aktivurlaub eignet als für Strandurlaub. Ich war wirklich überrascht, wie landschaftlich vielfältig die Insel ist und möchte definitiv nochmal zum Wandern nach Teneriffa zurückkommen.

Insbesondere das Anaga- und Masca-Gebirge sowie der Teide Nationalpark mit seiner Vulkanwüste und dem 3.718m hohen Gipfel laden dazu ein, die Wanderschuhe zu schnüren. Die Möglichkeiten reichen von einfachen bis anspruchsvollen Wanderungen, von der Küstenwanderung über Touren im grünen Anaga-Gebirge bis zur Vulkanbesteigung.

Wandern auf Teneriffa bietet sich vor allem an, wenn ihr nicht im Sommer da seid und die Temperaturen angenehm sind. Ich habe auf der Insel im April die Wandersaison eingeläutet und zeige euch hier sechs wunderschöne und leichte Touren – zum Nachwandern!

Wandern im Teide Nationalpark

Der Teide Nationalpark um den gleichnamigen, 3.718m hohen Vulkan ist das Herz der Insel. Nachdem man sich langsam auf über 2.000m über dem Meerespiegel hinaufgeschraubt hat, kommt man sich vor wie auf einem anderen Planeten. Man taucht ein in eine total faszinierende Vulkanwüste, die mich teilweise an den Westen der USA erinnert hat.

In der bizarren Kulisse aus Asche, Sand, erstarrter Lava, kleineren Kratern und spezieller Flora und Fauna gibt es viele Möglichkeiten zum Wandern und ein Netz an ausgeschilderten Wanderwegen unterschiedlicher Längen und Schwierigkeitsgrade. Zum Schutz der empfindlichen Natur solltet ihr die Wege übrigens nicht verlassen und euch an die “Leave-no-Trace”-Regeln halten.

Neben der faszinierenden Landschaft ist der Vorteil am Wandern im Teide Nationalpark, dass es hier aufgrund der Höhe von über 2.000m über dem Meeresspiegel nicht so heiß ist. Außerdem befindet ihr euch hier meist über der Wolkendecke und seid daher auch an einem Schlechtwettertag wieder in der Sonne.

Gut zu wissen: Unterschätzt nicht die Auswirkungen der Höhe. Bereits bei der Anreise legt ihr einen großen Höhenunterschied von ca. 2.000m zurück. Zudem ist es im Nationalpark nicht nur deutlich kälter, sondern auch extrem trocken bei hoher UV-Strahlung. Berücksichtigt das bei eurer Ausrüstung und achtet darauf, viel Wasser zu trinken. Solltet ihr Probleme mit der Höhe bekommen und Symptome wie Kopfschmerzen oder Schwindel, brecht eure Wanderung ab.

Ausrüstung: Gutes Schuhwerk (da hakeliges Vulkangestein/-geröll), Kleidung in Schichten inkl. Fleece und winddichter Jacke, Sonnenschutz (Hut, Sonnenbrille, Sonnencreme), genügend Wasser und Snacks/Essen (es gibt kaum Infrastruktur).

1. Rundwanderung um die Roques de Garcia

Wanderung Roques de Garcia: Länge ca. 7km, Dauer ca. 2-3h, ca. 150hm, Schwierigkeitsgrad: leicht

Start- und Endpunkt: Parkplatz Llano de Ucanca

Diese einfache Wanderung ist ein Klassiker, den ihr nicht verpassen solltet. Landschaftlich ist sie ein Knaller, denn man umrundet bizarre Felssäulen, während im Hintergrund der Pico del Teide aufragt, und hat unterwegs geniale Ausblicke über die Kaldera.

Vom Parkplatz Llano de Ucanca wandert ihr zunächst ein Stück durch eine flache Wüstenebene, aus der die Felsformationen bereits emporragen. Bei den “Roques” handelt es sich um die Überreste von Vulkanschloten eines riesigen Urvulkans, der noch weit vor dem Teide hier stand. Ihr befindet euch nun in seiner riesigen Kaldera von 17km Durchmesser – wenn ihr euch umdreht, seht ihr die Kraterwand hinter euch aufragen.

