Von glücklichen Straßen und unvollendeten Tempeln in Chiang Rai

Eigentlich waren wir ja nur auf der Durchreise nach Laos, geblieben sind wir dann mehrere Tage. Die Rede ist von Chiang Rai, größter Außenposten im hohen Norden Thailands und Ausgangspunkt für Touren ins Goldene Dreieck, dem berühmt-berüchtigten Grenzland zwischen Burma, Thailand und Laos.

Chiang Rai entpuppte sich als kleine, irgendwie relaxte Stadt, in der es Anfang Dezember für thailändische Verhältnisse sogar angenehm ‚kühl‘ war (soll heißen: wir immer noch in unseren Sommerklamotten, aber in den Läden hingen Winterjacken und jawohl, Pelzmäntel). Was es dort sonst noch so gibt?

Das Stadtzentrum mit einigen modernen Läden und Restaurants lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Rings um den goldenen Clocktower gibt es einige schöne Cafés und Coffeeshops mit ‚richtigem‘ Kaffee (nicht die asiatische Variante mit gesüßter Kondensmilch) und genialen Eiskaffee-Frappes, wo man auch gut frühstücken kann. Nicht zu übersehen ist der Night Bazaar voller Kunsthandwerk und Souvenirs, der zwar eher touristisch ist, auf dem wir aber auch einige gute Klamotten gefunden haben – zu deutlich günstigeren Preisen als z.B. in Chiang Mai.

Auf dem Food Court hinter dem Markt gibt es hauptsächlich Frittiertes (und endlich sahen wir auch mal Insekten!) und auf der kleinen Bühne spielen jeden Abend total schräge Bands. Allerdings gibt es dort unschlagbares Sushi zu unschlagbaren Preisen! Auch das „Roti“ auf dem Markt solltet Ihr probieren, das macht richtig süchtig (dünne Fladen ähnlich wie Crepes, mit Schokolade, Ei, Banane usw. gefüllt).

Jeden Samstag Abend findet im Stadtzentrum von Chiang Rai die „Saturday Walking Street“ statt, ein großer Nachtmarkt auf offener Straße. Nachdem wir den leider verpasst hatten, fanden wir heraus, dass es Sonntag Abends etwas abseits des Zentrums einen weiteren, etwas kleineren Straßen-Nachtmarkt mit dem süßen Namen „Sankhongnoi Happy Street“ gibt. Mit dem Tuktuk ließen wir uns kurzer Hand dort hinkarren und stellten fest: Der Happy Street Market ist ein absoluter Geheimtipp!

Im Gegensatz zu den Night Markets und ‚Walking Streets‘ in Chiang Mai, wo wir zuvor gewesen waren und wo man sich regelrecht mit Horden anderer Touris durch die Straßen schieben musste, war das das Paradies: Nicht überlaufen, relaxte Stimmung und sehr authentisch – dieser Markt gehörte ganz den Einheimischen (außer uns sahen wir an diesem Abend noch genau einen anderen Ausländer).

Wir stöberten durch Vintage-Klamotten, probierten uns durch die Essensstände (auch hier gab es wieder massenweise stinkende Insekten, an die wir uns aber nicht rantrauten) und schauten den Locals beim Tanzen zu. Definitiv eine „glückliche Straße“!

Das absolute Highlight Chiang Rais liegt vor den Toren der Stadt: Wat Rong Khun, der White Temple. Auch wenn man zu diesem Zeitpunkt schon keine Tempel mehr sehen kann – dieser Tempel ist „anders“! Unkonventionell, eine Mischung aus traditionellen buddhistischen mit ‚gruseligen‘ Elementen und popkulturellen Referenzen. Der Künstler Chalermchai Kositpipat hat in den 90er Jahren angefangen, ihn zu bauen. Ähnlich wie Gaudis Kathedrale in Barcelona ist der Tempel-Komplex noch unvollendet und es wird wohl noch 60 bis 90 Jahre dauern, bis alles fertiggestellt ist.

Gleich wenn man das Gelände betritt, ist man erst einmal geblendet vom Haupttempel:

Der Tempel ist ganz in weiß gehalten mit Spiegelelementen, die in der Sonne glitzern. Bevor man in den heiligen Gebetsraum mit den Buddhastatuen im Innersten kommt, überquert man eine Brücke über die ‚Abgründe der Hölle‘ (bzw. der Wiedergeburt). Verzweifelt recken die in ihr Gefangenen ihre Hände nach oben in der Hoffnung, zu entkommen und zu Buddha zu gelangen.

Auf dem Gelände rund um den weißen Tempel herum entdeckt man weitere, leicht verstörende Details, die man von einem buddhistischen Tempel nicht unbedingt erwartet hätte – wie von Bäumen hängende Köpfe:

H.R. Giger-artige dämonische Kreaturen gibt es auch. Und der Predator ist auch hier!

Man entdeckt Dämonen, die vor den menschlichen Lastern Alkohol und Rauchen warnen.

Und die wahrscheinlich schönste Toilette Südostasiens:

Der Rest des Tempelkomplexes ist zum Großteil noch Baustelle und man fragt sich, wie das Ganze wohl in ein paar Jahren (Jahrzehnten?) einmal aussehen wird?

Ich fand den White Temple sehr faszinierend, weil er ganz anders als alle anderen Tempel ist, die ich bis dato gesehen habe. Mehr Kunstprojekt als religiöses Bauwerk vielleicht. Unkonventionell und auch ein bisschen ‚over the top‘.

Habt Ihr schon mal einen Tempel besucht, der Euch total fasziniert hat?

Infos

Hinkommen: Nach Chiang Rai: mit dem Bus von Chiang Mai in ca. 3-4 Stunden. Klimatisierte Reisebusse verschiedener Stufen (VIP, 1st Class, 2nd Class) fahren mehrmals täglich vom Busbahnhof für Fernbusse in Chiang Mai, wo man am selben Tag Tickets kaufen kann (200 bis 260 Baht). Der Bus hält in Chiang Rai erst am Busbahnhof außerhalb der Stadt, erst der zweite Stop ist der Busbahnhof im Zentrum. Es gibt auch Busverbindungen von Bangkok nach Chiang Rai sowie Flüge von Bangkok oder Chiang Mai (z.B. mit Air Asia).

Zum White Temple: Vom Busbahnhof im Stadtzentrum fahren ca. alle 20 Minuten Busse (ca. 40 Baht pro Person). Am Busbahnhof durchfragen! Bezahlt wird im Bus beim Busfahrer. Zurück geht ihr vom weißen Tempel wieder vor zur großen Überlandstraße und biegt rechts ab. An der Straßenecke ist ein großes goldenes Königsporträt. Ein paar Meter dahinter an der Landstraße ist eine Bank unter einem großen Baum vor einem Haus mit einer Näherei – das ist die Bushaltestelle! Ungefähr alle 30 Minuten kommen Songthaew-Busse vorbei, die ins Zentrum von Chiang Rai fahren (Pickups mit überdachten Bänken hinten drauf). Am Besten and der Straße stehen und ranwinken.

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