Island zur Nebensaison – meine Erfahrungen im Oktober

Fjadrargljufur IslandImmer grün (sofern kein Schnee liegt): Fjaðrárgljúfur Canyon im Süden Islands

Island wird als Reiseland immer beliebter: Zwischen 2010 und 2018 haben sich die Besucherzahlen auf der 350.000 Einwohner-Insel im Atlantik fast verfünffacht. Auch ich habe schon seit vielen Jahren von einem Island-Roadtrip entlang der Ringstraße geträumt und wollte mir diesen Traum 2019 endlich erfüllen. Aufgrund des Island-Hypes der letzten Jahre habe ich beschlossen, dass ich diese Reise lieber nicht zur Hauptsaison im Sommer machen möchte.

Warum zur Nebensaison nach Island?

Ich bin generell ein großer Fan von Reisen zur Nebensaison, nicht nur aufgrund niedrigerer Preise, sondern weil mich viele Menschen an einem Ort überfordern. Weil ich meine Reisen eher spontan plane und es mich stresst, wenn bestimmte Unterkünfte und Flüge bereits 6 Monate vorher (oder länger) ausgebucht sind. Weil man gerade die Reiseziele, die aufgrund ihrer spektakulären Natur besonders beliebt sind, erst dann richtig genießen kann (siehe auch Kanada oder Patagonien). Weil ich gerne Landschaften fotografiere, und die Möglichkeit haben wollte, Fotos ohne Menschen drin zu machen. Weil ich es aus Gründen des Overtourism und seiner Probleme sinnvoller finde, möglichst nicht zur Hauptsaison zu fahren (wenn ich schon an ein so beliebtes Ziel wie Island reise).

Ich wusste also, ich möchte zur Nebensaison nach Island. Doch wann genau? Und gibt es überhaupt noch eine Nebensaison in Island?

Viti-Krater im Norden Islands – hier mit einer Puderzuckerschicht Schnee

Wann ist in Island Nebensaison, und wann ist die beste Reisezeit für Island in der Nebensaison?

Ja, sogar in Island, das sich mittlerweile geschickt als ganzjähriges Reiseziel vermarktet, gibt es, wie meine Recherche ergab eine Nebensaison, und zwar in den Monaten zwischen Oktober und Mai. Welche Monate davon sich als ideale Reisezeit für dich am besten eignen, kommt auf deine Erwartungen an und darauf, was du für deine Island-Reise geplant hast.

Ring Road & Straßenverhältnisse

Ich wusste zum Beispiel, dass ich Island auf der Ring Road umrunden möchte. Im Vorfeld der Reise hatte ich mehrfach gelesen und gehört, dass das im Winter oft schwierig sei, da es insbesondere im Norden aufgrund der Wetterverhältnisse oft zu Sperrungen käme und die Straßenverhältnisse „schwierig“ seien. So bieten etwa einige Reiseveranstalter schon ab Oktober keine Mietwagenrundreisen entlang der Ring Road mehr an und raten davon ab. Auch Winterreisen-Angebote nach Island beinhalten dann meist nur die Gegend um Reykjavik und den Süden. Da ich aber sehr gerne in den Norden von Island wollte und auch die gesamte Ringstraße befahren, wusste ich, dass ich die „Shoulder Season“ im Mai oder Oktober anpeilen möchte – idealerweise nach bzw. vor dem Schnee und Eis.

A propos Straßenverhältnisse: Für eine Reise nach Island zur Nebensaison solltet ihr unbedingt einen Mietwagen mit Allrad wählen. Ich würde euch in Island grundsätzlich zu Allrad raten, da die meisten Straßen abseits der Hauptstraßen unbefestigt sind und man sich einfach sicherer fühlt. Klarer Vorteil auch hier: Zur Nebensaison sind die vergleichsweise teuren Preise für Mietwagenanmietungen in Island günstiger.

Ring Road Island Sueden

Island zur Nebensaison Oktober

Ringstrasse Island Schnee Norden NebensaisonOben: Die Ringstraße im Oktober im Süden bei Vik, und bei erstem Schnee im Norden bei Myvatn.

