Kreuzfahrt durch die Patagonischen Fjorde Feuerlands

Patagonien-Fjorde-Kreuzfahrt

Seit ich das erste Mal hörte, dass man mit dem Schiff durch die Patagonischen Fjorde cruisen kann, wusste ich: Das möchte ich machen! Gemeinsam mit meiner Reisegefährtin Katrin von Viel Unterwegs ging ich in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, an Bord der Ventus Australis des Kreuzfahrtanbieters Australis.

Vier Tage lang fuhren wir auf dem Weg von Ushuaia nach Punta Arenas durch die unberührte Natur der Fjorde Feuerlands, vorbei an schneebedeckten Bergen, wilden Inseln und eindrucksvollen Gletschern.

Wir navigierten durch den Beagle-Kanal bis nach Kap Hoorn und durch die legendäre Magellanstraße, bevor wir in Punta Arenas in Chile wieder an Land gingen. Es war der würdige Abschluss einer mehrwöchigen Rundreise durch Chile und Patagonien.

Ob wir es geschafft haben, am Kap Hoorn an Land zu gehen, wie stürmisch die See war und ob wir Pinguine gesehen haben, lest ihr hier!

Tag 1: Von Ushuaia in den Beagle-Channel, durch den Regenbogen

Schwere, düstere Regenwolken liegen über den Kuppen der schneebedeckten Berge, die die kleine Stadt Ushuaia am südlichsten Zipfel Argentiniens einrahmen. Wir passieren das winzige Zoll- und Grenzgebäude in dem kleinen Hafen. An jenem Abend Anfang Dezember liegen hier bereits mehrere Expeditionskreuzfahrtschiffe. Ushuaia ist das Tor zur Antarktis, denn nirgendwo sonst ist der geheimnisvolle weiße Kontinent so nah wie hier: Verlockende 960 Kilometer sind es von hier nur noch, eine Schiffsreise von nur zwei bis drei Tagen. Die meisten Schiffe im Hafen fahren in die Antarktis, doch dieses Mal werde ich nicht dabei sein (hier lest ihr meinen Reisebericht zur Antarktis), sondern mein Ziel sind die Fjorde Patagoniens und Feuerlands (die Inselgruppe ganz im Süden des südamerikanischen Kontinents, unterhalb der Magellanstraße).

Ventus-Australis-Kreuzfahrt-Patagonien-Kabine

Nachdem wir das Zollhäuschen passiert haben, spazieren wir einfach so an Bord der Ventus Australis, wo wir mit einem freundlichen „Holaaaa!“ begrüßt werden und direkt am Eingang unsere Pässe aushändigen dürfen – in wenigen Stunden werden wir im Beagle-Kanal die Grenze zwischen Argentinien und Chile passieren. Die Ventus Australis ist ein neues Schiff und wir staunen über die großzügige Kabine mit den bequemen Betten, dem für Schiffskabinen geräumigen Bad und die großen Panoramafenster in jeder Kabine.

Doch es zieht mich erst einmal hinaus an Deck: Nach einer kurzen Begrüßung durch den Kapitän und die Crew laufen wir auch schon aus dem Hafen aus. Und als hätte jemand auf einen Lichtschalter gedrückt, schiebt sich pünktlich zur Ausschiffung die Sonne durch die dunklen Wolken und spendiert uns zum Abschied von Ushuaia eine Fahrt im Licht des Sonnenuntergangs. Wir fahren ungelogen hinein in einen Doppel-Regenbogen, der sich in der Bucht gebildet hat.

Ushuaia-Hafen-Regenbogen

Während die Lichter Ushuaias hinter uns langsam immer kleiner werden, machen wir uns auf ins Restaurant zum Abendessen. Bei einem Menü und einem Glas argentinischem Malbec plaudern mit unseren Mitreisenden, als die Ventus Australis in den berühmten Beagle-Channel einbiegt, wo wir fast ohne es zu merken Argentinien hinter uns lassen und chilenische Gewässer erreichen. Kurze Zeit später verlassen wir den Beagle-Channel bei Puerto Navarino auch schon wieder und navigieren gegen 22:30 im letzten Tageslicht durch einen schmalen Kanal, den Murray Channel, hindurch nach Süden in die Nassau Bay – mit Kurs auf ein aufregendes Ziel: Kap Hoorn.

