Irlands Westküste abseits der Massen: 7 schöne Orte und Geheimtipps am Wild Atlantic Way

Irland Westküste: schöne Orte und Geheimtipps

Schmiedet ihr auch schon Reisepläne für das kommende Jahr? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber die letzten beiden Jahre haben mein Fernweh sicherlich nicht kleiner werden lassen – im Gegenteil!

Es gibt da diese Sehnsuchtsorte, an die ich total gerne wieder einmal reisen würde, und einer davon ist Irland.

Besonders die raue und mystisch-schöne irische Westküste hat es mir angetan. Schroffe, wellenumtoste Klippen, dazwischen malerisch-weiße Sandstrände und saftig-grüne Weiden gesprenkelt mit Schafen, wunderschöne Küstenwanderwege und gemütliche Pubs zum Aufwärmen, geheimnisvolle Hügelgräber, B&Bs mit Meerblick… Dort, wo die grüne Landschaft Irlands auf den rauen, weiten Atlantik trifft, entsteht eine ganz besondere Energie, die dir den Kopf freipustet und dich Natur und Weite spüren lässt.

Mit dem Wild Atlantic Way gibt es eine perfekte Roadtrip-Route, die über 2.500 km an Irlands wilder Westküste entlangführt. Abseits der Massen und der Hotspots wie den Cliffs of Moher stelle ich euch hier sieben schöne Orte und ein paar ausgewählte Geheimtipps für eure nächste Reise an die Westküste Irlands vor. Lasst mich gerne wissen, wenn ihr gerade eine Reise nach Irland plant oder die Tipps ausprobiert habt!

1. Inishowen – Einsamkeit und Weite am nördlichsten Punkt Irlands

Ganz viel einsame Natur und diese endlos weiten Landschaften, verlorene Cottages und mehr Schafe als Menschen – das County Donegal ganz im Norden liegt definitiv am Ende der Landkarte. Vielleicht fand ich es deshalb so faszinierend dort! Besonders auf der Halbinsel Inishowen ganz im Norden der Republik wirkt Irland noch ein Stück rauer und einsamer und mystischer. Hier sah es so aus wie auf den Kalenderblättern vom Westen Irlands, mit denen ich damals schon sehnsüchtig mein Jugendzimmer zupflasterte.

Inishowen, die größte Halbinsel Irlands, liegt (zum Glück) etwas abseits ausgetretener Irland-Pfade, dabei gibt es hier einiges zu entdecken. Nicht verpassen: Malin Head, der nördlichste Punkt Irlands! Hier beginnt und endet der Wild Atlantic Way. Über diesen Klippen schwebte der Millennium Falcon in „Star Wars: Die letzten Jedi“, auf dem Meeresgrund davor liegen zahllose U-Boote und Schiffswracks begraben. Noch heute findet man hier die Reste eines Wachturms aus dem 19. Jhd., der im Zweiten Weltkrieg als Aussichtsturm diente. Daneben prangt auf dem Boden der riesige Schriftzug „Eire“, der gegnerischen Fliegern anzeigen sollte, dass sie neutrales Gebiet überfliegen. Lauft ein Stück auf dem schönen Küstenwanderweg zum „Hells Hole“ und kehrt danach auf ein frischgezapftes Pint in Farren’s Bar ein, den nördlichsten Pub Irlands.

Malin Head nördlichster Punkt Irlands
Küstenwanderweg Malin Head Irland
Farrens Bar Malin Head Irland
Glenevin Wasserfall Donegal Irland

Schön fand ich in Inishowen auch die Gap of Mamore, eine Panoramastraße mit mehreren Aussichtspunkten und tollem Blick auf die Halbinsel. Einen Besuch wert sind definitiv auch der Glenevin Wasserfall und der wunderbar weite Five Finger Strand.

Ein verwunschener und beeindruckender Ort ist das Steinfort Grianán of Aileach, dessen Ursprünge ca. 3.000 Jahre zurückreichen. Das kreisrunde, imposante Ringfort liegt auf einem Hügel und diente lange Zeit als Sitz der frühirischen Herrscher. Von den Ringwällen, die heute noch frei begehbar sind, hat man einen genialen Blick! Das uralte Fort ist auch ein ganz besonderer Sonnenuntergangs-Spot.

