Hannover Städtetrip: coole Orte, Sehenswertes und Insidertipps

Neues-Rathaus-Hannover

Kennt ihr diese Orte, an die man irgendwie nie hinreist, durch die man immer nur durchfährt? Für mich war Hannover immer so ein Ort. Eigentlich kannte ich Hannover nur vom Hörensagen und aus dem Fenster eines ICEs. Bis ich mich gefragt habe:

„Was, wenn ich einfach mal aussteigen würde?“

Und so habe ich diesen Sommer einfach mal einen Städtetrip nach Hannover gemacht und mich drei Tage lang auf Erkundungstour durch die 500.000-Einwohner-Stadt begeben. Und dabei festgestellt: Die Hauptstadt Niedersachsens hat einiges zu bieten, was man vielleicht nicht so kennt oder auf dem Schirm hat, und eignet sich gut für einen Wochenendtrip. Abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten stößt man auf interessante, lebendige Szeneviertel, in denen ständig Neues entsteht, auf verrückte Bushaltestellen und zahllose Kioske, wunderschöne Altbauten und hässliche Brutalo-Architektur, angesagte Cafés, Restaurants, individuelle Läden und ganz viel Grün.

Wir sollten jedenfalls viel öfter einfach mal aussteigen und uns überraschen lassen, findet ihr nicht? Was ich dabei entdeckt habe und meine besten Tipps für einen Kurztrip nach Hannover stelle ich euch in diesem Städte-Guide vor – damit auch ihr einfach mal aussteigen könnt.

Hannovers „Roter Faden“ – auf eigene Faust zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten

Sehr praktisch, wenn du wie ich aus dem Zug aussteigst und erst einmal keine Orientierung hast: Durch die Innenstadt Hannovers zieht sich ein „Roter Faden“, der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. So kannst du dich auf eigene Faust zu einem Stadtrundgang aufmachen und dabei auf bis zu 4,2 Kilometern Länge insgesamt 36 architektonische und geschichtliche Sehenswürdigkeiten im Zentrum entdecken. Los geht’s am Ernst-August-Platz direkt vor dem Hauptbahnhof. Ab da einfach der roten Linie auf dem Asphalt folgen! Ich habe mich vom Roten Faden zu einigen schönen Orten führen lassen, die ich euch empfehlen kann:

  • die Überreste der historischen Altstadt um die Marktkirche und die Kramerstraße
  • die Schlossbrücke am Ufer der Leine hinter dem Leineschloss (schöner Blick!)
  • die bunten „Nana“-Skulpturen von Niki de Saint Phalle an der Skulpturenmeile am Leibnizufer
  • die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Ägidienkirche, heute eine Kirchenruine und Mahnmal für die Opfer von Kriegen und Gewalt
  • das wunderschöne Neue Rathaus (dazu unten mehr!).

Der-Rote-Faden-Hannover-Sehenswuerdigkeiten

Hannover-Altstadt

Altstadt-Hannover-Kramerstr

Teestuebchen-Hannover-Geheimtipp

Einkehr-Tipp: Weil ich einem Regenschauer ausweichen musste, landete ich während meiner Stadterkundung im Teestübchen am Ballhofplatz – eine kleine gemütliche Oase mitten der Stadt! Innen ist das Teestübchen total urig und gemütlich, mit viel dunklem Holz und Blumenmuster und altmodischen Teekännchen, außen sitzt man im Liegestuhl auf der gepflasterten Piazza. Leider ist hier immer viel los, so dass man u.U. keinen Platz bekommt und Wartezeiten einkalkulieren muss, doch der hausgemachte Kuchen, die Teeauswahl und das Ambiente sind top!

Das Neue Rathaus und der beste Blick über die Stadt

Sehr überrascht war ich vom Neuen Rathaus – für mich einer der schönsten Orte in Hannover. Von außen wirkt der prächtige Bau wie ein Schloss, und auch von innen kann es sich sehen lassen. Schlendert auf jeden Fall durch die mehrere Stockwerke hohe Eingangshalle mit ihrer Kuppel und den Modellen der Stadt. Auch von dem kleinen Park hinter dem Rathaus ergeben sich immer wieder neue, wunderschöne Ansichten auf das Gebäude, das sich im See spiegelt (der Park ist auch ein toller Picknick-Spot).

