Incheon in Südkorea: Geheimtipp abseits des Mainstreams

Es klingt vielleicht verrückt, doch es war ausgerechnet die Einladung zu einem K-Pop-Konzert, die mich nach Korea und nach Incheon führte – und die Möglichkeit eines Stopovers auf meinem Weg nach Hanoi. Denn sonst hätte es mich vermutlich bis heute nicht in die südkoreanische Hafen- und Industriestadt verschlagen. Incheon ist nicht gerade reich an klassischen touristischen Sehenswürdigkeiten, weshalb es die meisten direkt weiter ins nur 30 Kilometer entfernte Seoul zieht, mit dem sich Incheon einen Flughafen teilt. Doch ich blieb in Incheon – auch wenn das K-Pop-Konzert (Spoiler!) letztendlich nicht stattfand. Incheon mag zwar nicht so spannend und schön und glitzernd sein wie Seoul, doch ich habe mich einfach überraschen lassen und so abseits des touristischen Mainstreams  einiges erlebt und einige Geheimtipps entdeckt.

Wenn ihr also auch gerne abseits ausgetretener Pfade unterwegs seid und auf der Suche nach Reisetipps für Südkorea, nehmt euch ruhig zwei, drei Tage Zeit und lasst euch ein auf die drittgrößte Stadt Südkoreas und ihre grüne Insel Ganghwa!

Das futuristische Songdo und ein echtes koreanisches BBQ

Korea empfängt mich mit einem magischen Mini-Regenbogen, der seltsam deplatziert und senkrecht im verhangenen, pastellfarbenen Abendhimmel schwebt. Über einen mehrspurigen Highway mitten im Meer sausen wir in Richtung Stadt, immer auf die zahllosen modernen Hochhaustürme zu, die aus dem flachen Wattenmeer emporragen. Songdo City heißt dieser Stadtteil Incheons, eine moderne Planstadt mit Business District, Wohngebieten, Parks, Einkaufs- und Kulturangeboten, die momentan noch im Entstehen ist und etwa 60.000 Einwohner beherbergt. Glutrot geht die Sonne zwischen den Hochhaustürmen unter und versinkt schließlich im Meer, als wir bei unserem modernen Hotel einchecken, das sich ebenfalls in einem Hochhaus in Songdo befindet. Was für ein Empfang!

Gleich um die Ecke erwartet uns zum Abendessen ein hübscher Kontrast zur Hochhaus-Skyline: ein Gebäudekomplex im Stil traditioneller koreanischer Häuser („Hanok Village“), mit geschwungenen Dächern und Holzschnitzereien an den Fassaden. Innen befinden sich Restaurants, ein Coffeeshop und Geschäfte. Viele kleine Lichter erhellen den Fußweg durchs Grüne bis zum Hanyang Restaurant. Die modern-minimalistische Einrichtung im traditionellen Stil mit viel Holz strahlt eine gewisse Ruhe und Harmonie aus, ein leckerer Duft liegt in der Luft. Wir sind mittlerweile richtig hungrig von der langen Reise und bestellen Bulgogi – mein erstes „echtes“ koreanisches Barbecue!

Dünne Scheiben mariniertes Rindfleisch werden direkt an einem in den Tisch eingelassenen Grill zubereitet, der von leckerer Brühe mit Pilzen umgeben ist. Dazu bringen uns die Kellnerinnen viele weitere Schälchen mit Gemüse, es gibt leckere Nudeln aus Süßkartoffeln mit Sesam, eine Eierspeise, einen Salat aus Sesamblättern mit Lauch und natürlich verschiedene Arten Kimchi, den scharf-würzig eingelegten Kohl. Alles ist frisch und lecker und für jede*n ist etwas dabei, so dass ich anschließend nach einem Reisschnaps in einen glücklich-satten Jetlag-Schlaf sinke.

Songdo Hanok Village | Hanyang Restaurant: klass. koreanische Küche und Bulgogi (gegrilltes „Feuerfleisch“) in traditionellem Ambiente | 180 Technopark-ru, Songdo

Den Central Park gibt’s nicht nur in New York

Wie ich hier direkt lerne, gibt es einen Central Park nicht nur in New York, sondern auch in Incheon (wenn auch in etwas kleinerer Ausführung). Der Central Park ist eindeutig der schönste Teil der sonst so künstlich und noch etwas halbfertig wirkenden Planstadt Songdo City, stelle ich fest, als ich entlang der Grünflächen, Wegen und Brücken einen Erkundungs-Spaziergang unternehme. Die Aussicht über das Grün des Parks mit der Hochhaus-Skyline im Hintergrund ist tatsächlich ganz hübsch, und das im traditonellen Stil gebaute Hanok Village mit den Restaurants vom Vorabend liegt hier auch gleich am Wasser.