Grianan of Aileach Inishmore IrlandGrianan of Aileach Inishmore Irland
Grianan of Aileach (Foto: Tom Archer ©Tourism Ireland)

2. Auf dem Rand der Welt: die gewaltigen Klippen von Slieve League

Ich finde, es gibt an der irischen Westküste nichts Schöneres, als sich auf einem „Cliff Walk“ so richtig den Kopf freipusten zu lassen, in seinem eigenen Tempo an der Küste entlangzuwandern und die wunderbaren Ausblicke aufzusaugen. In Irland gibt es viele großartige „Cliff Walks“ bzw. Küstenwanderwege, doch nirgends sind die Klippen gewaltiger als bei Slieve League (irisch: Sliabh Liag) in Donegal. Fast 600m ragen sie aus dem scheinbar endlosen Atlantik empor und zählen damit zu den höchsten Seeklippen Europas. Hier kommt man sich wirklich vor, als stünde man auf dem Rand der Welt. Dass die Küste hier meist in Wolken gehüllt ist, verstärkt den unwirklichen Eindruck.

Die Klippen von Slieve League sind nicht nur viel höher als die Cliffs of Moher, sondern auch viel wilder und viel weniger touristisch. Außerdem gibt es hier richtig gute Wandermöglichkeiten, zum Beispiel der abenteuerliche One Man’s Track oder der Pilgrim’s Path. Nur zur offiziellen Aussichtsplattform zu laufen, wäre viel zu schade! Wer mag, kann die Landschaft zusätzlich vom Boot aus erleben. Bei einer Bootstour entlang der Klippen haben wir sogar Delfine gesehen, die unserem Boot folgten und die ganze Zeit darunter hindurchtauchten.

Bootstour Slieve League Irland Delfin

3. Strandhill – Entdecke die Surfer-Küste von Sligo

Wusstet ihr, dass man an Irlands Westküste auch richtig gut surfen kann? Einige der besten Spots liegen in Sligo. Wenn ihr mal einen Surfkurs abseits der üblichen Massenziele machen wollt, findet ihr hier gute Bedingungen und diverse Surfschulen. Doch auch wenn ihr (wie ich) nicht zum Surfen da seid, ist Sligos Surfer-Küste einen Besuch wert – nicht nur aufgrund der schönen weiten Sandstrände.

In dem kleinen Bade- und Surferort Strandhill ist ein bisschen Surfer- und Hipster-Atmosphäre eingezogen, was es aber umso charmanter macht. Zum Beispiel bei Shell’s Café, einem individuell eingerichteten Café in einem meerblau gestrichenen Haus direkt am Strand, das ich sehr empfehlen kann. Hier gibt es richtig leckeres, frisches Essen vom Frühstück über Kaffee und Kuchen, Salate, Suppen, Bowls, Burger und Fischgerichte. Zum Café gehört auch ein Außenbereich und ein kleiner Laden mit hübschen Dingen. Danach genehmigt ihr euch ein unglaublich gutes, hausgemachtes Eis bei „Mammy Johnston’s“ und abends geht’s ins Tapas-Restaurant „Stoked“.

Macht einen Ausflug nach Coney Island (ja, das, nachdem das Coney Island in New York benannt ist), oder wandert auf dem Küstenpfad vom Dunmoran Strand zum Aughris Head und kehrt unterwegs in den Strand-Pub „The Beach Bar“ ein. Toll ist auch eine Wanderung auf den „Hausberg“ Knocknarea. Von oben habt ihr nicht nur eine fantastische Aussicht auf die Küste und die Strände. Der flache Gipfel ist auch ein heiliger Ort: Auf ihm thront u.a. das imposante, ungeöffnete Hügelgrab „Queen Maeve’s Tomb“, das stolze 60 m Durchmesser hat und über 5.000 Jahre alt sein soll.

Shells Cafe Strandhill Irland Geheimtipps

Wie wäre es mit einem traditionellen Meeresalgen-Bad?