Nicht verpassen solltet ihr den Turm des Neuen Rathauses: Von hier habt ihr den besten Blick auf Hannover! Nach oben auf dem Turm geht es mit einem kuriosen Bogenaufzug, der nicht etwa senkrecht nach oben fährt, sondern in einem leichten Bogen, und der oben und unten verglast ist (ich liebe ja sowas). Angekommen auf der fast 100 Meter hohen Aussichtsplattform erwartet euch ein grandioser 360-Grad-Blick auf die Stadt.

Turm des Neuen Rathauses | täglich ca. 09:30-18:00 | Preis Turmauffahrt 3,50 Euro

Hannover-Sehenswuerdigkeiten-Neues-Rathaus

Hannover-Tipps-Blick-vom-Turm-Neues-Rathaus

Neues-Rathaus-Hannover-Turmbesteigung

Neues-Rathaus-Hannover-Aussicht-Turm

Vom Turm des Neuen Rathauses seht ihr bereits den Maschsee, einen künstlich angelegten See mitten in der City. Bei schönem Wetter lädt er zu einem Spaziergang am Ufer ein, es gibt aber auch ein Strandbad, Ruderboote und Bootstouren. Während ich da war, fand gerade das Maschseefest statt, bei dem das Ufer jedes Jahr im August zur Ausgehmeile mit vielen Getränke- und Essensständen wird.

Maschseefest Hannover

Linden – Hannovers alternatives Szeneviertel

Wenn du wie ich gerne abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten und gerne etwas alternativer unterwegs bist, solltest du unbedingt Linden besuchen, genauer gesagt die Gegenden Linden-Nord (um die Limmerstr.) und den südlichen Teil um den Lindener Marktplatz. In Linden hat es mir bei meinem Hannover-Trip am besten gefallen! Warum? Linden ist eine spannende Mischung aus traditionellem Arbeiterviertel und links-alternativem Szeneviertel mit einem quirligen, multikulturellen Flair, was man so in Hannover vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte. Hier findet ihr individuelle Läden und Cafés, angesagte Bars und Clubs, aber auch Streetart, leckere Restaurants und eine Strandbar am Wasser.

Ich hatte das Glück, das Viertel gemeinsam mit David erkunden zu können, einem einheimischen DJ, der schon seit über zehn Jahren in Linden lebt und mir einige seiner Lieblingsplätze gezeigt hat. (Ein riesengroßes Dankeschön an dieser Stelle!). Auf der Kiezmeile Limmerstraße wird nicht nur „gelimmert“, wie ich lerne (mit Freunden und einem Bier in der Hand an der Straße abhängen), hier finden sich auch einige gute Food- und Kaffee-Spots wie die Café Bar oder das Café des Bio-Bäckers Lindenbackt!, der beliebte Vietnamese Street Kitchen, Duke Burger, der Lindenblatt Grill-Garten (mit großer Gin- und Cocktailauswahl) und das hippe Francesca & Fratelli, wo es angeblich die beste Pizza Hannovers gibt.

Ein Geheimtipp ist das italienische Bistro Bei Jaqueline, in dem ich alleine vermutlich nie gelandet wäre, da es von außen ziemlich spelunkig aussieht. Hier gibt es aber unglaublich leckere, frische Pasta und Pizza! Gründer Francesco bot hier bereits 1988 den angeblich ersten Latte Macchiato Hannovers an, wie er uns erzählt. Generell ist die Gegend um die Limmerstraße eine interessante Mischung. Wo der Edeka noch „Wucherpfennig“ und der Metzger „Wurst-Basar“ heißt, findet man nebenan hippe Coffeeshops und Bio-Läden. Alteingesessenes, Traditionelles trifft auf Jung-Kreatives, Punks auf Hipster. Gentrifizierung ist auch hier das große Thema.