Wandern, Besuch von Eishöhlen und andere Aktivitäten

Auch weil ich gerne wandern wollte, habe ich mich gegen den Winter entschieden, obwohl ich mir Island im Winter wunderschön vorstelle. Was wiederum für den Winter spricht: In Island kann man Eishöhlen in Gletschern besuchen! Im Sommer schmelzen sie oft ab oder werden instabil, weshalb die meisten Touren nur zwischen November und März stattfinden – zumindest die spannenden, die in die größeren, schwerer zugänglichen Eishöhlen führen. Hier musste ich zwar in den sauren Apfel beißen, habe aber Anbieter bzw. Touren gefunden, die auch im Oktober stattfinden (mehr über meinen Glacier Walk mit kleiner Eishöhle lest ihr in diesem Artikel). Eine Garantie für die Durchführung solcher Touren hat man aber übrigens nie, denn sie sind stark vom Wetter abhängig – egal in welchem Monat.

Gletscher Island Skaftafell NP

Island Eishoehle GletschertourOben: Herbstfarben im Skaftafell Nationalpark, unten: eine kleine Eishöhle gab es auch bei unserer Gletschertour im Oktober zu besichtigen.

Wer ins Hochland möchte sollte wissen, dass die Straßen bzw. Pisten zur Nebensaison i.d.R. gesperrt und nicht mehr zugänglich sind. Als ich im Oktober da war, war es bereits so und die Zufahrtsstraßen gesperrt. Das heißt, hierfür müsstet ihr im Sommer kommen.

Auch die süßen Papageientaucher (Puffins), die ich wirklich so gerne mal sehen würde, könnt ihr nur in den Sommermonaten beobachten, wenn sie zum Brüten an Land kommen. Das solltet ihr bei der Island-Planung ggf. auch berücksichtigen.

Tageslicht

Im Winter habt ihr in Island nur für wenige Stunden am Tag überhaupt Tageslicht, was euch natürlich in euren Unternehmungen stark einschränkt. Das Gegenteil ist im Sommer der Fall, wenn es die meiste Zeit hell ist – was natürlich auch ein Vorteil ist, da man potenziell den ganzen Tag draußen sein und viel erleben kann. Wir hatten im Oktober immerhin noch von 8 bis 18 Uhr Tageslicht. Dennoch habe ich mir manchmal gewünscht, es wäre länger hell, damit ich noch mehr sehen und erleben kann, beim Fahren nicht in die Dunkelheit hineinkomme oder einfach später am Abend nochmal in Ruhe losziehen kann, wenn die anderen Menschen weg sind. Ganz zu schweigen von dem wunderbaren Sonnenuntergangs-Dämmerlicht, das im Sommer wohl die halbe Nacht lang herrscht (und im Winter den ganzen kurzen Tag). Vom Tageslicht bzw. der Dauer der Tage hängt also eventuell auch ab, welche Jahreszeit und welchen Reisemonat ihr wählt.

Jokulsarlon Island zur NebensaisonHier wäre ich gerne zum Sonnenuntergang gewesen – doch weil es im Oktober so schnell dunkel wird, hätten wir danach noch stundenlang im Dunkeln weiterfahren müssen.

Nordlichter

Ein unschlagbares Argument für eine Island-Reise zur Nebensaison ist die Möglichkeit, Nordlichter zu sehen. Im Prinzip hätten wir im Oktober jede Nacht die Chance auf dieses magische Spektakel gehabt – vorausgesetzt, es gibt einen nahezu wolkenlosen Himmel. Leider war uns das Glück auf dieser Reise nicht so hold, weshalb wir in zwei Wochen nicht einmal Nordlichter gesehen haben. Dazu muss man allerdings sagen, dass wir uns auch nicht nächtelang auf Nordlichtjagd in unserem Auto begeben haben und uns auch keine stündlichen Wecker gestellt haben.

Meist war es eh bewölkt, so dass wir im Laufe eines Abends mehrere Male draußen nachschauten und dann ziemlich schnell wieder aufgaben. (Ich habe aber auch schon mehrmals Nordlichter gesehen, war also ziemlich entspannt). Versteift euch daher nicht zu sehr auf die Nordlichter bei einer Reise zur Nebensaison nach Island! Wenn es dann doch passiert: wow! Wenn nicht, glaubt mir: Island hat auch so genügend irre Naturerlebnisse zu bieten. Wenn ihr bei einer Island-Reise gerne die Chance auf Polarlichter haben möchtet, empfehle ich eine Reise ab Oktober.