Der schönste Blick auf Incheon – und ein Taifun

Als wir am Nachmittag aus dem klimatisierten Aufzug auf die kostenlose Aussichtsplattform im 33. Stock des G Towers treten, bietet sich durch die Fensterscheiben ein grandioser Rundumblick auf Songdo, den Central Park und das umliegende Meer. Der Taifun kommt just in dem Moment, als ich gerade den Blick auf den Central Park von oben bewundere. Der sowieso schon wolkenverhangene Himmel wird noch eine Spur düsterer, dicke Regentropfen knallen an die Scheiben. „LingLing“ ist da.

Blick auf den Central Park von Incheon – etwa eine Minute, bevor der Taifun eintraf

Als wir unten aus dem Gebäude treten, spüre ich die Gewalt der Sturmböen, wir können kaum noch geradeauslaufen. Obwohl es mir so erscheint, als käme der Taifun aus heiterem Himmel, hatten wir schon davon gehört und auf ihn gewartet. Obwohl er glücklicherweise an Incheon nur vorbeizieht, muss die halbe Stadt vorsichtshalber schließen, es fahren keine Busse mehr und wir müssen unser weiteres Programm für den Tag abbrechen. Zurück im Hotel wütet nun auch parallel in meinem Hirn ein Sturm – mich hat ein schwerer Migräneanfall erwischt. Dadurch verpasse ich leider das „Chicken and Beer“-Abendessen mit Karaoke – anscheinend eine typische Freitag-Abend-Beschäftigung der einheimischen Jugend. Und so verbringe ich eine Nacht allein auf meinem Zimmer im gläsernen Hochhausturm – Taifun draußen, Taifun in meinem Kopf, dazu eine Art „Lost in Translation“ auf koreanisch.

Entdeckungen in Chinatown

Wenn man in Incheon so etwas wie einen historischen Stadtteil sucht, wird man in der Chinatown fündig, die sich Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund des benachbarten Hafens entwickelte. Sie erstreckt sich über mehrere Straßenzüge, gesäumt von historischen Häusern und kleinen Läden, Restaurants und Cafés, was dem ganzen Viertel eine charmante Atmosphäre verleiht. Auch alte japanische Häuser aus der Kolonialzeit findet ihr hier. Besucht auch die Incheon Art Platform am unteren Ende der Chinatown, ein Space für Künstlerateliers und Events in einem historischen Backsteinareal, was sehr cool aussah, bei meinem Besuch aber leider aufgrund des Taifuns geschlossen war.

(Essens-)Märchen aus Tausendundeinem Schälchen

Was mir von diesem Korea-Trip für immer in Erinnerung bleiben wird, ist das Essen! Genauer gesagt die vielen kleinen Schälchen mit mir teilweise unbekannten und undefinierbaren Dingen, von denen sich jeder mit seinen Stäbchen etwas nimmt. Jedes Essengehen in Incheon ist ein Märchen aus Tausendundeinem Schälchen. Und weil es so viele sind, wird das Essen auch schon mal auf einer separaten Tischplatte serviert, die einfach auf die bestehende draufgestellt wird – so geschehen im Geogung Restaurant. Hier probiere ich zum ersten Mal Dinge wie Stachelrochen (etwas zäh und interessanter Geschmack, aber in gut gewürzter Soße grundsätzlich essbar) oder mit Brühe aufgegosssenen gedämpften Reis. Am besten schmecken mir aber nach wie vor die gefüllten Teigtaschen (Mandus), die Nudeln und die verschiedenen Gemüse und Salate.

Obwohl die koreanische Küche mit BBQ, Fisch, Schweinebauch & Co. eher fleischlastig ist, gibt es dank Reis und Gemüsesorten auch für Vegetarier und Veganer Möglichkeiten (recherchiert am besten vorher nochmal). Darüber hinaus lautet mein Tipp zum Thema koreanisches Essen: Bringt ein bisschen Neugier und Mut und Hunger mit und probiert euch einfach durch!

