Die geheimen Kanäle von Bologna

Stellt Euch vor, Ihr geht eine kleine Straße in Eurer Stadt entlang, und plötzlich bemerkt Ihr in der Wand neben Euch eine kleine Tür. Eigentlich sieht sie weniger aus wie eine Tür, sondern eher wie ein kleines Fenster. Vielleicht seid Ihr diese Straße schon hundertmal entlang gegangen, und nie ist sie Euch aufgefallen. War sie das letzte Mal überhaupt schon da?

Was macht Ihr? Öffnet Ihr sie?

Viele Märchen und Abenteuer fangen so an, meist verbirgt sich dahinter ein Geheimnis, ein Eingang in eine andere Welt.

Wer im italienischen Bologna die kleine Tür in der Wand in der Via Piella öffnet, findet… das:

Es ist ein Kanal – wie in Venedig – mit hoch aufragenden Häusern dicht an dicht und kleinen Brückchen und Überbauten. Von den parallel verlaufenden Straßen aus ist nichts davon zu erahnen…

Doch das, was man hier sieht, ist Teil eines versteckten Kanalsystems im Untergrund von Bologna.

Unter der Stadt verläuft ein dichtes Netz an Wasserkanälen und Schleusen, die die Stadt bereits seit dem Mittelalter mit Energie für die Maschinen der Seidenwebereien oder Getreidemühlen versorgten und als Handelswege dienten, z.B. als Verbindung nach Venedig. Dabei liegt Bologna im Inland, d.h. beim Bau der Kanäle wurde das Wasser zweier Flüsse kompliziert umgeleitet.

Heute sind die Kanäle längst zugemauert und überbaut. Es gibt nur noch wenige Stellen wie dieses kleine versteckte Fenster in der Via Piella, die einen Einblick in diese längst vergangene Welt gewähren.

Die Via Piella im Stadtzentrum von Bologna

Neben dieser Trattoria befindet sich das kleine Fenster

Von der kleinen Brücke gegenüber dem kleinen Fenster in der Via Piella hat man einen schönen Blick auf den Canale di Reno. Oder von der Brücke in der Via Malcontenti 15, direkt um die Ecke.

Als ich dem Kanalverlauf durch das Straßengewirr der Altstadt von Bologna folgte, habe ich ein kleines Stück weiter in der Via Guglielmo Oberdan einen weiteren Blick auf den Canale die Reno gefunden.

Wiederum eine Ecke weiter, in der Via Capo di Lucca (wo auch unser #Blogville-Haus war), ist vom Moline Canal kaum noch etwas zu sehen. Dafür entdecke ich hier in der Nr. 10 alte Häuser, in denen zu Renaissance-Zeiten Müller wohnten, die in den Getreidemühlen der Via Moline arbeiteten.

Historische Müller-Häuser in der Via Capo de Lucca, Canale di Moline

Auch die Via Guglielmo Oberdan gibt einen Blick auf den Canale di Reno frei

Heute gibt es nur noch wenige Zugänge zum geheimen Untergrund der Kanäle Bolognas. Bis vor Kurzem gab es Touren, die einen mitnahmen in diese Unterwelt, von der man munkelt, sie habe den großen italienischen Dichter Dante Alighieri zum „Inferno“ der „Göttlichen Komödie“ inspiriert.

Ich forsche nach, doch leider sind diese Touren zu Fuß und mit Booten durch die ober- und zumeist unterirdischen Kanäle aus Sicherheitsgründen erst einmal nicht mehr möglich.

Falls Ihr Hinweise habt oder weitere Stellen kennt – postet sie unten in die Kommentare!

Mehr über Bologna und die Region liest du hier:

Hinweis: Ich wurde von Tourismus Emilia-Romagna nach #Blogville in Bologna eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen.

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25 Kommentare

  • Jessi sagt:

    Oh, so was finde ich super! Bin ja auch ein totaler Fan der Berliner Unterwelten…
    Aachen hat auch viele unterirdische Kanäle, die man leider – soweit ich weiß – auch nicht besichtigen kann. Bevor alles nach unten verlegt wurde (im Mittelalter), war Aachen von Bächen nur so durchzogen.

    Liebe Grüße
    Jessi

    • Susi sagt:

      Danke Jessi! Das ist ja interessant mit Aachen, das wusste ich gar nicht! Der Kanalbau scheint im Mittelalter recht verbreitet gewesen zu sein. Schade, dass die Kanäle in so vielen Städten zugebaut wurden (u.a. ja auch in Bangkok, dem ‚Venedig des Ostens‘ – fällt mir gerade so ein). Umso besser, wenn man Orte findet, wo man sie immer noch aufspüren kann! Ich werde die nächsten zwei Tage in Bologna jedenfalls die Augen offen halten, wer weiß, vielleicht finde ich ja noch mehr Hinweise und Spuren! 😉

  • Helen sagt:

    Hi Susi,

    Wow, dass ist ja spannend… Und total idyllisch.