Nordlichter in Grönland Ende September (in Island hatte ich im Oktober leider kein Glück…)

Island im Oktober – meine Erfahrungen

Ich war Mitte Oktober für zwei Wochen in Island und fand es eine großartige Reisezeit! Der große Ansturm des Sommers war weg, wir profitierten auch kostentechnisch von günstigeren Preisen für Mietwagen und Übernachtungen und hatten schöne Herbstfarben.

Erstaunt hat mich dennoch, wie viel auch im Oktober noch los war! Insbesondere im Süden war ich überrascht, wie gut gefüllt die Parkplätze bei den beliebteren Spots waren. Bekanntere Orte in Island für sich zu haben, ist also auch im Oktober eine Illusion und man muss ebenso Glück haben, um Fotos ohne Menschen zu bekommen. Ursprünglich wollten wir ja schon Ende September bzw. Anfang Oktober nach Island fliegen, mussten es aber etwas nach hinten schieben, da wir zum Zeitpunkt unserer Buchung im August keine oder nur noch extrem teure Flüge mehr bekommen haben – vermutlich aufgrund des Feiertags bzw. Brückentagswochenendes Anfang Oktober.

Vik IslandViel los: der Süden bei Vik

Trotzdem ist die Menge an Touristen in Island im Oktober im Vergleich zu vielen anderen Orten der Welt wirklich relativ, und abseits der Hotspots wie Seljalandsfoss oder Golden Circle verteilt es sich auch ziemlich schnell. Einheimische berichten uns ebenfalls, dass im Oktober schon deutlich weniger los sei als im August oder September. Auch die großen Reisebusse mit den großen Reisegruppen waren nicht mehr unterwegs. (Überraschenderweise waren die meisten Touristen asiatische Touristen im Mietwagen, auf andere Deutsche trafen wir entgegen unserer Erwartung so gut wie gar nicht). Und je weiter wir Richtung Osten und Richtung Norden kamen, desto leerer wurde es!

Ostfjorde IslandNix los: Geheimtipp Ostfjorde

Die meisten besuchen nämlich neben der Gegend um Reykjavik nur den Golden Circle und den Süden bis Vik. Bei der Gletscherlagune Jökulsarlon war auch noch „relativ“ viel los, weiter östlich schlagartig nichts mehr, bis wir oben im Norden in der Region um Myvatn wieder auf mehr Touristen stießen. (Die Gegend ist aber anscheinend gerade auch sehr angesagt). Ab Mitte Oktober kann es allerdings sein, dass Restaurants und Cafés für die Saison schließen. Insbesondere in kleinen Orten solltet ihr daher rechtzeitig checken, wo ihr abends essen könnt – und ggf. reservieren.

Tageslicht gab es im Oktober etwa von 8 bis 18 Uhr, was im Prinzip ausreichend war. Weil doch mehr los war als wir ursprünglich dachten, gingen wir ziemlich schnell dazu über, morgens schon früh bei den beliebten Spots zu sein, wenn außer uns noch kaum jemand da war (idealerweise bei Sonnenaufgang um 8 Uhr). So haben wir es zum Beispiel geschafft, einen schönen, etwas unbekannteren Wasserfall oder das Flugzeugwrack von Solheimasandur tatsächlich für uns zu haben, was so schön war! Manchmal hätte ich mir allerdings mehr Tageslicht gewünscht, um die Tage etwas zu entzerren und auch am späten Abend die Chance zu haben, nochmal in Ruhe mit der Kamera loszuziehen.

Flugzeugwrack Island Solheimasandur

Kvernufoss Island GeheimtippsAuch im Oktober gewinnt in Island der frühe Vogel: Morgens um acht im Oktober (kurz nach Sonnenaufgang) hatten wir das Flugzeugwrack von Solheimasandur tatsächlich für uns alleine, ebenso diesen schönen Wasserfall.