In Strandhill habe ich noch einen ganz besonderen Tipp für euch: Was klingt wie ein neumodischer Wellness-Trend, ist in Wirklichkeit eine sehr alte Tradition: „Seaweed Baths“ mit der geballten Pflanzen-Power der heimischen Meeresalgen. Über 300 Seetang-Badehäuser soll es in Irland einmal gegeben haben. Voya Seaweed Baths haben die Tradition in Strandhill wiederbelebt, so dass ich hier zum ersten Mal in den Genuss eines Bads in heißem Meerwasser mit frischen Seetangblättern kam. In eine Wanne voller Algen zu sinken fühlte sich zunächst zwar etwas komisch an, war aber absolut entspannend und das Algengel machte eine unglaublich weiche Haut! Neben den Seaweed Baths werden bei Voya auch verschiedene Massagen und Kosmetik-Behandlungen angeboten – super zum Entspannen.

4. Mullaghmore: Big Waves, Seafood und ein bisschen Mystik

Auch für meinen nächsten Tipp bleiben wir im County Sligo, genauer gesagt in der mystischen Landschaft um den Fischerort Mullaghmore. Wundert euch nicht, falls euch hier Surfer begegnen: Mullaghmore ist auch bekannt als Big Wave-Surf-Spot! Toll ist der Blick vom Mullaghmore Head auf den Atlantik. Von dort könnt ihr noch ein kleines Stück weiter in Richtung Süden an der Küste entlangwandern, bis das verwunschene Classiebawn Castle vor euch auftaucht. Da es in Privatbesitz ist, könnt ihr es nur vom Castle Viewpoint bewundern, doch das lohnt sich: ein absoluter Postkartenblick! Wer noch ein kleines Stonehenge-Erlebnis möchte: Ganz in der Nähe von Mullaghmore findet ihr mit dem Creevykeel Court Tomb die Überreste einer megalithischen Grabanlage aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.

Mullaghmore Irland Classiebawn Castle

Mein eigentlicher Tipp ist jedoch kulinarischer Natur und heißt Eithna’s by the Sea. Das Seafood-Restaurant liegt direkt am Hafen in Mullaghmore und ist nicht zu übersehen, da es von außen mit einem Meeres-Mural verschönert ist. Auch in den hellen, gemütlichen Innenräumen geht das Meeres-Motto weiter. Nicht zuletzt auf den Tellern: Bei Eithna’s bekommt ihr frisches, lokales Seafood wie Lobster, Muscheln und Krabben (es gibt aber auch vegetarische Gerichte). Interessant fand ich, wie sich das Seaweed, Powerfood der Region, hier in der einheimischen Küche wiederfindet, zum Beispiel in dem sehr leckeren Ziegenkäse-Salat mit roter Bete und Seaweed-Pesto.

Eithnas by the sea Irland Restauranttipp
Seafood Restaurant Irland
Eithnas by the sea Seafood Restaurant Mullaghmore

5. Küstenwanderung auf den Spuren der spanischen Armada

Was bitte hat die spanische Armada mit Irland zu tun?! Genau das hab ich mich auch erst gefragt, und wurde dann neugierig. Denn was viele nicht wissen: Nach der Niederlage des spanischen Königreichs gegen England in der Seeschlacht im Ärmelkanal im 16. Jahrhundert flohen die gewaltigen Kriegsschiffe der spanischen Armada in Richtung Irland. Dort fielen die teilweise beschädigten Schiffe dem rauen Nordatlantik zum Opfer, viele sanken entlang der irischen Westküste. Wer sich an Land retten konnte, wurde verfolgt und getötet.

Noch heute erinnern viele Orte in Irland an das Desaster der spanischen Flotte. So zum Beispiel das Spanish Armada Monument, ein kleiner Aussichtspunkt am Streedagh Point in Sligo. Bei einer geführten Walking Tour auf dem Spanish Armada Trail entlang des wunderschönen Streedagh Strands erfahrt ihr spannende Details über diese Geschichte, die Unterwasser-Archäologie an den Schiffswracks, aber auch über die spezielle Natur hier an der Küste. Die Tour könnt ihr bei Seatrails buchen.