Tag 2: Kap Hoorn und die Wulaia-Bucht

Bereits der erste Tag beginnt mit meinem persönlichen Highlight der Tour: Wir fahren zum Kap Hoorn. Ja, richtig gehört: DEM Kap Hoorn!

Eigentlich ist das berüchtigte, sturmumtoste Ende der Welt eine völlig unscheinbare, karge Felseninsel im Meer.

Und dennoch ist es einer dieser legendären Orte aus Seefahrer- und Abenteuergeschichten, von dem du nie dachtest, dass es dich eines Tages mal dort hinverschlagen könnte.

Und doch… zack, da ist es, direkt vor uns. An über 300 Tagen im Jahr gibt es an diesem Kap, das erst Anfang des 17. Jahrhunderts von holländischen Seeleuten entdeckt wurde, Sturm – es gilt nicht umsonst als der größte Schiffsfriedhof der Welt. Etwa 800 Schiffe sollen hier gesunken sein, 10.000 Seeleute ihr Leben gelassen haben.

Was viele nicht wissen: Kap Hoorn (oder: Cape Horn/Cabo de Hornos) ist ein Insel-Archipel und Nationalpark, und mit etwas Glück kann man auf der südlichsten Insel, dem eigentlichen Kap, anlanden. Von einem kleinen Strand in einer felsigen kleinen Bucht führt eine steile Treppe die Steilküste hinauf. Oben gibt es den Leuchtturm mit der einzigen Familie des Leuchtturmwärters und eine kleine Kapelle sowie einen hölzernen Steg, der über die karge Insel zum Albatross-Denkmal für die gefallenen Seeleute führt.

Als ich ganz früh morgens dick eingepackt und ganz gespannt an Deck stehe, erkenne ich die Insel mit dem Leuchtturm und dem Albatross-Monument schon von Weitem. In der Nacht zog auf dem Weg zum Kap Hoorn unerwartet ein Sturm mit Windstärken von etwa 100 km/h auf und wir haben kein Auge zugetan, saßen senkrecht und voller Adrenalin im Bett, als meterhohe Fontänen an unseren Panoramafenstern vorbeizischten und der Bug immer wieder laut auf den Wellen aufschlug. Eigentlich bin ich nach dieser Nacht völlig fertig, doch ich bin auch furchtbar aufgeregt.

Denn ich bin nicht zum ersten Mal hier.

Das Kap HoornMay I present: das berüchtigte Kap Hoorn. So legendär, so unscheinbar.

Bei meiner Reise in die Antarktis kam ich bereits zwei Mal am Kap Hoorn vorbei, und zwei Mal schaffte ich es nicht, anzulanden. Beim ersten Mal ankerten wir vor Kap Hoorn und wollten gerade anlanden, als ein Sturm aufkam und der Kapitän die Anlandung in letzter Sekunde abbrechen ließ. Beim zweiten Versuch auf der Rückfahrt aus der Antarktis erwischte mich ein Schiffs-Virus, so dass ich die (in letzter Sekunde doch noch geglückte) Anlandung verpasste, da ich im Schiffshospital lag. Meine Beziehung zu Kap Hoorn ist, sagen wir es mal so, kompliziert.

Dementsprechend freute ich mich auf eine dritte Chance. Für mich gab es an diesem Morgen also nur eine Frage:

Würden wir es diesmal schaffen, am Kap Hoorn anzulanden?

Australis-Kreuzfahrt-Kap-Hoorn

Kap-Hoorn-Leuchtturm-Albatross-Denkmal-AnlandungOben: Wir lagen (mal wieder) vor Kap Hoorn. Unten: die kleine Treppe und das Albatross-Denkmal.