Besonders gut gefällt mir, dass wir immer wieder auf diese kleinen, skurrilen Dinge und ungewöhnliche Orte stoßen. Da ist Das Kleine Museum, eine auf den ersten Blick urige Eckkneipe, in der man prima gutbürgerlich essen kann, doch von der Decke hängen ausgestopfte Krokodile und im Hinterhof steht – einfach so – eine echte Guillotine herum (kein Scherz, der Besitzer hat sie uns gezeigt!). Da sind das Café les ersatz mit seiner Retro-Oma-Einrichtung, in dem man tief im Sofa versinkt und den angeblich besten Käsekuchen Hannovers mümmelt, das Limonaden-Kiosk, das Luther-Mural direkt neben der evangelischen Kirche, eine Kneipe mit dem schönen Namen „Debakel“ und das Antiquariat Wilder mit seinem Extra-Raum nur für den Heftromantausch.

Hannover-Linden-Insidertipp-Das-Kleine-Museum

Hannover-Linden-Tipp-Strandleben

Hübsche Gründerzeit-Altbauten treffen in Linden auf die Brutalismus-Architektur des Ihme-Zentrums, eines großen, halbverlassenen Wohn- und Geschäftskomplexes, der in seiner Hässlichkeit das Bild des Viertels bestimmt, aber auch faszinierend und auch ein klitzekleines bisschen schön ist. Hier besuchen wir einen Freund von David, so dass ich mich von dem übrigens genialen Blick aus dem 13. Stock einer gut geschnittenen Wohnung des Ihme-Zentrums überzeugen kann: Vom Balkon schweift mein Blick bis zum Brocken im Harz am Horizont. Daneben thront das Heizkraftwerk, von den Einheimischen im charakteristisch-schnoddrigen Humor auch „die drei warmen Brüder“ genannt, dessen drei Schornsteine nachts hübsch lila angestrahlt werden.

Wir radeln weiter am grünen Ufer der Ihme entlang, das auch ganz schön idyllisch ist und zum Paddeln und Picknicken einläd – einer landet mit seinem Kajak praktischerweise gleich an der Strandbar Strandleben an und genehmigt sich einen Drink. In Linden gibt es noch alte Fabrikareale, die heute alternativ genutzt werden, zum Beispiel beim Café Glocksee (Theater, Club, Graffiti Wall) oder beim Kulturzentrum Faust mit seinem Biergarten, Club, Werkstätten und Event Spaces und bunter Streetart und Murals. Ich mag es hier!

Hannover-Linden-Streetart

Auch der südliche Teil Lindens rund um den Lindener Marktplatz lohnt einen Besuch: Für ein köstliches Eis von der Frioli Eismanufaktur, Drinks und unglaublich gutes thailändisches Essen in der Kneipe und der böse Wolf oder frische leckere Küche im Restaurant Soulkitchen. Wenn ihr auf der Suche nach einem weiteren Insidertipp für guten Kaffee seid, schaut mal, ob es das Café von Alten noch gibt, das kurz vor meinem Besuch erst in einem alten 50er Jahre-Kiosk gegenüber eines grünen Parks eröffnet hat. (Und dann bestelle einen „Dick von Alten“!).

Hannover-Linden-Altbauten

Hannover-Linden-Cafe-von-Alten

Noch mehr Linden-Tipps:

  • Kaffee und Kuchen: die Menagerie, das Café Corner und der Coffeeshop V17, Fräulein Schlicht
  • Essen: The Harp – angeblich die besten Burger Hannovers (unbedingt reservieren)
  • Nightlife: die Weinbar „IhmeRauschen“, die Clubs Feinkost Lampe, Café Glocksee

Ein praktisches Booklet mit Linden-Tipps und eine Stadtteilkarte als kostenlosen PDF Download findet ihr hier.

Ab ins Grüne: zwischen Leibniz-Uni und Herrenhäuser Gärten

Im Norden Hannovers findet ihr eine Reihe wunderschöner grüner Gartenanlagen, die besonders bei schönem Wetter einen Abstecher wert sind und einen interessanten Kontrast zur restlichen Stadt bieten. Ich wünschte jedenfalls, ich hätte auch in einem so schönen altehrwürdigen Gebäude wie die Leibniz-Universtät Hannover studiert, das mich irgendwie kurz an meine Studienzeit in England und Harry Potter denken ließ. Dahinter erstreckt sich mit dem Welfengarten ein schöner Park, in dem Studenten picknicken.