    Ganz viel Spaß wünsche ich Dir

  • Alexander sagt:

    Paris hat ein sehr ausgeprägtes Netz „unter der Erde“, inkl. Club, Bars usw. Hatte ich mal in einer Sendung auf Discovery Channel gesehen. Das ist definitiv größer als Aachen & Co. 🙂

    • Susi sagt:

      Oh ja, die Unterwelt von Paris ist riesig und total spannend! Da finden wohl auch ständig Parties in Untergrund-Clubs statt. Das könnte ich auch mal näher untersuchen! 😉

    • Udo sagt:

      Hallo Alex, warum in die Ferne schweifen? In Der Kölner Neustadt Nord gibt es den so genannten Kronleuchtersall in der Kanalisation. Dort fanden auch schon legendäre Jazz Konzerte statt.
      Das war übrigens eines meiner persönlichen Schlüsselerlebnisse

  • Lehnetrotter sagt:

    Phänomenale Bilder! Wir fanden nicht nur die Kanäle beeindruckend in Bologna, sondern grundsätzlich den Baustil und die ganzen Arkaden! ein Bummel in der Innenstadt in der Nacht (ja tagsüber scheint da nicht sooo viel los zu sein, gegen 22 Uhr kamen die Italiener alle erst auf die Straße) lohnt sich echt!

    • Susi sagt:

      Danke! Ja, mir hat die ALtstadt von Bologna insgesamt auch super gefallen! Und es stimmt, abends verwandelt sie sich nochmal, wenn überall erst Aperitivo ist und später (v.a. zum Wochenende hin) viele Kneipen Tische rausstellen. Dolce Vita pur!

  • Bernhard sagt:

    Kompliment! Sehr schöner Blog mit tollen Bildern! Und dieses Thema ist sowieso so mystisch…. Jede größere Stadt hat da wohl Geschichten zu geheimen oder unbekannten Kanälen und Tunnels! Denn nachdem eine moderne Kanalisation installiert wurde, wurden viele alten Kanäle einfach überbaut!

  • Thomas Roth sagt:

    BOLOGNA zählt zu meinen 3 Lieblingsstädten in Italien und zu meinen
    5 Lieblingsstädte überhaupt.
    Wie Sie schon richtig gesehen haben, ist es nicht einfach die „Kanäle“ heute noch zu
    lokalisieren.
    Ich habe mir bei meinem letzten Aufenthalt dort 2014 eine gute Karte mitgebracht, die ich
    allerdings im Internet nicht gefunden habe.
    Innerhalb des Wallrings aus dem 13. Jh. liegen offenen Stellen hauptsächlich östl. der
    Via dell‘ Indipendenza und oberhalb der Via Zamboni (Teatro Communale), aber auch
    außerhalb nördlich in der Via del Navile und westl. im Quatiere Saragozza.
    Die Müller-Häuser in der Via Capo de Lucca sind mir neu.
    Aufschlussreiches ist zu finden auf der Seite http://www.bolognawelcome.it unter ACQUA
    (http://www.bolognawelcome.com/en/home/discover/itineraries/water/).
    Auch ein kurzes Faltblatt mit Karte („Hidden canals of Bologna“) ist angefügt.
    Ende August werde ich wieder für 5 Tage mit einem Quartier im „Bauch von Bologna“ hinter
    dem P.za Maggiore ( Via delle Drapperie) sein.

    Thomas Roth
    (www.herrrothwandertwieder.de)

    • Susi sagt:

      Vielen Dank für die detaillierten Informationen, das ist sehr hilfreich für künftige Erkundungen! Ich wünsche Ihnen einen tollen Aufenthalt! Bologna ist wirklich eine sehr spannende Stadt.

  • Thomas Roth sagt:

    Hallo,
    bin gerade aus Bologna wieder da und habe an den Tage weitere Forschungen zu den verschwundenen Kanäle gemacht.
    Die Einblicke in den Canale di Reno sind Ihnen ja bekannt – an den Müllerhäusern fand ich ein nicht verschlossenes Gitter, wodurch ich nach mehrfachem Hin- u. Her-Sehen zum Canale delle Moline herunter bin und doch noch Fotos machen konnte.
    Auch an der 4. Kirche am Wasser im Westen ist ein Teil zu sehen (Canale Reno), genau wie vor dem Bahnhof an Ruinen der alten Stadtmauer.
    Wenn ich das Fotomaterial ausgewertet habe, werden ich Ihnen gerne die Fotos per mail senden.
    Gruss
    herrrothwandertwieder

  • Alina trippe sagt:

    If you reject the food, ignore the customs, fear their religion and avoid the people, you might better stay home. 😀

    • Susi sagt:

      Genau! Deshalb hab ich keins von allem gemacht – vor allem das mit dem Essen sollte man ausgerechnet in Bologna niemals machen, das Essen ist einfach zu gut! 😀

  • lorena maier sagt:

    Sehr schön wären die kanäle nur überall!!

  • Anja Mayer sagt:

    Danke das Du uns mit auf diese schöne Reise genommen hast. Die Bilder sind gut gewählt und sehr Eindrucksvoll. Ich freue mich schon jetzt auf deine nächste Reise , wohin sie auch immer gehen wird. Ich werde dir aufjeden Fall bei Instagram folgen um auf dem laufenden zu bleiben.
    Liebe Grüße und weiterhin gute und vor allem sichere Reise.

    Anja

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