Bodensee in grau: ein Ausflug im November

Der November eignet sich ja meiner Meinung nach sehr gut für Ausflüge und Kurztrips: Fast überall ist es viel entspannter und weniger überlaufen, statt Touristen sind mehr Einheimische unterwegs und zuhause verpasst man meist auch nicht viel.

Wenn man allerdings im November an den Bodensee fährt so wie ich letztes Wochenende, dann kann es gut sein, dass sich der See unter einer dicken Nebelschicht verbirgt. Statt blauem See und Berge im Hintergrund taucht man ein in eine fast schon unwirkliche Welt aus… grau.

Doch auch das kann seinen ganz eigenen Reiz haben – finde ich! Aber seht selbst:

Bodensee im Nebel

Bodensee Herbst Nebel

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Bodensee Nebel grau

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Der Nebel wäscht sämtliche Farben aus. Nur einige wenige hartnäckige Farbtupfer halten sich wie Gallische Dörfer in einer Welt, die auf einmal nur noch aus „Shades of Grey“ und diffusem Licht besteht. Es scheint, als habe sich die Natur weichgezeichnet und gleichzeitig einen Monochrom-Filter an sich selbst aktiviert.

Der Nebel verschluckt nicht nur Farben, Licht und Kontraste, sondern auch Geräusche. Alles erscheint seltsam ruhig, kein Lüftchen bewegt das graue Wasser. Ab und zu taucht schemenhaft ein Boot auf und gleitet langsam und scheinbar geräuschlos durch den Nebel. Die Atmosphäre ist unwirklich. Ich finde es deprimierend und faszinierend zugleich. Bin ich überhaupt noch am Bodensee?? Oder etwa in einer anderen Welt?

Bank Ufer Bodensee Konstanz

Bodensee Fähre Konstanz Meersburg Nebel

Während an diesem Samstag Morgen in Konstanz die Stadt zum Leben erwacht, mache ich mich auf der Fähre auf den Weg über den See nach Meersburg. Das glaube ich zumindest, denn wir gleiten einfach so… ins Nichts. See, Himmel – alles eins. Das andere Ufer erscheint vor uns so plötzlich, dass wir bereits anlegen und ich ins Auto spurten muss.

Fähre Konstanz Meersburg Nebel

Bodensee Wasseroberfläche Fähre

Wie Schemen aus einer anderen Zeit erscheinen kurz darauf aus dem Nebel die Pfahlbauten bei Unteruhldingen. Ich liebe ja sowas – Relikte aus einer längst vergangenen Zeit und wenn man sich an einem Tag wie diesem noch viel besser vorstellen kann, wie das damals gewesen sein muss. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten muss ich an den Inle See in Myanmar denken, wo die Menschen noch heute in Pfahlbauten leben. Am See, auf dem See, vom See.

Pfahlbauten Unteruhldingen

Pfahlbauten Bodensee Unteruhldingen Museum

Pfahlbau UNESCO Weltkulturerbe Bodensee

Außer mir ist kaum jemand dort. Ich wandere allein über die Holzbrücken, durch die kleinen Dörfer, streife durch Palisadentore und trete einfach so ein in Häuser und schaue mich dort um. Das Haus des Webers, das Haus des Fischers, das Haus des Häuptlings. Fast erwarte ich, dass einer von ihnen durch die Tür kommt.

Als das Grau um mich herum anfängt, dunkler zu werden, ziehe ich weiter und lasse den Tag in der Bodensee-Therme Überlingen ausklingen – direkt am Seeufer. Vom unverstellten Blick auf den See, in den man vom Saunabereich mit seinen Bootshäuschen auch direkt hineinspringen kann, kann ich leider an diesem Tag nicht so viel erkennen. Die unwirklich-neblige Atmosphäre hier ist jedenfalls gar nicht so schlecht zum Entspannen. Auf einer Liege direkt am Seeufer kühle ich kurze Zeit später ab. Ein Fischerboot gleitet lautlos durch die Nebelschwaden. Dann ein geisterhafter Ruder-Achter.

Dass der See da draußen auch wirklich da ist, glaube ich jetzt einfach mal.

Eins steht jedenfalls fest: Es ist gar nicht so schlimm, dieses Herbstgrau. Doch jetzt freue ich mich auf: WEIß!

Bodenseeufer Konstanz im Herbst

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