Nach dem ersten Aufstieg könnt ihr vom Mirador de la Ruleta einen genialen Ausblick auf besagte Kaldera, die Felsnadeln und den Teide genießen. Danach umrundet ihr die Vulkanschlote, wodurch sich immer wieder neue Perspektiven ergeben. Ich habe die Wanderung zum Sonnenuntergang gemacht und fand es wunderschön! Zwischen den rötlich angestrahlten Felsen fühlte ich mich stellenweise wie im Westen der USA. Ich hätte am Liebsten überall verweilen können (und noch viel mehr Fotos machen!).

Tipps zur Wanderung

Alternativ könnt ihr für eine kürzere Umrundung auch direkt am Parkplatz Roques de Garcia/La Ruleta starten (ca. 3,5km, ca. 2h). Das bietet sich z. B. abends an, weil man dann am Schluss nach dem letzten Aufstieg vom Mirador de la Ruleta noch den Sonnenuntergang anschauen kann (Link zur Tour bei Komoot).

Die beste Zeit: Da die Roques de Garcia zu den Top-Sehenswürdigkeiten im Teide Nationalpark gehören und der Rundweg entsprechend beliebt ist, solltet ihr die Wanderung entweder ganz früh morgens oder zum Sonnenuntergang machen. Dann sind Stimmung und Licht am schönsten (und auch fotografisch kann man ein bisschen eskalieren).

Noch ein Tipp: Wenn ihr die Wanderung zum Sonnenuntergang macht, könnt ihr sie mit einer Astro-Tour kombinieren. Denn schon kurz nach Sonnenuntergang kann man vom Nationalpark unfassbar gut den Sternenhimmel sehen! Mehr Infos zur Sternenbeobachtungs-Tour findet ihr in diesem Artikel.

2. La Fortaleza – Wandern zum Kraterrand

Wanderung La Fortaleza: Länge ca. 9km, Dauer ca. 3,5h, ca. 250hm, Schwierigkeitsgrad: leicht

Startpunkt: Besucherzentrum El Portillo

Bei dieser Tour wandert ihr hinter dem Besucherzentrum El Portillo mit seinem botanischen Garten durch eine Vulkanebene mit Büschen und Sand/Asche bis zum Rand der großen Kaldera, die gleichzeitig den Rand des Nationalparks darstellt. Von diesem Kraterrand, der bald wie eine Festung (“La Fortaleza”) vor euch aufragt, habt ihr einen tollen Blick auf den Norden Teneriffas mit dem Orotava-Tal. Beeindruckend fand ich auch den Blick auf den Teide.

Blühende Pflanze im Teide Nationalpark Teneriffa
Echse auf einem Stein, Teneriffa

Tipp: Wer mag, kann vom Kraterrand La Fortaleza noch einen kleinen Abstecher zum “Alto de la Fortaleza” machen, dem Aussichtspunkt am höchsten Punkt des Kraterrands. Das habe ich leider verpasst, doch ich verlinke euch dazu mal diese Tour bei Komoot.

Der Vorteil an der Wanderung La Fortaleza ist, dass sie im Gegensatz zu den Roques de Garcia viel weniger frequentiert ist. Zudem könnt ihr am Schluss noch einen Abstecher ins Besucherzentrum mit dem botanischen Garten machen und dort mehr über die Entstehung und die besondere Flora und Fauna des Parks erfahren. (Die eingezäunten Flächen dienen Wissenschaftler*innen zur Beobachtung und für Versuche).

3. Wandern im Anaga-Gebirge: Las Carboneras bis Chinamada

Infos: Länge 8km, 250hm, Dauer: ca. 3,5h, Schwierigkeit: leicht – mittel, Route bei Komoot

Start- und Endpunkt: Las Carboneras. Kurz vor dem Dorf kommt auf der rechten Seite ein kleiner Parkplatz (kurz nach dem Mirador Las Carboneras).

Geniale Ausblicke und Wanderrouten gibt es im Anaga-Gebirge (Mazico de Anaga) im Nordosten Teneriffas. Die Landschaft hier ist wolkenverhangen und immer grün, mit steilen, dicht bewachsenen Hängen, idyllisch gelegenen Dörfern und Terrassenfeldern. Hier hat es mir besonders gut gefallen!

Eine richtig tolle Rundwanderung ist die von Las Carboneras bis Chinamada – eine aussichtsreiche Höhenrunde ganz nach meinem Geschmack (Danke an Sabrina von Couchflucht für den Tipp!).

