Neuseeland: An der Westküste der Südinsel entlang

35 Jahre hat es gedauert, bis der letzte Streckenabschnitt fertig wurde. Die Rede ist vom State Highway 6 auf Neuseelands Südinsel, der einzigen Verbindungsstraße von Nord nach Süd an der Westküste. Weite Strecken führt sie am Meer entlang, an flacher Küste und Steilküste, durch Berge und Regenwald bis in die neuseeländischen Alpen. Vorbei an kleinen Ortschaften und ehemaligen Goldgräberstädtchen durch die Wildnis, vorbei an Nationalparks mit Gletschern und schneebedeckten Gipfeln.

Letzte Woche bin ich sie gefahren und möchte Euch mitnehmen auf eine kleine Fototour!

Die Westküste bei Tauranga Bay

Los geht’s oben im Nordwesten der Südinsel bei Westport. Wer von Nelson und dem Abel Tasman Nationalpark an der Nordküste der Südinsel rübergefahren kommt, stößt hier bei Cape Foulwind das erste Mal auf die Westküste. Bei Tauranga Bay solltet Ihr unbedingt anhalten – hier könnt Ihr einen schönen Küstenweg entlang laufen und von einer Aussichtsplattform aus eine Pelzrobbenkolonie beobachten.

Ein Stück weiter südlich beginnt die Steilküste. Die Straße windet sich direkt an ihr entlang, was immer wieder für geniale Ausblicke sorgt:

Es gibt Aussichtspunkte und auch einige wenige zugängliche Strände. Mit Glück lassen sich hier Robben und sogar kleine Pinguine beobachten (ich hatte leider kein Glück, was die Pinguine betrifft… schade!).

Da es hier wärmer ist als im Süden, wächst hier ein dschungelartiger Regenwald mit Baumfarnen und irgendwie tropisch aussehenden Nikau-Palmen bis direkt an die Küste heran. Den Rest erkenne ich nicht, aber ich finde es toll, dass die Vegetation hier komplett anders und eigen ist – neuseeländisch eben!

Bei Punakaiki dann ein Highlight: Die „Pancake Rocks“. Das sind Felsformationen an und vor der Küste, die aussehen sollen wie aufeinandergestapelte Pancakes (ich fang jetzt nicht mit der „Eier- oder Pfannkuchen“-Diskussion an – Ihr wisst schon). Auf Holzstegen gelangt man runter zu den Felsen, die teilweise unterhöhlt sind und „Blowholes“ bilden, durch die das Meerwasser in Fontänen durchschießt.

Ungefähr 40 Minuten weiter südlich ist die Minenstadt Greymouth erreicht, die einzige ‚größere‘ Stadt der Westküste. Nicht gerade eine Schönheit und auch nicht besonders spannend, aber ich fand, die Stadt strahlte so ein bisschen Pionierzeit- und Wildwest-Charme aus, den ich bisher nur vom Westen der USA kannte (jetzt gibt’s auf meiner persönlichen Weltkarte auch einen Wilden Westen von Neuseeland! Woohoo!).

Greymouth bietet sich jedenfalls für eine Übernachtung an der Strecke an. Wer auf das neuseeländische Monteith’s-Bier steht, ist hier übrigens an der Quelle bzw. der Brauerei!

Das Neptune’s Backpacker Hostel in Greymouth, in einem alten Hotel und Irish Pub

Südlich von Greymouth, nach Hokitika mit seinen Jade-Werkstätten und Galerien (die Maori nennen den Stein „Pounamu“ und machen daraus Waffen und Schmuck), verlässt der Highway die Küste. Jetzt kommen die neuseeländischen Alpen!

Nächstes Etappenziel sind die beiden großen Gletscher Franz Josef und Fox mit den gleichnamigen Touristenorten. Das Faszinierende an den beiden Gletschern ist, dass sie a) wachsen (!), b) sich für Gletscher extrem schnell bewegen und c) vom Gebirge in den Küstenregenwald hineinreichen (in der Umgebung ist überall der neuseeländische Dschungel). Die beliebteste Aktivität hier sind – natürlich – geführte Gletschertouren und -flüge, man kann aber auch einfach so wandern.