Das Wetter sieht jedenfalls recht freundlich aus. Während wir in Sichtweite der Bucht den Anker werfen, reißt der düstere, wolkenverhangene Himmel sogar auf und die Sonne kommt heraus. Als die Durchsage ertönt, dass das Expeditionsteam nun versuchen würde, ein Zodiac-Boot zu Wasser zu lassen, um die Bedingungen zu testen, bin ich voller Zuversicht und freue mich wie ein Kind, dass es diesmal klappt! Etwa 20 Minuten vergehen, doch es passiert… nichts. Keine Zodiacs im Wasser! Was ist da los?!

Kurze Zeit später ertönt erneut eine Durchsage: Der Seegang sei zu hoch und dürfe nicht mehr als zwei Meter betragen, um die Anlandung sicher durchführen zu können. Wir würden nun noch eine Weile ankern und abwarten. Eine weitere halbe Stunde vergeht, die mir vorkommt wie eine Ewigkeit, doch ich gebe die Hoffnung nicht auf. Dann eine weitere Durchsage, und ich kann es nicht fassen: Die Bedingungen würden nicht besser und wir können auch diesmal leider NICHT anlanden. „The landing is definitely cancelled.“ Kap Hoorn – Susi: 3:0.

An Bord halte ich nun vermutlich (außer dem Kapitän) den traurigen Rekord missglückter Kap Hoorn-Versuche. Ein kleiner Trost ist immerhin der kleine Magellan-Pinguin, den ich neben dem Boot durchs Wasser tauchen sehe, und den niemand sonst bemerkt haben scheint. Er zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Wir drehen ab und fahren zurück in Richtung Festland. Ein letztes Mal segeln wir durch die Inseln des Kap Hoorn-Archipels hindurch. Später sehe ich bei einem Besuch auf der Brücke, dass unser Kurs manuell bestimmt und gesteuert wird. Auf Autopilot verlässt sich in den Gewässern Kap Hoorns und Feuerlands auch im Jahre 2018 niemand.

Auf Spurensuche in der Wulaia-Bucht

Am frühen Nachmittag erreichen wir unser nächstes Ziel: die Wulaia-Bucht. Sie wirkt grün und einladend und ist von kleinen Inseln durchzogen. Die Bucht ist von großer historischer Bedeutung: Hier befand sich einst eine Siedlung der Yagan, wie die Ureinwohner in diesem Teil Feuerlands genannt werden. Sie sind mittlerweile übrigens ausgestorben – ein trauriges Kapitel in der Geschichte Tierra del Fuegos.

Der englische Kapitän Fitz Roy machte in der Wulaia-Bucht im 19. Jahrhundert auf einer Forschungsexpedition mit seinem Schiff „Beagle“ Halt, um einen (missglückten) Missionierungsversuch an den Yagan zu starten und drei Ureinwohner, die er zuvor mit nach England genommen hatte, wieder abzusetzen. Mit an Bord: ein gewisser Charles Darwin, der mithalf, die Gegend zu erforschen und kartographieren.

Heute steht in der Bucht eine verlassene Radiostation der chilenischen Armee, die eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Region, der Ureinwohner und der Entdeckungsreisen beherbergt, sowie ein paar nachgebaute Yagan-Hütten. Wir brechen auf eine kleine Wanderung auf, durch den Wald hinauf zu einem Aussichtspunkt. Von hier oben haben wir einen tollen Blick auf die Bucht, unser Schiff scheint auf einmal ganz klein.

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Wulaia-Bucht-Kreuzfahrt-Australis-Patagonien

Wulaia-Bucht-Yagan-Huette-verlassene-Radio-Station

Wulaia-Bucht-Patagonien-Feuerland

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Tag 3: Die Allee der Gletscher: „Patagonia Moments“ beim Pia- und Garibaldi-Gletscher

Der dritte Tage steht im Zeichen der Gletscher. Schon ab morgens um sechs passieren wir vergletscherte Bergketten, die so genannte „Allee der Gletscher“. Dann ankern wir in einem von hohen Bergen umgegebenen Fjord. Im Wasser schwimmen bereits hübsch anzusehende Eisberge. Sie sind vom Pia-Gletscher abgekalbt, den wir heute als Erstes besuchen wollen.

