Der Khao Sok Nationalpark im Süden Thailands: Safari-Glamping, schwimmende Hütten und Elefanten

“Und was gibt es in der Höhle so?”, frage ich unseren Guide Nathalie. “Na Schlangen und Spinnen!!”, antwortet sie ganz enthusiastisch.

“What!?”

Während sie vor Freude strahlt, steht mir und den zwei amerikanischen Paaren in unserer Gruppe das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Es verspricht, heiter zu werden, im thailändischen Dschungelcamp.

Die Landschaft im Khao Sok Nationalpark: steil aufragende Karstfelsen und Regenwald

Im Khao Sok Nationalpark, umgeben von Karstfelsen und Regenwald

Wir sind auf dem Weg von Phuket in den ca. 2h weiter nördlich gelegenen Khao Sok Nationalpark, dem größten Regenwaldgebiet in Südthailand. Die Gegend ist berühmt für ihre Landschaft aus Kalksteingebirgen, die steil aus der Ebene emporragen und mit dichtem Urwald bewachsen sind, aber auch für ihre extrem vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Hier, in den Tiefen dieses Regenwaldgebiets sollen noch über 100 wilde Elefanten leben, aber auch Wildschweine, Tapire, Bären – und sogar Tiger!

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass man Reptilien, Insekten oder exotische Vögel zu Gesicht bekommt, und mit etwas Glück Gibbons oder Makaken – oder die großen Nashornvögel. Im Khao Sok wächst auch die Rafflesia, die größte Blume der Welt, mit einer Blütenspannweite von bis zu 1m (Strategie: nach Aas stinken und so Insekten zur Bestäubung anlocken.)

Durch den Park ziehen sich zahlreiche Wanderwege, auf geführten Dschungel-Treks kann man zu zu Höhlen, Wasserfällen oder Aussichtspunkten und zu Vogel- und Tierbeobachtungen aufbrechen. Auch die Infrastruktur im Park ist interessant: Hier kann man z.B. in Baumhäusern im Dschungel übernachten – oder eben gleich im Dschungelcamp, genauer gesagt Elephant Hills, das wir nach ca. 2h erreichen.

Auf ins Dschungelcamp! Safari-Glamping bei Elephant Hills

Wer glaubt, er müsse nun alleine in einem Schlafsack in der Dschungelhölle übernachten, irrt: Elephant Hills ist ein Camp mit geräumigen Luxus-Safari-Zelten, wie man es eher im afrikanischen Busch als hier im asiatischen Regenwald vermuten würde, mit einem richtigen Doppelbett und eigenem Bad, Licht und einer gemauerten Veranda mit Überdachung. Obwohl sich die weitläufige Anlage mitten im Dschungel befindet, ist das hier definitiv mehr “Glamping” als Camping (und ich liebe ja Glamping!).

Begegnung mit Elefanten

Nach einem Lunch-Buffet im Hauptcamp fahren wir rüber zum Elefantencamp. Hier, auf einer Lichtung im Wald, haben 11 ehemalige Arbeitselefanten ein neues Zuhause gefunden und werden möglichst naturgerecht gehalten. Das heißt, die Elefanten müssen nicht arbeiten, was beinhaltet, dass sie auch keine Kunststückchen für Touristen aufführen oder sie durch die Gegend tragen müssen, damit ihre Halter mit ihnen Geld verdienen können. Ich finde das wichtig, weil es gerade im Süden Thailands sehr schwer ist, überhaupt ein Camp zu finden, das einen nachhaltigeren Umgang mit den domestizierten und mittlerweile auch noch vom Aussterben bedrohten Tieren pflegt. In Elephant Hills gibt es einen Tierarzt und jeder Elefant hat seinen persönlichen Mahut, einen traditionellen Elefantenführer, der viele Jahre (manchmal Jahrzehnte) mit dem Tier verbringt und für dessen Pflege verantwortlich ist.