Only in Korea: Wenn es soviel Essen gibt, dass es gleich auf einer neuen Tischplatte serviert wird

Ausflug auf die grüne Insel Ganghwa an der Grenze zu Nordkorea

Eine wunderbare Abwechslung zur Großstadt Seoul oder Incheon ist ein Ausflug zur Insel Ganghwa (auch: Gangwhado), die ganz im Nordwesten Incheons im Gelben Meer liegt. An der Nordspitze der Insel, wo das Ganghwa Peace Observatory steht, sind es nur noch zwei Kilometer bis Nordkorea, Südkoreaner schauen von hier mit Ferngläsern sehnsüchtig hinüber. Eine Brücke verbindet die Insel Ganghwa mit dem Festland, so dass wir ganz einfach hinüberfahren können. Obwohl die Insel zu Incheon gehört, könnte der Kontrast zur Stadt nicht größer sein: Üppiges Grün bedeckt die Hügel und auf den zahlreichen Feldern werden Gemüse und spezielle Sorten Ginseng angebaut. Dazwischen immer wieder kleine, verschlafen wirkende Ortschaften, auf Hügeln thronen Schreine. Obwohl wir nur für einen Tagesausflug hier sind, wünschte ich, wir könnten noch verweilen und in einer der kleinen Pensionen bei Einheimischen übernachten.

Als erstes besuchen wir den ältesten buddhistischen Tempel der Region, den Tempel Jeondeungsa. Er liegt auf einem Hügel umgeben von alten Bäumen und einer Festungsanlage und strahlt eine besondere Ruhe aus. Ich selbst kann den Tempel an jenem Morgen leider nicht betreten, da mich ein schlimmer Migräneanfall ausgeschaltet hat und ich völlig unfähig im Auto auf dem Parkplatz zurückbleiben und warten muss, bis die Medikamente anschlagen, weshalb ich euch hier auch keine Fotos zeigen kann. Als die anderen zurückkehren, bin ich ganz traurig, denn der Tempel sieht wirklich wunderschön aus! Verpasst ihn nicht, wenn ihr dort seid!

Unser nächstes Ziel ist die historische Festung Gwangseongbo aus dem 17. Jahrhundert, von der nur noch Teile stehen, die aber außerordentlich hübsch anzuschauen sind. Sie diente der Verteidigung gegen ausländische Angreifer, insbeondere der amerikanischen Invasion von 1871. (Generell ist die Insel aufgrund ihrer strategischen Lage in der Geschichte immer wieder Schauplatz von Schlachten gewesen).

Nach einem sehr leckeren Lunch mit Nudelsuppe und gefüllten Teigtäschchen (mir geht es mittlerweile wieder besser) statten wir der Ganghwa Anglican Church einen Besuch ab, die auf einem kleinen Hügel in Ganghwa Stadt liegt. Im ersten Moment wähnt man sich bei einem koreanischen Tempel, wenn man durch die steinerne Pforte tritt. Erst, als ich die Schuhe abstreife und den Innenraum betrete, erkenne ich, dass es eine Kirche ist – im Stil eines traditionellen Hanok um 1900, gebaut aus Holz, mit vielen Schnitzereien und bunten Bemalungen und einem großen Gong im Garten. Schön!

Was ihr auf Ganghwa noch machen könnt:

  • Einen Markt besuchen, z.B. den Daeryong Market (auf der kleinen Nachbarinsel Gyodong)
  • Traditonelles Handwerk kennenlernen: Im Sochang Experience Center könnt ihr etwas über die traditionelle Herstellung von Stofftüchern auf der Insel lernen, in der Hwamunsuk Culture Hall die schönen, handgewebten Strohteppiche Hwanmunseok bewundern und euch selbst daran versuchen.
  • Auf Ganghwa könnt ihr Dolmen besichtigen, megalithische Gräber aus prähistorischer Zeit!
  • Das Ganghwa Peace Observatory mit Ausstellung und Aussichtsplattform und direktem Blick auf Nordkorea.

Das coolste Vintage-Café

Das definitiv coolste und individuellste Café der Reise entdecken wir ebenfalls auf Ganghwa. Es heißt Joyangbangjik antique café, liegt auf dem Gelände einer alten Textilfabrik in Ganghwa Town und ist eine Mischung aus Hipster und Vintage mit einem Schuss Industrial-Atmosphäre. Schon auf dem Hof des Geländes werden wir von einem alten Schulbus und weiteren skurrilen Sammlerstücken wie alten englischen Telefonzellen und ausrangierten Jahrmarktkarussell-Kram begrüßt. Der eigentliche Coffeeshop gleicht einem coolen Hipster-Spot, den man so auch in New York oder London finden könnte und serviert nicht gerade günstige, aber wirklich gute Kaffeespezialitäten wie Matcha Espresso Latte und kleine Kuchen.