Dafür schnappen wir uns unsere Schwimmwesten, werfen uns in unsere Outdoor-Kleidung und steigen in voller Montur und mit Kameras bewaffnet in die Zodiacs. Letzteres scheint eine Kunst für sich, glaubt man der Crew, die nicht müde wird, uns in den täglichen Exkursions-Briefings eine Schrittfolge aus drei Schritten für das korrekte Ein- und Aussteigen aus den Zodiacs näherzubringen, den so genannten „Cha Cha Cha“. (So richtig erfolgreich ist das besonders bei manch älteren Herrschaften nicht, doch zumindest scheint niemand beim Einstiegsversuch über Bord zu gehen.)

Im Zodiac cruisen wir den Fjord entlang in Richtung Gletscher. Wer noch nie Zodiac gefahren ist, dem sei gesagt: Es macht richtig Spaß! Vor allem in solch einer Landschaft und wenn links und rechts noch kleine Eisberge vorbeischwimmen. Wir fahren sogar so weit vor, bis die Gletscherzunge wie eine Wand und hoch wie ein Hochhaus vor uns emporragt. Es ist wie „The Wall“ in Game of Thrones. Irre!

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Australis-Cruises-Kreuzfahrt-Patagonien

Expeditionskreuzfahrt-Australis-Chile

Pia-Gletscher-Patagonien-Chile-AustralisAm Pia Gletscher hatte ich mehr als einen „Patagonia Moment“.

Zwischen Eisbergen steigen wir am Ufer vor dem Gletscher aus und begeben uns auf eine etwa einstündige Wanderung, die uns am Rand des Gletschers zu zwei erhöhten Aussichtspunkten führt. Ich habe die schwierigste Exkursionsstufe von dreien gewählt („very challenging“ – ich finde es aber noch moderat), und unser Guide Auguste legt ein gutes Tempo vor. Durch die Bäume hindurch ergeben sich immer wieder geniale Ausblicke auf den Gletscher, doch ich muss mich auf den Weg konzentrieren, der zunehmend matschiger wird und von großen Felsbrocken übersät ist, über die wir am Schluss sogar klettern müssen.

Oben angekommen bietet sich uns ein umwerfender Blick auf den Gletscher, die gesamte Bucht mit unserem Schiff ganz klein in der Ferne und das angrenzende Tal mit noch mehr Gletschern. Es ist wunderschön und wir legen eine längere Schweigeminute ein.

„Let’s have a Patagonia Moment“, schlägt Auguste vor. Jeder sitzt irgendwo für sich, um die Schönheit der patagonischen Natur auf sich wirken zu lassen. Und wie es wirkt!

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Pia-Gletscher-Chile

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Weiter zum Garibaldi Fjord!

Am Nachmittag geht das Gletscherspektakel weiter: Wir biegen ein in den Garibaldi-Fjord, an dessen Ende der Garibaldi-Gletscher thront. Auf meiner Reise in die Antarktis war ich schon einmal hier und habe den schönen, engen Fjord noch in guter Erinnerung. Er ist gesäumt von uraltem, knorrigem Urwald und kleinen Wasserfällen, die von den Bergen an den Fjordwänden ins Tal stürzen. Die Bergrücken sind vergletschert und schneebedeckt.

Ich entscheide mich gegen eine Exkursion zum Garibaldi-Wasserfall, die uns als „extrem schwierig“, „ihr werdet auf jeden Fall nass“ und „ihr werdet den Gletscher dann nicht zu Gesicht bekommen“ verkauft wird. Das macht für mich so keinen Sinn, denn ich möchte schließlich dabei sein, wenn wir so weit wie möglich in den Fjord hinein und an den Gletscher heranfahren.

Und an diesem Tag haben wir Glück: Es gibt kaum Wind und relativ wenig Eis im Wasser, so dass wir mit unserem Schiff tatsächlich sehr nah an den Gletscher herankommen. Viel näher als damals bei meiner Fahrt in die Antarktis!

