Im siebten Eishimmel: Die Gelato University in Bologna

Ich gehöre definitiv zu den Menschen, die schon mal ganze Mahlzeiten durch Eis ersetzen. Aber nicht irgendein mild-langweiliges Supermarkt-Langnese, sondern ein Eis wie diese Salted Caramel-Geschmacksexplosion letztes Jahr in Sydney, ein fast schwarzes Eis mit dem passenden Namen „Tod durch Schokolade“ in Barcelona (nur knapp entronnen), ein frisches Kokoseis wie in Thailand oder der Kübel selbstgemachtes Bio-Bauernhof-Eis, wegen dem uns der US-Grenzposten beinahe nicht zurück über die kanadische Grenze gelassen hätte.

Gelato Bologna…unser tägliches Gelato gib uns heute…

Als ich letztes Jahr dann zum ersten Mal seit Jahren wieder nach Italien reiste, war ich fest entschlossen, dort jeden Tag ein anderes köstliches Gelato aus einer anderen Gelateria der Stadt zu schlecken. Und als ich hörte, dass es in Bologna auch noch eine „Gelato University“ gibt, war klar: Da muss ich hin.

In einem Industriegebiet in der Nähe von Bologna spuckt mich der Linienbus an diesem Morgen aus. Die Gelato University befindet sich auf dem Gelände des Eismaschinenherstellers Carpigiani (man könnte es auch als gelungene Marketingmaßnahme bezeichnen). Hierhin pilgern Gelatofans aus der ganzen Welt, um in verschiedenen Kursmodulen das Geheimnis des original italienischen Gelato zu lüften und anschließend ihren eigenen „Gelato Shop“ zu eröffnen. Mein Plan: Ich würde hier quasi einen Tag lang ‘zurück an die Uni’ gehen, lernen, was Gelato ist und wie man es herstellt, und währenddessen so viel Gelato wie möglich verköstigen (zu reinen Recherchezwecken natürlich).

Gelato University Bologna

Doch los geht es erst mal mit der Theorie, zunächst im „Gelato Museum“. Hier lerne ich, dass schon in der Antike Eis verspeist wurde (mit echtem Schnee und Eis vermischt!) und dass es in Italien kein Vanilleeis gibt (die Sorten sind kulturell verschieden – in Italien steht man statt Vanille auf „Fior di Latte“).

Ich will auch unbedingt wissen, was „Gelato“ von ‘normaler’ Eiscreme unterscheidet. Gelato ist die traditionelle italienische Variante von Eiscreme, die weniger Luft enthält und somit stärker verdichtet ist als andere Sorten (was auch erklärt, wie zwei Kugeln schon mal eine ganze Mahlzeit ersetzen können), trotzdem aber sehr weich und fein schmelzend-cremig schmeckt. In Gelato gehören nur hochwertige Naturprodukte wie Milch, Sahne, Zucker, Nüsse oder Früchte. Und: Gelato hat weniger Fett und Kalorien als Ice Cream! Wenn das mal keine Good News sind, dann weiß ich auch nich!

Gelato MuseumVintage Eis-Box im Gelato Museum

Doch anstatt nun richtig in die Verköstigung einzusteigen, geht die Theoriestunde erst einmal weiter: Ich schnuppere in die Kurse der Gelato University hinein. In der ersten Vorlesung werden Rezepte und Inhaltsstoffe gewälzt, danach besuche ich die „Eisbomben und Eistorten“-Klasse und die „Sorbet-Klasse“. Zwischen Eismaschinen, Rührschüsseln und Bergen von Zutaten entstehen hier die leckersten Kreationen – definitiv nur was für Fortgeschrittene!

Im Gespräch mit den Studenten wird klar: Es sind Leute aus der ganzen Welt und mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen, die sich für die Kunst des Gelato interessieren – aus der Gastronomie kommt ursprünglich kaum jemand hier, so wie das junge Ehepaar aus den Südstaaten – Ex-Anwälte, die nun ihr eigenes Café mit selbstgemachtem Bio-Food eröffnen wollen (und mit Gelato!).

Gelato University Kurs

Gelato University Kurse

Rezept Gelato

Sorbet Kurs Gelato University

Gelatiere Gelato University

Als nächstes geht es dann endlich selbst ran ans Gelato – das „Gelato Lab“ ist wie eine Eisdiele mit offenem Arbeitsbereich. Und da ist der große Gelato-Meister bereits zu Gange. Ich fühle mich wie im 7. Eishimmel und teste mich erst mal quer durch die verschiedenen Gelati, bevor wir anschließend unter Anleitung des Meisters selbst ein herrlich cremiges Mandel-Pinienkern-Gelato machen. Und das geht ungefähr so: alle Zutaten in der richtigen Dosierung vermengen und immer schön rühren. Dann das Ganze in eine Eismaschine kippen und die erledigt dann den Rest (erst erhitzen, dann runterkühlen und weiterrühren – ganz alleine und von Hand geht es halt leider nicht!).

Trotzdem bin ich schon ein bisschen stolz, als eine Version unseres Gelato kurze Zeit später unten aus der Maschine kommt. Ein weiterer Geschmackstest bestätigt: Es schmeckt richtig toll! Und ich nehme noch ein Löffelchen… und noch eins…

Gelato making class Bologna

selbstgemachtes Gelato Italien

Am späten Nachmittag mache ich mich auf den Rückweg in die Stadt. Mein Bauch ist voller Gelato und in meiner Hand halte ich eine Kühltasche mit noch mehr Gelato. Von dem ganzen Gelato ist mir schon ganz blömerant und ich bin mir sicher, dass ich nur noch ein, zwei Gelatolöffelchen entfernt bin von Zuckerschock und Perma-Gehirnfrost. Doch das war’s wert!

Ob ich abends noch ein kleines Gelato verspeist habe? Nein. Denn als ich schließlich im Apartment in der Via delle Moline in Bologna ankomme, möchte ich nur noch eins: FLEISCH.

Gelato University – Infos und Tipps

Hinkommen: In ca. 40 Minuten von der Piazza XX Settembre in Bologna mit dem Bus 87 Richtung Anzola dell’Emilia – der Bus hält vor dem Carpigiani-Gelände.

Carpigiani bietet neben mehrwöchigen Ausbildungen in der der Gelato University auch verschiedene mehrstündige Führungen und Gelato Tastings an, aber auch Gelato Workshops (z.B. die „Gelato Masterclass“), in denen man lernt, sein eigenes Gelato zu machen. Checkt vorher die Termine oder fragt bei Carpigiani nach einem Schnupperkurs an. Mehr Infos zu aktuellen Terminen findet ihr hier, hier mehr Infos zur Gelato University.

Mein Aufenthalt in Bologna war Teil der Kampagne „Blogville“. Vielen Dank an Emilia Romagna Tourismus und die Carpigiani Gelato University für die Einladung! Alle Ansichten sind meine eigenen.

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