Auf dem Weg zum Lookout an der Zunge des Franz Josef-Glaciers (im Hintergrund)

Nach Fox wird die Szenerie noch spektakulärer: Vom Lake Matheson aus hat man einen tollen Blick auf die Südalpen mit Mount Tasman und dem höchsten Gipfel Aoraki / Mount Cook (ganz rechts – links daneben der Mount Tasman):

Den See kann man in ca. einer Stunde umrunden. Hier unbedingt anhalten!

Noch weiter südlich wird es dann richtig einsam und wild. Einmal geht es noch vor zur Küste. Nach Haast ist damit Schluss, hier durchquert man das Hast Country und danach den Haast Pass. So hab ich mir die Südinsel immer vorgestellt!

Der Haast Pass ist eigentlich relativ niedrig (563m) und bringt einen von der Küste einmal durch die Berge in die Gegend von Lake Wanaka ins eher trockene Grasland der Region Otago.

Lake Hawea. Ohne Worte!

Unbedingt einen Stopp an den Seen Lake Wanaka und Lake Hawea einlegen – vor allem bei schönem Wetter! In Wanaka kann man auch sehr schön übernachten (und urlauben).

Ein sonniger Nachmittag in Wanaka

Die nächste Etappe führt von Lake Wanaka weiter nach Queenstown. Unterwegs kann man sich noch schnell von der Kawarau Bridge stürzen (die erste kommerzielle Bungy-Anlage – „wo alles begann“), oder einfach von der Aussichtsplattform anderen dabei zuschauen. In Queenstown gibt’s dann noch mehr Gelegenheiten für kurzfristige Adrenalinschübe, die Stadt zelebriert nämlich Abenteuersport an jeder Ecke.

Jedenfalls ist Queenstown total schön am Lake Wakatipu gelegen und von schroffen Bergen umgeben – man kann sich also auch einfach an den See setzen und sich über den tollen Roadtrip freuen. 😉

Wart Ihr schon mal in Neuseeland? Dann teilt Eure Tipps und Erfahrungen unten!

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20 Kommentare

  • Christina sagt:

    Wow. Ich war noch nie in Neuseeland und es hat mich auch irgendwie nicht gereizt. Wenn ich jetzt aber deine Fotos ansehe und diese unterschiedlichen Gegenden betrachte – wow. Von Strand bis Stadt und von Prärie (haha, so sieht es zumindest aus) zu Bergsee. Sehr schön.

    Liebe Grüße
    Christina

    • Susi sagt:

      Das freut mich! 🙂 Ja, das hat mich auch überrascht – in Neuseeland hat man ungaublich viele Einflüsse und Landschaften an einem Tag, wenn man will!

  • Tami sagt:

    Ich finde solche Natur“schauspiele“ wie die Pancakes-Rocks immer total faszinierend und könnte davon 1.000e Fotos machen…

    Bist du in Wanaka eigentlich auch selbst mit dem Kajak gefahren? 😉

  • Manuela sagt:

    Ein Bild schöner als das andere. Danke für diese Fotoreise 🙂

    Leider noch nie dagewesen, obwohl der Reiz da wäre.. aber die paar Urlaubstage sind einfach viel zu kurz für dieses tolle Land.