Und so stehen wir erneut staunend vor einer Wand aus Eis, während kleine Eisberge unten am Schiff vorbeidümpeln. Und dann kracht es auch noch laut und wir werden Zeuge, wie der Garibaldi eine kleine Wand aus bröckelndem Eis in den Fjord hineinkalbt. Wow. Ein weiterer unvergesslicher „Patagonia Moment“, so viel ist klar. (Auch wenn wir dafür leider die Wasserfallwanderung aufgeben mussten!).

Garibaldi-Gletscher-Patagonien-Chile

Garibaldi Gletscher Fjord Chile Feuerland

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Tag 4: Noch mehr Gletscherliebe im Alberto de Agostini-Nationalpark

Als ich am nächsten Morgen aufwache, sehe ich markant geformte Bergketten an unserem Panoramafenster vorbeiziehen. Sie sind bedeckt mit Schnee und Gletschern. An den unteren Hängen klebt der knorrige patagonische Urwald, der jetzt, Anfang Dezember und trotz Regen, in einem tiefen Frühlingsgrün leuchtet, passend zum matten Türkis des Fjords.

Wir fahren mittlerweile durch das Gebiet des Agostini-Nationalparks, dessen unberührte landschaftliche Schönheit sich uns heute leider nicht ganz erschließen mag: Es regnet in Strömen und die Berge bleiben wolkenverhangen. Schade eigentlich! Doch so ist das in Patagonien und Feuerland. Dies ist schließlich keine Schönwetterkreuzfahrt! Direkt nach dem Frühstück schlüpfen wir in unsere Regenhosen, Outdoor-Jacken und viel zu voluminösen Schwimmwesten. Es geht auf Exkursion, jawohl!

So schön, so unterschiedlich: Aguila- und Condor-Gletscher

Mit dem Zodiac cruisen wir ans Ufer. Heute wandern wir an einem hübschen Strand entlang und können den dichten Urwald, der direkt hinter dem Strand beginnt, besonders gut begutachten. Zahlreiche Flechten und Moose wachsen an den Bäumen, die immer auch ein bisschen danach aussehen, als seien sie vom Sturm und dem rauem subarktischem Wetter geformt.

Nach etwa einer halben Stunde stehen wir vor dem Aguila-Gletscher, den wir vor lauter Regenwolken gar nicht ganz sehen können. Doch gerade bei so einem Wetter leuchtet das Eis ja bekanntlich besonders schön. Und als sich die Gletscherzunge für einen kurzen Moment im Wasser spiegelt, entsteht ein besonders magischer und düsterer „Patagonia Moment.“

Alberto de Agostini Nationalpark Chile

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Regenwald-Patagonien-Feuerland

Aguila-Gletscher-Patagonien-Alberto-de-Agostini-Nationalpark

Aguila-Gletscher-Chile

Am Nachmittag steht eine Exkursion im Zodiac auf dem Plan, bei der wir diesmal nicht an Land gehen.

Spannend ist, dass wir diesmal mit dem Zodiac ganz nah an einen Gletscher heranfahren können.

Der Condor-Gletscher befindet sich am Ende eines hübschen Fjords, in den seine Gletscherzunge mündet. Er ist benannt nach den Kondoren, die in den Felswänden des Fjords ihre Nester haben. Da es regnet, bekommen wir an diesem Tag aber leider keinen der beeindruckenden Tiere zu Gesicht. Dafür kommen wir bis auf wenige Meter an den Gletscher heran, der an der einen Seite einen rauschenden Wasserfall aus Schmelzwasser hat und vor dem ich mir, nur in einem Schlauchboot sitzend, vorkomme, als stünde ich direkt vor der „Wall“ aus Eis von Game of Thrones. (Heimlich hoffe ich natürlich immer, dass spektakulär ein Stück abbricht. Zumindest kleinere Stücke tun es meistens, wenn man nur lang genug wartet!)

