Schwäbisches Hanami: Ausflug zur Streuobstblüte am Rande der Schwäbischen Alb

Kennt ihr die japanische Tradition des Hanami? Das „Blüten betrachten“ geht jedes Jahr im Frühjahr los, wenn die Kirschbäume in voller Blüte stehen und wird von Picknicken unter Bäumen und Kirschblütenfesten begleitet. An eine Reise nach Japan ist ja leider derzeit nicht zu denken, doch wusstet ihr, dass es auch am Rande der Schwäbischen Alb jeden Frühling eine Art „schwäbisches Hanami“ zu bestaunen gibt?

An den Ausläufern der Schwäbischen Alb, südlich von Stuttgart zwischen Alb und Neckar, befinden sich traditionell zahlreiche Streuobstwiesen – eine sehr alte Kulturlandschaft mit insgesamt 1,5 Millionen Obstbäumen. Die japanischen Zierkirschen mit ihrer pinken Blütenexplosion findet man hier zwar nicht, dafür jede Menge alter Apfel- und Birnensorten, aber auch Kirsch- und Zwetschgenbäume. Zwischen April und Juni blühen sie und sprenkeln die unteren Hänge an den Ausläufern der Schwäbischen Alb weiß-rosa. Zeit für einen Ausflug! Diese Woche habe ich das frühlingshafte Wetter genutzt, um aus der Stadt abzuhauen, eine kleine Wanderung durch die Streuobstwiesen einzulegen und mein persönliches ’schwäbisches Hanami‘-Picknick unter blühenden Obstbäumen zu genießen.

Schwäbisches Hanami bei Owen und Beuren

Eine schöne Gegend, um die blühenden Bäume zu bewundern, ist in der Nähe von Kirchheim/Teck, genauer gesagt um die Orte Owen und Beuren, um die sich idyllische Streuobstwiesen erstrecken. Auch der Albrand mit seinen Höhenzügen liegt hier in greifbarer Nähe und bietet schöne Aussichtspunkte, Wandermöglichkeiten und tolle Sonnenuntergangs-Spots.

Hier ein paar Tipps für Owen und Beuren:

  • Wanderparkplatz Maienwasen bei Owen (die Wiesen dort sind auch vom Bahnhof Owen mit Öffis zu erreichen)
  • Streuobstwiesen unterhalb der Burg Teck: Direkt unterhalb des Aussichtspunkts Hohenbol – ein schöner Aussichtshügel unterhalb der Burg Teck und übrigens auch ein klasse Sunset-Spot! Zwei kleine Parkplätze gibt es unterhalb und oberhalb des Hohenbol. Alternativ: Vom Bahnhof Teck zu Fuß starten oder vom Parkplatz Teckstraße.
  • Parken beim Freilichtmuseum Beuren und von dort losspazieren. Hier beginnt auch der Premiumwanderweg „Hochgehnießen“ (s.u.).
  • Beuren: Alternativ kann man auch vom Wanderparkplatz Zwetschenwäldle ganz in der Nähe vom Freilichtmuseum starten.

Natürlich gibt es noch viel mehr Orte am Rande der Schwäbischen Alb, wo ihr die blühenden Obstbäume erleben könnt, zum Beispiel bei einer Wanderung am „“Früchtetrauf“ bei Mössingen oder durch die Obstplantagen bei Schlat. Eine hilfreiche Website ist streuobstparadies.de. Hier findet ihr auch einen „Blütenticker“, Tipps für Wanderungen, Radtouren, Hofläden und Direktvermarkter und mehr.

Für unsere kleine Abendwanderung mit Picknick entscheiden wir uns für Beuren, da wir danach noch weiter zum Sonnenuntergang auf die nahegelegene Burg Hohenneuffen wollen. Gleich nach unserer Ankunft bietet sich ein malerisches Bild und es macht richtig Spaß, im Abendlicht durch die idyllische Landschaft zu laufen.