Entlang der mit alten Bäumen gesäumten Herrenhäuser Allee, die ich mir gerade auch im Herbst wunderschön vorstelle, zieht es mich von der Leibniz Universität weiter in Richtung Georgengarten, wo ich dem Leibniz Tempel einen kurzen Besuch abstatte, einem romantischen Pavillon an einem kleinen See. Wenn ihr Zeit habt, solltet ihr auch das Schloss Herrenhausen und seinen Barockgarten aus dem 17. Jahrhundert besuchen, der berühmteste der Herrenhäuser Gärten, mit Skulpturen, Fontänen und Grotte.

Herrenhäuser Gärten | U-Bahn „Herrenhäuser Gärten“ | Eintritt Großer Garten + Museum im Schloss 8,- Euro | Georgen- und Welfengarten: Eintritt frei

Leibniz-Universitaet-Hannover-Sehenswuerdigkeiten

Hannover-Tipps-Herrenhaeuser-Allee

Herrenhaeuser-Gaerten-Hannover-Wasserspiele

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Hannovers coole Nordstadt

Hannovers Nordstadt ist nicht nur der Stadtteil der Herrenhäuser Gärten und der Leibniz Universität. Rund um den Engelbosteler Damm (auch „E-Damm“ genannt), zwischen U-Bahn Lutherkirche und Christuskirche, hat sich ein lebendig-lässiger Kiez entwickelt. Auf jeden Fall solltet ihr auf einen Kaffee bei der Kaffeerösterei 24grad vorbeischauen oder auf ein Bier beim cool-verrückten Onkel Ollis Kiosk. Auch auf dem E-Damm gibt es eine Filiale der Pizzeria Francesca & Fratelli, frühstücken kann man im gemütlichen Café lieb.es. Dazwischen bummelt man durch einige individuelle kleine Boutiquen wie Vallintage (Vintage-Mode), Baert Concept Store (Wohnaccessoires & Geschenke), Schön Schön oder Designkombinat (Mode).

Hannover-Nordstadt-Insidertipps-24grad-Kaffee

24grad-Kaffeeroesterei-Insidertipp-hannover

Vallintage-Vintage-Shop-Hannover

Onkel-Ollis-Kiosk-Hannover-Nordstadt-Tipps

Übernachten

Ich habe im Grand Hotel Mussmann übernachtet, ein gediegenes, gehobenes Hotel in unschlagbar zentraler Lage direkt gegenüber des Hauptbahnhofs. Von hier konnte ich nicht nur die Innenstadt zu Fuß erkunden, sondern alle Orte über die U-Bahn-Stationen Kröpcke oder Hauptbahnhof in wenigen Minuten und ohne Umsteigen erreichen.

Von A nach B kommen vor Ort

Hannover ist zwar ziemlich groß, aber nicht zu groß, d.h. die Wege zwischen den einzelnen Orten und Stadtteilen sind doch relativ kurz und man kann viel zu Fuß oder mit einem Leihfahrrad entdecken. Total schnell und unkompliziert ging es mit der U-Bahn: In unter zehn Minuten war ich von der Innenstadt in der Nordstadt oder in Linden. Praktisch ist dafür die HannoverCard (z.B. 3 Tage für 19,- Euro), mit der ihr freie Fahrt im ÖPNV und Rabatte bei Sehenswürdigkeiten bekommt.

Hannover-Tipps und Reiseführer

Tolle Hannover-Tipps habe ich im Blog Hey Hannover und bei hannoverdeinernst gefunden. Mehr Tipps und Eindrücke aus Hannover gibt es bei der lieben Claudia, Lifestyle-Bloggerin aus Hannover, bei Nina von Smaracuja und bei Stilnomaden. Mehr Insidertipps von Einheimischen findet ihr in diesen beiden alternativen Reiseführern:

Offenlegung: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Hannover Tourismus. Danke auch an die Locals Claudia und David für die Tipps!

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