Vom Dorf Las Carboneras wandert man oberhalb knallgrüner, tief eingeschnittener Täler mit Terrassenfeldern in Richtung Küste bis zum kleinen Dorf Chinamada. Die Ausblicke unterwegs sind gigantisch!

Früher wohnten die Guanchen, die Ureinwohner Teneriffas, hier in Wohnhöhlen. Auch heute gibt es hier noch in den Berg hineingebaute Höhlenhäuser. Immer wieder geben die Berge den Blick aufs Meer frei – am schönsten beim Aussichtspunkt Mirador Aguaide. Ich muss sagen, dass ich solche Landschaften auf Teneriffa gar nicht erwartet hätte. Fast wähnt man sich gar nicht mehr in Europa, oder was denkt ihr?

Blick auf das Dorf Chinamada im Anaga-Gebirge auf Teneriffa

4. Durch den verwunschenen Lorbeerwald

Im Anaga-Gebirge findet ihr auch die Überreste der uralten Lorbeerwälder, die auf dem Festland schon längst ausgestorben sind. Sie bilden ein knorriges Dickicht, geschmückt mit Moosen und Farnen, immerfeucht und schattig. Geschichten und Legenden ranken sich um den Wald und beim Hindurchwandern hatte ich mehr als einmal das Gefühl, dass Elfen, Kobolde und Hexen gleich meinen Weg kreuzen könnten. Verwunschen und schön!

Da der Lorbeerwald relativ große Teile des Gebirgsmassivs bedeckt, führen diverse Wanderwege auch durch den Wald. Am besten zum Reinschnuppern ist der “Sinnespfad” Sendero de los Sentidos, den ihr auf jeden Fall mitnehmen solltet.

Sendero de los Sentidos: Länge 1,6km (längste Variante Nr. 3), 70hm, Dauer: ca. 1h, Schwierigkeit: leicht, Route bei Komoot

Start- und Endpunkt: Mirador Cruz del Carmen

Der “Weg der Sinne” beginnt beim Aussichtspunkt Mirador Cruz del Carmen und folgt einem uralten Weg, der einst die Dörfer in den Bergen mit der Stadt La Laguna verband. Es gibt drei Varianten, von denen die erste sogar barrierefrei ist und auf hölzernen Stegen durch den Wald läuft.

Ich empfehle euch die längste (Nr. 3). Sie führt euch auf einem naturbelassenen Wanderweg tiefer in den Wald und zum Aussichtspunkt Llano de los Loros. Nehmt euch unterwegs die Zeit, den Wald genau anzuschauen und mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Tipps: Da der Sendero de los Sentidos sehr beliebt ist, solltet ihr versuchen, Wochenenden und Feiertage zu vermeiden und am besten früh oder spät zu kommen. Bedenkt zudem, dass es hier sehr feucht ist und die lehmigen Wege insbesondere nach Regenfällen sehr rutschig und matschig sind.

Mehr Wandertipps durch den Lorbeerwald:

Auf der anderen Straßenseite des Aussichtspunkts beginnt der Sendero Bosque de los Enigmas, ein einfacher Rundweg, der auf ca. 5km durch den Lorbeerwald führt.

Toll sein muss auch der Sendero de El Pijaral. Er führt durch ein Schutzgebiet, weshalb man im Vorfeld eine Genehmigung benötigt und die Anzahl der Wanderer begrenzt ist. Hier könnt ihr das Permit beantragen (ich habe es leider nicht geschafft, eins zu ergattern).

5. Umrundung des Vulkans Chinyero

Chinyero Rundwanderung: Länge ca. 8km, 180hm, Dauer ca. 2,5 – 3h, Schwierigkeit: leicht, Tour bei Komoot

Startpunkt/Parken: An der Straße TF-38, die von der Westküste hinauf in den Teide Nationalpark führt (“Parking Chinyero” oder “Sendero del Chinyero” bei Google Maps eingeben). An beiden Stellen passen mehrere Autos hin.

Der tolle Kontrast aus tiefschwarzer Lava, knallgrünen Kiefern und blauem Himmel macht den landschaftlichen Reiz dieser Rundwanderung aus. Der Chinyero ist ein vergleichweise kleiner Schlackenkegel – und der Vulkan, der auf Teneriffa zuletzt ausgebrochen ist (im November 1909).