„Hochgehnießen“: einfache Wanderung vorbei an Streuobstwiesen

Beim Parkplatz am Freilichtmuseum in Beuren beginnt eine einfache Rundwanderung namens „Hochgehnießen„, die  jetzt im Frühling besonders schön ist, da sie an diversen blühenden Streuobstwiesen vorbeiführt. Die Tour ist Teil der „Hochgehberge“, einer Reihe von Premiumwanderwegen auf der/um die Schwäbische Alb, von denen ich bereits ein paar ausprobieren konnte.

Innerhalb der ersten paar Minuten begegnen wir schon den ersten üppig blühenden Bäumen und, zu meiner Entzückung, einer Herde zotteliger Hochlandrinder, die hier friedlich auf einer saftigen Weide grasen und die ich eigentlich aus Schottland kenne. Es gibt sogar kleine wuschelige Kälber! Ich muss mich regelrecht losreißen und so wandern wir dann doch noch los.

Idylle pur: Auf gut ausgebauten Wiesenwegen führt die Wanderung erst um den Engelberg herum und dann durch Felder und Wiesen mit Obstbäumen (es ist eher ein Spaziergang als eine Wanderung). Unterwegs haben wir immer wieder einen schönen Blick auf die Höhenzüge der Schwäbischen Alb mit der imposanten Burgruine Hohenneuffen (s. Bild oben) und der Burg Teck auf der anderen Seite. Da wir unter der Woche unterwegs sind, stoßen wir unterwegs nur auf wenige Wanderer und Spaziergänger – vermutlich Einheimische, die noch eine Runde drehen und den schönen Abend genießen.

Jetzt, Ende April, sind wir bereits von einem Meer unterschiedlicher Blüten umgeben: Apfel-, Birn-, Kirsch- und Zwetschenbäume blühen hier abwechselnd in sanften weiß-rosa-Tönen und in unterschiedlichen Stadien. Manche sind schon fast verblüht, manche fangen gerade erst an, andere haben wir in ihrer vollen Blüte erwischt.

Als Befürworterin von Picknick in allen Lebenslagen suche ich uns einen schönen Picknick-Spot mit Aussicht auf einer Wiese, wo wir uns auf einer Decke niederlassen und die Ruhe und Abendsonne genießen. Bienen summen, Vögel zwitschern und an den Stämmen der Obstbäume hängt noch ein bisschen Wolle von der Schafherde, die hier offensichtlich durchgezogen ist, und weht sanft im Wind. Wie schön!

Sonnenuntergang auf der Burgruine Hohenneuffen

Eigentlich hätten wir den Sonnenuntergang auch von unserem schwäbischen Hanami-Picknick-Plätzchen genießen können, doch uns zieht es an diesem Abend noch weiter zu einem anderen Spot. Die Burgruine Hohenneuffen thront hoch oben am Albrand und ist nicht nur aufgrund ihrer schieren Größe und Geschichte sehr beeindruckend. Von ihren dicken Mauern schweift der Blick auch unglaublich weit über den Albrand in Richtung Westen in die Ebene – zum Sonnenuntergang einfach nur perfekt!

Seit ich die tolle „Hochgehkeltert“-Wanderung rings um den Hohenneuffen geacht habe, wollte ich immer nochmal zum Sonnenuntergang herkommen. Leider sind wir durch unser Streuobstwiesen-Picknick ein bisschen spät dran und die Burg selbst ist derzeit aufgrund der Pandemie geschlossen (das Kiosk hatte tagsüber geöffnet). Doch auch von dem großen Vorhof mit seinem Aussichtspunkt können wir bewundern, wie die Frühlings-Sonne glutrot irgendwo hinter Stuttgart versinkt. Und ncoh während ich dort oben an der Burgmauer stehe, ist mir klar: Ich komme definitiv wieder! Zum Wandern, aber auch zum Sonnenuntergang – Streuobstblüte hin oder her.

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