Australis-Exkursion-Zodiac-Condor-Gletscher

Condor-Glacier-Tierra-del-Fuego-Chile

Condor-Gletscher-Alberto-de-Agostini-Nationalpark

Ventus-Australis-Kreuzfahrtschiff

Magellanstrasse-Sturm-Kreuzfahrt

Der Condor-Gletscher ist der letzte Gletscher, den wir auf dieser Reise sehen werden, und ich bin tatsächlich ein bisschen wehmütig, als wir an kleinen Inseln vorbei zurück zu unserem Mutterschiff cruisen, das draußen in dem breiten Fjord ankernd auf uns wartet. Es ist unser letzter Abend an Bord.

Wir fahren mittlerweile durch die Magellanstraße und hier wird es auf einmal wieder ganz schön stürmisch! Kurz nachdem ich schwankend an Deck das Foto oben schieße, werden die Decks geschlossen, aus Sicherheitsgründen darf niemand mehr hinaus. Innen fallen die ersten Dinge zu Boden und das Personal bringt schnell alles in Sicherheit: Deko-Skulpturen, Gläser an der Bar. An unserem Kabinenfenster zischen meterhohe Fontänen vorbei. Spannend! Unterdessen vertreiben wir uns die Zeit beim Abschiedsumtrunk des Captains und beim letzten Abendessen im Restaurant.

Und als ob das Universum wüsste, dass dies unser letzter Abend ist, werden wir zum ersten Mal auf dieser Fahrt mit einem schönen Sonnenuntergang beglückt. Jetzt im Dezember geht die Sonne erst gegen 22 Uhr unter. Das Licht an jenem Abend ist unglaublich schön und begleitet noch eine ganze Weile, von pastellig blau über rosa, orange bis rot, pink und schwarz.

Tag 5: Endlich Pinguine! Bei den Magellan-Pinguinen auf der Isla Magdalena & eine stürmische Ankunft in Punta Arenas

Bereits am nächsten Morgen stehe ich schon um sieben Uhr wieder ganz gespannt und bereit an Deck – die Pinguin-Insel ist in Sicht!

Die Isla Magdalena liegt in der Magellanstraße in der Nähe von Punta Arenas und beheimatet neben anderen Seevögeln eine Kolonie Magellan-Pinguine. Ich habe in der Antarktis zwar schon andere Pinguinarten gesehen, aber noch nie Magellan-Pinguine! Und da aufgrund des Wetters und des Seegangs bis kurz vor knapp nicht klar war, ob wir hier anlanden können, bin ich umso glücklicher, als ich kurze Zeit später im Zodiac sitze, das uns an den kleinen Bootsanleger der Insel bringt. Nur etwa eine Stunde haben wir mit den putzigen Kerlchen, um sie nicht zu lange zu stören. Und wie immer ist es nicht genug!

Stundenlang könnte ich Pinguinen beim watscheln, wurschteln, Nest bauen, balzen, brüten, baden, stolpern und trompeten zusehen.

Isla-Magdalena-Chile

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Auch wenn wir die Pinguine nicht komplett in freier Natur, also ohne Wege und Absperrungen und Zeichen menschlicher Zivilisation erleben wie in der Antarktis, ist es dennoch großartig, den kleinen Magellan-Pinguinen zuzusehen, und ich bin total glücklich, als ich später wieder zurück an Bord bin. (Falls ihr keine Kreuzfahrt macht: Von Punta Arenas gibt es übrigens auch Ausflugstouren zur Isla Magdalena.)

Etwa zwei Stunden später erreichen wir Punta Arenas, und Patagonien macht es wieder einmal spannend: Obwohl das Wetter für unsere Augen eigentlich freundlich aussieht, ist der Wind in der Magellanstraße so stark, dass wir nicht in den Hafen einlaufen können! Es werden Lotsen und Schlepper gerufen. Und so sollte es noch etwa vier Stunden dauern, bis wir mit Hilfe zweier Schlepper-Boote in den Hafen gezogen und regelrecht an den Kai herangedrückt werden, so dass wir endlich anlegen können. Zum Glück haben wir unseren Weiterflug wohlweislich erst für abends gebucht!