6. Dingle Peninsula – einer meiner Lieblingsorte in Irland

Saftig grüne Weiden, weiße Strände, grandiose Ausblicke über die Küste vom Slea Head Drive und bunte Häuschen in Dingle Town: Die Dingle Halbinsel an der irischen Westküste ist einfach nur schön und zählt zu meinen Lieblingsorten in Irland. Auf meinem Solo-Roadtrip im Westen Irlands habe ich mich hier in ein total gemütliches Bed and Breakfast mit Meerblick namens Pax Guest House einquartiert und die Tage hier abwechselnd mit Schreiben und Erkundungen verbracht. Das Pax Guest House liegt außerhalb von Dingle Town und hat einen fantastischen Blick auf grüne Weiden, die Bucht (in der bis vor Kurzem noch der berühmte Delfin „Fungie“ lebte) und die gegenüberliegende Küste mit dem Ring of Kerry.

Vielleicht lag es an der Nebensaison (ich war im Herbst da), vielleicht an dem sensationellen Spätsommerwetter, das ich erwischt hatte, dass Dingle so eine besondere Magie für mich hatte. Landschaftlich ist die Halbinsel jedenfalls einfach nur schön, egal ob in den Bergen im Inneren der Halbinsel oder entlang der Küstenstraße Slea Head Drive. Macht unbedingt auch hier eine Küstenwanderung und seht die Sonne über den vorgelagerten Inseln und Buchten am Slea Head und Dunquin Pier untergehen. Spannend sind auch die Überreste des eisenzeitlichen Dunbeg Forts und früher Siedlungen mit Steinhütten in Bienenkorbform. Und abends geht’s in einen der gemütlichen Pubs von Dingle Town!

Dingle Cliff Walk Irland Westküsten-Tipp
Dunquin Pier Dingle Irland
Blick vom Pax Guest House in Dingle, Irland
Blick auf grüne Weiden und Meer vom Pax Guest House
Irland Westküste: schöne Orte und Geheimtipps

7. Geheimtipp: die raue Schönheit der Beara Halbinsel

Südlich des beliebten (und oft überlaufenen) „Ring of Kerry“ liegt eine Halbinsel, die rau und ursprünglich daherkommt und fast noch ein Geheimtipp ist: Beara. Viel entlegener und weniger touristisch erschlossen ist sie und auch ziemlich geheimnisvoll – was an den zahlreichen Steinkreisen dieser Gegend liegen könnte oder den verlassenen Ruinen der Allihies Kupferminen. Oder den einsamen Caha Mountains, durch die sich der Healy Pass in Kehren hinaufwindet. Entlang des „Ring of Beara“, einer 140 km langen Panoramastraße, könnt ihr die Halbinsel erkunden. Wer gerne wandert, sollte sich unbedingt den „Beara Way“ anschauen, einen 152 km langen Fernwanderweg, der einmal rings um die Halbinsel führt, und den ihr auch etappenweise wandern könnt.

Beara Way wandern Irland
Healy Pass Beara Irland
Straße auf der Beara Halbinsel Irland

Mehr Tipps & Infos zu Irland:

Hier findet ihr mehr Reisetipps und Infos zum Wild Atlantic Way!

Hier geht es zu meinem Artikel über meinen Solo-Roadtrip entlang der Westküste Irlands (inkl. Reiseroute, Tipps und meinen Erfahrungen zum Alleinreisen in Irland).

Mehr zu Donegal und einem Roadtrip auf der Inishowen 100 lest ihr bei Nina von Smaracuja.

Bei Kathrin von Fräulein Draussen findet ihr Ideen und Tipps zum Thema Fernwandern in Irland.

Die jeweils aktuellen Einreise- und Corona-Bestimmungen für Irland findet ihr auf der Website des Auswärtigen Amts und bei Ireland.com.

Wart ihr schon mal in Irland und habt Tipps, oder plant eine Reise dorthin? Dann freue ich mich über einen Kommentar!

Transparenz: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Tourism Ireland. Alle Ansichten sind wie immer meine eigenen; alle Tipps basieren auf meiner persönlichen Reiseerfahrung und Recherche in Irland.

Photo Credits: Bild Slieve League: Michael Shannon via Unsplash, Bild Strandhill: Brian Morrison via Tourism Ireland, Bild Ben Bulben: Andreas Brunn via Unsplash.

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