    LG
    Manuela

  • barbara bonnkirch sagt:

    Ich war mit meiner Freundin im KEA Camper vom 1.11. – 10.12.2012 insgesamt 6000 km unterwegs über Nord-und Südinsel und ich habe heute Entzugserscheinungen – muss ich da mehr sagen. 30 Jahre jünger – ich würde alles daran setzen, auszuwandern. Es war immer mein Traum und es war schöner, als ich mir vorstellen konnte. Wir haben free Camping gemacht und auch die Holiday Parks aufgesucht, Routen gefahren, die uns Einheimische empfohlen haben, haben den Frühling erlebt, gelbe Hänge in einer Farbenintensität, in Hahai im heißen Wasser gesessen, den Hooker Pass erwandert , unberührte Sanddünen an der Wahariki Beach – muss ich mehr sagen – wie lange wird es noch dieses Paradies sein?
    kia ora

  • Nina sagt:

    Sehr schöne Fotos!!! Ich LIEBE Neuseeland. War inzwischen 3x da und könnte jedes Jahr wieder 🙂 Leider habe ich einige Regionen immer noch nicht gesehen, aber das kommt noch. Campen finde ich persönlich am Besten dort, war daher in der Regel mit dem Zelt unterwegs. Ich war kaum an einem Ort, der mich nicht fasziniert hat!
    Ein paar Leute kenne ich dort auch, weshalb es die Reisen dorthin natürlich umso spezieller macht und man dadurch auch mal länger an einem Ort bleibt.
    Auf meinem Blog findet man auch Infos zum Campen in Neuseeland…vielleicht interessiert es Dich ja auch:-)

    • Susi sagt:

      Danke Nina, das klingt super, ich bin immer noch da und plane in Gedanken schon den nächsten Trip… beim nächsten Mal gerne auch mal mit Campen! 😉

  • Jana sagt:

    Leider war ich noch nie in Neuseeland, und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern: da bräuchte man schon ein paar Wochen damit sich die lange Anreise lohnt und man alles gesehen hat 😉 Leider mit meinem derzeitigen Fulltimejob nicht zu realisieren! Aber grandios sieht es aus auf deinen Bildern…wer weiß eines Tages…
    Liebe Grüße und weiterhin eine gute Reise, Jana

  • Christina sagt:

    Neuseeland steht definitiv auf meiner IRGENDWANN Reiseliste – aktuelle scheint es schier unmöglich für mich dahin zu kommen. Aber diese Bilder lassen mich bis dahin ein wenig träumen.

    Die „Pancake Rocks“ sehen ja wirklich genial aus! Und die Spiegelung im Lake Matheson ist einfach fantastisch!

    Ich wünsche dir weiterhin eine gute Reise und freue mich auf #RBITB in Berlin.
    LG Christina

  • Nicole sagt:

    Wow! unglaublich schöne Bilder. Das sind ja wahnsinnige Landschaften!!! Nach Herr der Ringe und diesen Bildern, rutscht Neuseeland nochmal ein paar Stufen höher auf meiner DA-MUSS-ICH-HIN-Liste. echt schön!!!!

  • Patrick sagt:

    Auf der Südinsel hat fast jedes Dorf seinen eigenen wunderbaren See.. sehr faszinierend. Irgendwann will ich mir die ganze Gegend noch einmal im Frühjahr ansehen, wenn alles was jetzt braun ist, dann grün sein wird.
    In diesem „ollen“ Neptunes Hostel bin ich übrigens auch gewesen 😉

    • Susi sagt:

      Danke, ja die Seen auf der Südinsel waren wirklich wunderschön, ein echtes Highlight. Ich würde auch gerne nochmal im Frühjahr oder Herbst hin!

  • Corinna sagt:

    Hi Susi,

    sehr schöner Bericht von der Westküste NZ! Ich war 2014/15 in Neuseeland und habe auch einen Blog geschrieben. Schade, dass ich Deinen Blog da noch nicht kannte. Das wären gute Tips gewesen. Das Hostel in Greymouth (dein Foto) war da bereits geschlossen. Campen hat mir am Ende auch mehr Spass gemacht, als die Hostels, obwohl beides schön ist. Man hat halt mehr von der atemberaubenden Natur beim campen. Weitere Reiseberichte auf meinem neuen Blog, falls Du noch Inspiration suchst. Wobei Du schon recht viel gemacht hast. 😉 https://wordpress.com/posts/reisekulturgedanken.wordpress.com

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