Als ich kurze Zeit und eine Zollkontrolle später durch die Straßen von Punta Arenas laufe (warum schwankt auf einmal alles so?), ist mein Kopf noch immer da draußen: bei den Fjorden, den schneebedeckten Bergen, den Gletschern und Pinguinen, der Stille der Wildnis und den vielen „Patagonia Moments“ dieser Reise.

Magellan-Pinguin-Isla-Magdalena-Chile

Punta-Arenas-Chile-Aussichtspunkt-Cerro-de-la-Cruz

Infos & Tipps zur Expeditionskreuzfahrt

  • Die beste Reisezeit für die Kreuzfahrten durch die Fjorde Patagoniens und Feuerlands ist im patagonischen Sommer, d.h. in unserem Winter. Ich habe die Kreuzfahrt Anfang Dezember gemacht und mit einer mehrwöchigen Reise durch Chile und Argentinien bzw. Patagonien und Feuerland verbunden.
  • Es gibt zwei Routen: Von Ushuaia nach Punta Arenas (die habe ich gemacht), und umgekehrt. Falls ihr nicht schon vor Ort seid, könnt ihr beide Städte mit dem Flugzeug erreichen. Punta Arenas über Santiago de Chile (am günstigsten mit Jet Smart) und Ushuaia über Buenos Aires. Nach Ushuaia kommt ihr von mehreren Orten in Patagonien/Chile und Argentinien übrigens auch mit dem Bus! (Unsere Route seht ihr in der Map am Anfang des Artikels.)
  • Wetter & Klima: Die Temperaturen liegen meist um die zehn Grad. Wie immer in Patagonien kann das Wetter sehr schnell umschlagen. Es ist alles drin von knapp über null bis 20 Grad, von Sonnenschein über Regen und Sturm bis Schnee – manchmal an einem Tag!
  • Ausrüstung: Nehmt gute Outdoorkleidung im Zwiebelprinzip mit, inkl. Wanderstiefel, Mütze und Regenhose. Am Wichtigsten ist eine wasser- und winddichte Jacke! Australis schickt euch im Vorfeld auch noch Infos zur Kleidung und Ausrüstung zu.
  • Dresscode: Da es eine Expeditionskreuzfahrt ist, geht es an Bord sehr leger zu, schicke Kleidung ist nicht notwendig, man trägt eher Outdoor.
  • An Bord: Wer auf AIDA-mäßige Bordunterhaltung steht, ist hier eher fehl am Platz, denn das gibt es nicht. Dafür eine Bar und zwei Vorträge zur Geschichte der Region und Flora & Fauna. Übrigens gibt es kein Internet an Bord, und mit Ausnahme der Gewässer vor Ushuaia und Punta Arenas keinen Handyempfang. Aber das ist doch auch mal schön, oder?
  • Da der Großteil der Gäste etwas älter ist, sind die Exkursionen und Wanderungen eher auf die ältere Zielgruppe abgestimmt und in mehrere Schwierigkeitsstufen eingeteilt. Als gesunder Mensch mit einer normalen Grundfitness kann man meiner Erfahrung nach ruhig immer den höchsten Schwierigkeitsgrad wählen, da es bei den anderen Gruppen doch etwas zu gemütlich zugeht (fand ich persönlich).
  • Reiseapotheke: Obwohl man bis auf Kap Hoorn die meiste Zeit durch Fjorde und geschützte Wasserstraßen fährt (also nicht übers offene Meer), kann es doch mal stürmisch werden und Seegang entstehen. Nehmt daher einfach mal prophylaktisch Medikamente mit (ich empfehle Vomex und Reisekaugummis), auch wenn ihr sonst nie seekrank werdet. Ich sage dazu nur: Man weiß nie!

Mehr Informationen zu unserer Kreuzfahrt durch die Patagonischen Fjorde (u.a. Termine, Preise und Programm) findet ihr auf der Website von Australis.

Werbehinweis: Vielen Dank an Australis, die mich zur Recherche auf diese Kreuzfahrt eingeladen haben. Für die Erstellung dieses Artikels habe ich kein Geld erhalten. Der Artikel spiegelt wie immer nur meine persönliche Meinung wider.

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