Im Oktober hatten wir zudem jede Nacht die Chance auf Polarlichter, aber zwei Wochen lang leider kein Glück. Kaum zu glauben, oder? Außerdem hatten wir die meiste Zeit noch recht angenehme Temperaturen im Schnitt um die 10 Grad. (Böse Zungen behaupten, dass es dort im Sommer oft auch nicht wärmer sei als im Oktober/November und das Wetter auch nicht besser sei – ob das stimmt, kann ich euch nicht sagen – aber vielleicht habt ihr ja Erfahrungen?).

Im Norden um Myvatn bekamen wir Mitte Oktober den ersten Schnee und die Temperaturen sanken auf etwa null Grad. Danach erlebten wir plötzlich eine mehrtägige Schönwetter-Phase mit blauem, wolkenlosem Himmel und weiß verschneiten Bergen im Norden, was wirklich schon fast surreal schön war. Dafür hatten wir im Süden etwas Pech mit dem Wetter (Regen und Sturm), weshalb wir an zwei Tagen geplante Erkundungstouren abbrechen und zur Unterkunft zurückkehren mussten. Ihr seht: Das Wetter in Island kann zu jeder Jahreszeit schnell umschlagen und nicht selten hat man alles an einem Tag – und es ändert sich oft innerhalb weniger Minuten und innerhalb weniger gefahrener Kilometer, und zwar egal zu welcher Saison.

Ich persönlich kann euch eine Island-Reise zur Nebensaison im Oktober sehr empfehlen und würde es jederzeit wieder machen!

Godafoss Island

Island Stokksnes Ring Road Nebensaison

Wart ihr bereits in Island zur Nebensaison? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Plant ihr eine Reise nach Island zur Nebensaison und habt Fragen? Dann freue ich mich über einen Kommentar unter diesem Artikel!

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Werbehinweis: Es handelt sich um eine selbst bezahlte und selbst organisierte Reise, jegliche Werbung ist völlig freiwillig. Meine Ansichten sind wie immer meine eigenen.

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4 Kommentare

  • Kathi sagt:

    Das sind so wunderschöne Fotos…, die mich an meine Zeit in Island vor zwei Jahren im Oktober erinnern. 😉 Ich fand auch, dass das eine super Reisezeit war – wir hatten nicht mal ein Allradauto, hatten aber auch Glück, da wir den Schnee nur auf den Bergen gesehen haben, so dass die Straßen noch in Ordnung waren. Die Ostfjorde sowie Snaefellsnes sind auch mein Geheimtipp, für den Süden würde ich mir aufgrund der vielen Menschen und der Infrastruktur (zu viele große Parkplätze, und dann auch noch direkt vor den „Attraktionen“) beim nächsten Mal tatsächlich weniger Zeit nehmen, auch wenn er noch so spektakulär ist.

    • Susi sagt:

      Liebe Kathi, vielen Dank, dass du deine Erfahrung teilst! Und interessant, dass wir ähnliche Erfahrungen gemacht haben im Oktober! Ich würde ja sehr egrne nochmal in den Süden, aber dann im Winter oder Sommer, und im Sommer würde ich dann spät abends/nachts zu den ganzen schönen Orten gehen, im letzten Licht der Mitternachtssonne quasi, das stelle ich mir wunderbar vor. 🙂

  • Markus sagt:

    Ich bin auch ein Fan davon, in der Nebensaison zu verreisen. Alles ist einfacher. Unterkünfte sind billiger, weniger Leute sind an den Hotspots.

    Außerdem fand ich es immer gut den kompletten Tag zu nutzen und wenn es dunkel ist zum nächsten Ort zu fahren. Wenn es früh dunkel wird kann man ja noch 2 Stunden bei Nacht fahren und am nächsten Morgen direkt vor Ort sein.

    Die Fotos finde ich auch schön 🙂

    Grüße
    Markus

    • Susi sagt:

      Danke dir! Interessanter Punkt mit dem Fahren! Ich fand gerade das Fahren durch die tollen Landschaften mit am schönsten, weshalb ich nicht in die Dunkelheit kommen wollte. Aber klar, wenn man auch im Dunkeln fährt, dann schafft man es auch so, den Tag zu entzerren. 😉

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