Mit einem Kaffee in der Hand schlendere ich durch einen kleinen Gang und finde mich zu meiner Begeisterung in einer alten Fabrikhalle wider, die voller Vintage-Möbel und einem Kuriositätenkabinett antiker Gegenstände dekoriert ist, zwischen denen man Platz nehmen kann. Ich liebe es und kann mich kaum sattsehen. Schaut euch auch unbedingt die verrückt dekorierten Toiletten an!

Take me down to the Paradise City

Glaubt man dem Namen, liegt das Paradies direkt neben dem internationalen Flughafen von Incheon. Das gesamte Areal der „Paradise City“ beherbergt nicht nur das angeblich luxuriöseste Flughafenhotel der Welt, sondern ein empfehlenswertes koreanisches Spa („Jjimjilbang“), eine Shopping-Mall, diverse Restaurants, Bars und Cafés, einen Waterpark, einen Indoor-Vergnügungspark („Wonderbox“), einen Art Space, Nachtclub und mehr.

„Where art meets luxury“ ist das Motto von Paradise City, und ich würde sagen, es stimmt. Angeblich über 3.000 Kunstwerke finden sich auf dem Areal verteilt. So passiert man in der Eingangshalle gleich mal eine riesige goldene Pegasus-Skulptur von Damien Hirst, ein kleines Stück weiter hinten sitzt unter einem gigantischen Kristall-Kronleuchter eine leuchtend gelbe Kürbisskulptur von Yayoi Kusama. Ein Abstecher zur Paradise City lohnt meiner Meinung nach nicht nur aufgrund des Spas, sondern in erster Linie aufgrund der Architektur und Kunst.

Incheon: Infos & praktische Reisetipps

  • Anreise/Hinkommen: Mit dem Flugzeug nach Incheon (Incheon International Airport, Kürzel ICN). Ich bin von Frankfurt aus mit Vietnam Airlines geflogen, da man dabei ohne Aufpreis einen Stopover in Vietnam oder Incheon machen und so beide Länder mit einer Flugbuchung miteinander kombinieren kann, was ich interessant fand.
  • Einreise/Visum: Mit einem deutschen Pass benötigt ihr kein Visum und könnt als Tourist*in bis zu 90 Tage visumfrei einreisen (für aktuelle Infos s. Website des Auswärtigen Amts).
  • Weiterreise: Seoul ist nur etwa eine Stunde von Incheon entfernt und von Incheon mit der U-Bahn zu erreichen.
  • Übernachten: Ich habe im Holiday Inn Incheon Songdo* übernachtet. Das Hotel liegt in einem modernen Hochhaus direkt am Central Park in Songdo City und hat neu renovierte, hochwertige Zimmer. Gut gefallen hat mir das Frühstücksbuffet mit viel Auswahl von westlich bis asiatisch, von Omeletts über frische Früchte bis zu gefüllten Teigtäschchen, mmh.
  • Als Reiseführer empfehle ich euch das neueste DuMont Reise-Handbuch Südkorea*!
  • Mehr Eindrücke aus Incheon findet ihr bei Alice, Goodmorning World und Traveller’s Archive.

Wart ihr schon mal in Südkorea und möchtet eure Erfahrungen teilen? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

Werbehinweis: Ich wurde von Korea Tourismus und Vietnam Airlines im Rahmen einer (unbezahlten) Bloggerreise zur Recherche nach Incheon eingeladen. Vielen Dank dafür! Meine Ansichten sind wie immer meine eigenen.

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4 Kommentare

  • Markus sagt:

    Im Holiday Inn Songdo war ich auch schon, sehr gut gelegen. U-Bahn und Bus zum Flughafen quasi direkt vor der Tür.
    Mein Tip für Korea: Baskin’n’Robbins „Shooting Star“ Eiscreme, nur in Korea zu haben.
    Vanille mit Blueberryeis gemischt, Erdbeermarmelade und Pop Rocks drin.

  • Stefanie sagt:

    Liebe Susi,
    bin gerade über deinen Artikel gestolpert, der zahlreiche Erinnerungen hervorgebracht hat. Ich war vor einem Jahr in Südkorea (Seoul & Busan) und mich hat das Land total geflasht. Falls du also nochmal nach Südkorea reist, findest du auf Smile4travel.de einige Tipps. Busan hat mir mega gut gefallen und in Seoul gibt es einfach auch so viel Skurriles zu entdecken, wie z.B. echt witzige Themencafés. 😉
    https://smile4travel.de/category/asien/suedkorea/

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