Der Chinyero ist 1.556m hoch und umgeben von lichten, duftenden Kiefernwäldern. Auf weichen Waldpfaden hier durchzuwandern fand ich wunderschön – ich liebe aber auch einfach den Geruch!

Während der Umrundung des Vulkans überquert man auch Aschefelder und schwarze Lavaströme aus porösem Vulkangestein und bestaunt riesige Lavabrocken – alles ganz aus der Nähe. Eine faszinierende und landschaftlich schöne Rundwanderung, die ihr nicht verpassen solltet, wenn ihr auf Teneriffa seid! Zudem ist die Höhe gerade so, dass man sich auch an einem regnerischen Schlechtwettertag ganz oder teilweise über den Wolken und in der Sonne befindet.

Verlängerung: Das gesamte Gebiet mit den schattenspendenden Kiefernwäldern ist total schön und bietet viele Wandermöglichkeiten und Ausblicke. Je nachdem, wo ihr den Zustieg zur Chinyero-Umrundung wählt, könnt ihr die Tour auch verlängern und anspruchsvoller machen, indem ihr z. B. unten in Santiago del Teide startet.

Tipp: Ich würde die Umrundung des Chinyero beim nächsten Mal mit einer Umrundung des benachbarten Vulkans Garachico kombinieren und so auf ca. 13,5km verlängern (Wanderparkplatz Parking Arenas Negras, Route s. hier).

6. Küstenwanderung Rambla de Castro

Rambla de Castro: Länge ca. 4,5km, ca. 170hm, Dauer ca. 2h, Schwierigkeit: leicht, Tour bei Komoot

Startpunkt: Mirador San Pedro bei Los Realejos

Diese Küstenwanderung im Norden Teneriffas führt durch das Naturschutzgebiet Rambla de Castro. Oberhalb der Klippen wandert man vom Mirador San Pedro vorbei an Bananenplantagen, durchquert schöne Palmenhaine und genießt tolle Ausblicke aufs Meer und die Küste.

Auch historisch ist der Weg interessant, denn man passiert den Aussichtspunkt Fortin de San Fernando, die Reste einer kleinen Verteidigungsfestung gegen Piraten um 1800, und die Ruine des verlassenen Wasseraufzugs von La Gordejuela.

Bei meiner Workation auf Teneriffa war die Rambla de Castro eine schöne Feierabendrunde für mich, da ich ganz in der Nähe gewohnt habe. Dabei bin ich vom Aussichtspunkt Mirador San Pedro bis zum Wasserlift Gordejuela gewandert und wieder zurück. Man kann es aber auch als Streckenwanderung vom westlichen Ende von Puerto de la Cruz (Playa de los Roques) bis Mirador San Pedro machen und mit dem Bus zurückfahren.

Stärken kann man sich im Restaurante Mirador San Pedro, das auch ein guter Sonnenuntergangs-Spot ist. Checkt die Gegend einfach mal aus, wenn ihr an der Nordküste unterwegs seid!

Mehr tolle Touren auf Teneriffa findet ihr in diesem Wanderführer:

Und hier geht’s zu meinem Blogbeitrag mit weiteren Teneriffa-Tipps!

Habt ihr auch Lust zum Wandern auf Teneriffa bekommen, oder noch mehr Wandertipps? Dann hinterlasst gerne einen Kommentar!

*Dieser Beitrag enthält Werbe-/Affiliatelinks. Wenn du hierüber etwas bestellst oder buchst, erhalte ich eine kleine Provision, die dem Erhalt dieses Blogs dient. Für dich entstehen keine Mehrkosten. Danke für deine Unterstützung!

Share

4 Kommentare

  • Themenzauber sagt:

    Teneriffa, die größte der Kanarischen Inseln, ist ein wunderbares Reiseziel für Wanderfreunde. Die Insel bietet eine vielfältige Landschaft mit beeindruckenden Bergen, atemberaubenden Küstenabschnitten und üppigen Wäldern.

  • Torsten sagt:

    Hallo Susi, falls du nochmal nach Teneriffa zum Wandern willst, verlinke ich dir meine Teneriffa-Übersicht. Aus den 91 Touren wirst du sicherlich etwas finden. Zum Beispiel der Nebelwald Risco Miguel oberhalb von Los Realejos, der Wasserfall Cascade Chindia im Nationalpark Teide oder die Las Ventanas bei Güimar. Viel Spass bei den Touren wünscht
    Torsten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert