Wandern im Eselsburger Tal – Auf dem Albschäferweg zu den Steinernen Jungfrauen

Auf der Ostalb bei Heidenheim, am östlichen Rand der Schwäbischen Alb, macht der Fluss Brenz eine Schlaufe und und schlängelt sich gemütlich durch ein idyllisches Flusstal: das Eselsburger Tal. Bewaldete Hügel, grüne Wiesen, Heidelandschaft, Felsformationen und die Überreste von Burgen prägen das Tal, das nicht nur ein tolles Ausflugsziel zum Wandern und Spazierengehen ist, sondern auch zum Klettern oder für eine Paddel- oder Fahrradtour. Auch der Albschäferweg, der 158 km lange Fernwanderweg der Ostalb, führt durch das Tal. Auf der etwa 11 km langen Rundwanderung „Albschäfer-Zeitspur Eselsburger Talgang“ könnt ihr es einmal durchwandern.

Bekannt ist das Eselsburger Tal für die Felsformation der „Steinernen Jungfrauen“, benannt nach einer uralten Sage, die man sich auch heute noch erzählt. Ich kenne das Eselsburger Tal aus meiner Kindheit, von unzähligen Sonntags-Spaziergängen, Fahrradtouren, Sonnenuntergängen mit Freunden und Paddel-Abenteuern in unserem alten Schlauchboot. Wenn ihr also schon immer mal wissen wolltet, wo ich eigentlich herkomme: von hier! Die Landschaft ist vielleicht nicht so spektakulär wie an anderen Orten der Schwäbischen Alb, aber irgendwie doch ganz besonders.

Das Eselsburger Tal ist wie ein Stück Ostalb in Miniatur – zwischen lieblichem Flusstal mit sanften Hügeln und rauen Wacholderheiden, aus denen schroffe Felsformationen aus Kalkstein emporragen.

Rundwanderung durchs Eselsburger Tal

Wir starten unsere Wanderung beim Heimatmuseum in Herbrechtingen, das am Eingang des Tals in einem hübschen, historischen Fachwerkhaus am Ufer der Brenz liegt, das einst eine Sägemühle war. Anders als bei der offiziellen Wanderung auf der Albschäfer-Zeitspur wählen wir somit den Weg links des Flusses (die Eselsburger Straße), da nur dieser uns nach kurzer Zeit direkt zu den „Steinernen Jungfrauen“ führt.

Die beiden spitz aufragenden Felsnadeln sind die bekannteste Sehenswürdigkeit im Eselsburger Tal. Der uralten Sage nach handelt es sich um zwei junge Dienerinnen der bösartig gewordenen Burgherrin von Eselsburg, die jeden Tag zum Wasserholen hinunter in das Tal geschickt wurden und dort mit einem jungen Fischer schäkerten (was die Herrin strengstens verboten hatte). Aus Hass und zur Strafe versteinerte sie die beiden, so dass sie noch heute über dem Fischweiher thronen. (Das war nur die Kurzversion, lest euch gerne die ganze Sage auf der Tafel durch!)

Eselsburger Tal Fahradweg

Rings um die Steinernen Jungfrauen seht ihr noch viele weitere Felsen, an denen zum Teil geklettert werden kann. Sie ragen aus der für die Alb typischen, kargen Wacholderheide empor, die den ganzen Höhenrücken bedeckt, und auf der je nach Jahreszeit seltene Pflanzen wie Silberdisteln oder Enziane zu entdecken sind. Dieser Part des Eselsburger Tals ist landschaftlich mein persönlicher Favorit! Ich mag einfach die Heide mit den versprenkelten Felsen und Wacholderbüschen, und nehme statt des offiziellen Wegs im Tal gerne die schmalen Fußwege auf dem Höhenrücken (die ihr auf den Bildern sehen könnt). Es lohnt sich definitiv, die Steinernen Jungfrauen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, denn sie sehen immer ein bisschen anders aus – fast so, als hätten sie sich bewegt…

Eselsburger Tal Rundwanderung

Von den Steinernen Jungfrauen nach Eselsburg

Nachdem man sich von den Steinernen Jungfrauen losgerissen hat, führt der Weg weiter nach Eselsburg, dem einzigen Ort des Tals. Ganz hinten am Ende des Tals schmiegt es sich idyllisch an einen Hügel. Wer mag, steigt hinauf zu den Ruinen der ehemaligen mittelalterlichen Burg und genießt von oben einen tollen Blick auf den Ort und das Tal mit den Felsen.

Am Ortseingang von Eselsburg passiert man zunächst die Brücke über die Brenz, die wir später überqueren werden. In einer kleinen Hütte direkt an der Brücke verbirgt sich ein nachgebauter Biberbau, der über das Leben der Biber entlang der Brenz informiert – die großen Nager siedelten sich nämlich im Zuge der Renaturierung der Brenz hier an. Ein Stückchen weiter im Dorf lohnt der Biotal Hofladen mit Café einen Besuch. Das große Gebäude mit der auffällig geschwungenen Form könnt ihr quasi nicht verpassen! Es wurde aus Stroh, Lehm und Holz gebaut, d.h. aus regionalen, umweltfreundlichen und nachhaltigen Baustoffen, und beheimatet einen Hofladen mit Biomarkt, eine Bäckerei sowie ein kleines Café. Direkt daneben befindet sich das Wirtshaus Eselsburg mit der Talschenke, wo wir gleich mal einkehren und uns im Biergarten direkt an der Brenz mit leckeren Schlutzkrapfen und kühlen Getränken stärken – die einzige Einkehrmöglichkeit im Eselsburger Tal.

Der Biergarten der Talschenke Eselsburg lädt zu einer Rast mit Blick auf den Fluss ein.

Aussicht von der Ruine Falkenstein

Gut gestärkt geht es nun über die Brücke und hinein in den Wald. Anstatt weiter dem Fluss zu folgen, nehmen wir dem Weg über den Bergrücken des Buigens, bis wir bei einem hohen Felsvorsprung wieder aus dem Wald auftauchen und die Brenz überqueren. Unser nächstes Ziel ist die ehemalige Burg Falkenstein, die einst genau auf diesem Felsen lag. Genau da müssen wir nun hinauf, denn oben wartet ein toller Aussichtspunkt!

Von der mittelalterlichen Burganlage, die einmal sehr imposant gewesen sein muss und die im 30-jährigen Krieg zerstört wurde, ist heute leider nur noch wenig zu sehen. Ein Waldweg führt in wenigen Minuten hinauf. Oben gibt es  noch mehrere historische Gebäude, die Teil des Hofs der Domäne Falkenstein und in Privatbesitz sind. Rechter Hand führt eine Treppe mit einem schmalen Fußweg genau auf den Felsen, auf dem einst die Burg stand, und zu einem Aussichtpunkt, den ihr nicht verpassen solltet! Außer uns ist an diesem Tag niemand dort und wir genießen einen tollen Rundblick über das Tal in beide Richtungen.

Domaene Falkenstein

Aussichtspunkt Domaene Falkenstein Eselsburger Tal

Eselsburger Tal Aussicht Falkenstein

Von der Domäne Falkenstein könnt ihr das letzte Stück nach Anhausen entweder oben am Wald entlang wandern, oder unten im Tal der Brenz folgen. Dort kommt ihr nach einer Weile an der Bindsteinmühle vorbei, einer alten Getreidemühle, die bis vor Kurzem noch in Betrieb war. Wer mag, geht das erste Stück von der Domäne Falkenstein oben am Wald weiter und folgt dann dem Weg hinunter zur Bindsteinmühle. Wer nicht den ganzen Weg über Anhausen und von dort wieder zurück nach Herbrechtingen laufen möchte und ein bisschen abkürzen mag, überquert stattdessen bei der Domäne Falkenstein die Brenz und wandert z.B. im Wald über den Höhenzug des Buigen zurück nach Herbrechtingen.

Denn das ist auch das Schöne am Eselsburger Tal: Durch die Wege, die links und rechts der Brenz entlangführen und zusätzlich oben auf der Anhöhe durch die Wälder, kann man sich seine Route leicht anpassen und immer wieder variieren.

Ich persönlich mag es im Eselsburger Tal auch zum Sonnenuntergang sehr gerne, wenn es ruhiger wird, die Besucher*innen nach und nach verschwinden und man die Steinernen Jungfrauen vielleicht für einen kurzen Moment ganz für sich hat, während die Sonne langsam hinter dem Buigen versinkt.

Eselsburger Tal Ostalb Sonnenuntergang

Eselsburger Tal – Infos & Tipps:

Hinkommen: Das Eselsburger Tal befindet sich auf der Ostalb zwischen Heidenheim und Ulm, im Ort Herbrechtingen. Es liegt praktischerweise an der  A7 (Ausfahrt Giengen/Herbrechtingen). Ein Besuch bietet sich auch als Zwischenstopp an, wenn ihr z.B. in Richtung Berge unterwegs seid.

Infos zur Wanderung: Länge der Rundwanderung: 11 km, 184 Höhenmeter, Dauer ca. 4 h.  Für mehr Infos verlinke ich euch die Wanderung hier. Achtung: Wenn ihr beim Hallenbad startet, wandert nicht wie in der Karte der Albschäfer-Zeitspur auf der linken Seite der Brenz entlang, sondern folgt der Eselsburger Straße (andere Flussseite, beim Heimatmuseum vorbei). Ihr kommt sonst nicht zu den Steinernen Jungfrauen!

Anfahrt/Parken: Kostenlose Parkplätze gibt es am Freizeitbad Jurawell in Herbrechtingen. Ihr könnt aber auch im Baumschulenweg, Ecke Eselsburger Str. parken (bzw. beim Heimatmuseum, begrenzte Anzahl Parkplätze), da seid ihr näher an den Steinernen Jungfrauen. Alternativ besteht die Möglichkeit, in Anhausen beim Kloster zu parken und die Rundwanderung von dort zu starten.

Einkehren: Nehmt am besten ein Rucksackvesper mit, da die Einkehrmöglichkeiten im Umkreis sehr begrenzt sind. In der Talschenke in Eselsburg könnt ihr gut essen (ich hatte z.B. leckere vegetarische Schlutzkrapfen mit Pilzfüllung) und ein kühles Getränk im Biergarten direkt an der Brenz schlürfen. Abends ist der kleine Biergarten im Kloster Herbrechtingen eine gute Option (nur bei gutem Wetter im Sommer geöffnet). Wichtig: Checkt immer die aktuellen Öffnungszeiten, ruft am besten vorher an, wenn ihr sichergehen wollt.

Beste Jahreszeit? Das Eselsburger Tal könnt ihr ganzjährig besuchen und erwandern. Schön ist es auch im Winter mit Schnee oder Anfang März, wenn hier richtig viele Märzenbecher blühen.

Gut zu wissen: Da das Eselsburger Tal ein beliebtes Ausflugsziel bei Einheimischen ist (z.B. ein klassisches Ziel für den Familienspaziergang), ist es vor allem an Wochenenden und Feiertagen mit gutem Wetter sehr gut besucht – seit Corona sowieso! Mittlerweile kommen auch immer mehr Besucher zum Paddeln und Baden hierher. Wer es etwas ruhiger mag, sollte wenn möglich unter der Woche kommen und Stoßzeiten meiden.

Übernachten: Haus Kallenberg

Mein Übernachtungstipp ist das Haus Kallenberg, ein kleines, inhabergeführtes Boutique-Bed & Breakfast mit freundlichen Besitzern in ruhiger Lage in Herbrechtingen-Anhausen. Es liegt direkt am Ende des Eselsburger Tals auf der Anhausener Seite, d.h. ihr könnt von hier direkt loswandern. Das Haus Kallenberg ist keine einfache Wanderpension, sondern eher eine idyllische und romantische Wohlfühl-Unterkunft mit gehobenem Standard. Die modernen fünf Zimmer und die Ferienwohnung sind alle individuell und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Ich empfehle euch die Zimmer mit eigenem Balkon bzw. Terrasse! Auch von dem idyllischen Garten mit Sitzmöbeln hat man einen schönen Blick ins Grüne und kann nach einem Wandertag entspannen und einfach mal die Seele baumeln lassen.

Wir haben uns im romantischen „Rosenzimmer“ sehr wohl gefühlt und hatten nicht nur eine eigene Terrasse, sondern sogar eine freistehende Badewanne im Zimmer! Die Besitzerin hat uns freundlich empfangen und gibt auch gerne Tipps für die Umgebung. Besonders gut gefallen hat mir auch das liebevoll angerichtete Frühstück mit frisch gebackenen Brötchen, selbstgemachten Brotaufstrichen, leckeren Tees und Prosecco, das auf Wunsch auch draußen im Garten oder auf der eigenen Terrasse serviert wird.

Hotel Haus Kallenberg Herbrechtingen Anhausen

Weitere Übernachtungstipps: Ein paar Kilometer weiter vom Eselsburger Tal entfernt, aber ebenfalls sehr zu empfehlen, ist eine Übernachtung im Hotel Widmanns Löwen* in Zang (bei Steinheim am Albuch). Neben klassischen Hotelzimmern gibt es dort zwei luxuriöse Alb-Chalets und zwei ausgebaute Albschäfer-Wagen, in denen ich auch schon einmal übernachtet habe und die ich sehr empfehlen kann. Ein weiterer Geheimtipp: Etwa eine halbe Stunde Fahrt vom Eselsburger Tal entfernt könnt ihr auch in der Burg Katzenstein übernachten, einer echten, mittelalterlichen Ritterburg!

Weitere Ausflugs- und Wandertipps in der Nähe:

  • Kombiniert euren Besuch im Eselsburger Tal mit weiteren Wander-Etappen auf dem Albschäferweg! Besonders schön finde ich die Etappe Steinheim – Zang, die dich u.a. an einem Meteorkrater entlang und durch das Wental Felsenmeer führt. Hier geht es zum ausführlichen Blogbeitrag.
  • Ganz in der Nähe des Eselsburger Tals könnt ihr euch im Lonetal auf die Spuren steinzeitlicher Bewohner der Ostalb machen und den Archäopark Vogelherd mit der Vogelherdhöhle besuchen, in der u.a. Figuren aus Mammutelfenbein gefunden wurden, die zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit zählen. Auch die Charlottenhöhle, eine große Tropfsteinhöhle, ist gleich in der Nähe (durch Corona evtl. geschlossen, jeweils aktuelle Öffnungszeiten checken).
  • Weniger als 30 Minuten vom Tal entfernt liegt die Stadt Ulm, die es sich ebenfalls lohnt zu entdecken. Hier findet ihr meinen Artikel mit den besten Tipps für Ulm.
  • In diesem Artikel findet ihr weitere tolle Ausflugstipps für die Ostalb!

Warst du schon mal auf der Ostalb und hast Tipps? Dann hinterlasse mir gern einen Kommentar!

Eselsburger Tal Herbrechtingen Heidenheim

Heidenheim Tipps Eselsburger Tal

Werbehinweis: Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Tourismus Baden-Württemberg und enthält Werbung für die Ostalb. Alle Ansichten sind wie immer meine eigenen. 

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7 Kommentare

  • Tina Doll sagt:

    Hallo Susi, wollte mich sehr herzlich für deinen Beitrag über das Große Lautertal bedanken…wir waren letzte Woche da und waren ganz begeistert. Auch viele deiner anderen Beiträge (es plagt uns etwas Fernweh) sind toll. Vielen Dank, wir werden einige Tips für unsere Region in nächster Zeit ausprobieren.
    Mach weiter so…👍🏻
    Liebe Grüße…

  • Miriam sagt:

    Hallo,

    was für ein toller Bericht! Aber was anderes findet man auf deiner Seite ohnehin nicht 😉
    Dieses Haus Kallenberg merke ich mir gleich mal…

    Es gibt noch eine andere Ruine Falkenstein im Donautal. Auch sehr schön dort.

    • Susi sagt:

      Vielen lieben Dank für das tolle Feedback! Oh ja, die Ruine Falkenstein hab ich schon aus der Ferne bewundern dürfen, was mich daran erinnert, dass ich gerne nochmal ins Donautal zum Wandern möchte!

  • Nina sagt:

    Hallo Susi, vielen Dank für den tollen Tipp. Wir waren heute zum ersten Mal im Eselsburger Tal und haben die von Dir beschriebene Strecke und Stationen sehr genossen. Der einzige Hacken: Bei der Bindsteinmühle gibt es keinen Brücke. Davon abgesehen ist dort alles als Privatgrundstück markiert. Da es den Kindern zu weit war über Anhausen zu laufen, haben wir den Rückweg über den Buigen gewählt. Trotzdem: Wunderschön!

    • Susi sagt:

      Danke dir, das freut mich sehr! Und ahh, ja genau, das muss ich noch aktualisieren! (Mach ich sofort, Danke fpr den Hinweis!) Über den Buigen zurück nach Herbrechtingen abkürzen ist eine sehr gute Variante, da es über Anhausen schon deutlich weiter ist.

  • Amazing! I know nothing about traveling all over the country, what a wonderful looking place to explore.

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