Das Konzept von Elephant Hills bedeutet also auch, dass (mit Ausnahme des jeweiligen Mahuts) keiner auf den Elefanten reiten darf. Allerdings kann man bei ihrem Bad im Teich zuschauen (nicht mal die Mahuts gehen mit ins Wasser), beim Abduschen und Füttern helfen und den sensiblen Dickhäutern auf diese Weise einmal ganz nahe kommen.

Unter Anleitung bereiten wir also mit Macheten-artigen Hackebeilen das Elefantenfutter wie Elefantengras und Ananasstücke zu (ich liebe ja Kochen mit dem Hackebeil!), und ich bin fasziniert, wie diese riesigen, sonst eher plump wirkenden Wesen mit ihrem Rüssel umgehen, mit dem sie die Stücke ganz behutsam aus meiner Hand nehmen. Es fühlt sich fast an wie eine Hand.

Gestatten: Elefantendame Tid Tang, 45 Jahre. Ihre Füße sind durch schwere Arbeit deformiert.

Übernachten im Safari-Zelt

Später fahren wir in Schlauchbooten friedlich einen Dschungel-Fluss hinab, bestaunen die steil aufragenden Felsen, verschiedene Vögel und eine Wasserechse. Nach dem heißen, trägen Nachmittag scheint der Dschungel abends erst so richtig zum Leben zu erwachen.

Als ich mich nach dem gemeinsamen Abendessen im Hauptcamp auf den Weg zu meinem Zelt mache, checke ich natürlich 10 Mal, ob Fliegengitter und Reißverschlüsse auch wirklich zu sind und ob irgendwo größere Krabbelviecher herumsitzen. Doch die Luft scheint rein und ich halte es ansonsten wie immer in solchen Ländern: lieber nicht so genau hinschauen. Aus dem Wald hinter meinem Zelt dringen interessante Geräusche, denen ich erst angestrengt lausche, bevor sie mich tatsächlich in den Schlaf pfeifen, rascheln, krächzen.

Mitten in der Nacht wache ich auf. Mir ist schlecht. Ich fühle mich schlecht. Sehr schlecht. NOOOO! Doch nicht JETZT! Nicht HIER! Doch es ist zu spät: Irgendeine Dschungel-Pest hat mich erwischt. Ich verbringe die restliche Nacht zwischen Bett und Klo und schleppe mich wenige Stunden später, als der Morgennebel sich gerade spektakulär über dem Urwald voller neu erwachter Geräusche lichtet, wie ein Häuflein Elend ins Hauptcamp, ohne irgendetwas von dem leckeren Frühstück zu mir nehmen zu können. Dabei wird es doch heute so richtig spannend! Dschungel-Trekking, besagte Höhle voller Spinnen und Schlangen, und mein absolutes Highlight: in einem schwimmenden Camp auf einem See übernachten, umgeben von Regenwald!!

Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein. Ich werfe mir noch einen Satz Medikamente ein. Und schleppe mich in den Bus.

Das schwimmende Camp auf dem See, mitten im Dschungel

In den 1980er Jahren wurde ein großer Teil des Regenwaldgebiets nach dem Bau eines Staudamms geflutet. Dabei entstand ein riesiger, extrem verästelter Stausee, aus dem an manchen Stellen noch die abgestorbenen Bäume wie Gerippe durch die Wasseroberfläche ragen. Die schroffen Kalksteinfelsen und -gebirge bilden nun Inseln im See und der dichte Urwald beginnt direkt an seinen Ufern.

Longtail Boat Chiao Lan See Khao Sok

Hier, auf dem Cheow Lan Lake (Chiao-Lan-See) kann man den Dschungel vom Boot oder Kajak aus erkunden und an den Ufern mit etwas Glück wilde Tiere sichten. An manchen Stellen gibt es schwimmende Hütten auf dem See, in denen man übernachten kann, wie das zu Elephant Hills gehörende Rainforest Camp, das wir nach einer Fahrt im Bus und weiteren 1 1/2h Cruisen im hölzernen Longtail Boot über den See erreichen.

Auf miteinander vertäuten Flößen stehen Luxus-Safari-Zelte, die sich zum See hin öffnen. Hier kann man sich quasi direkt vom Bett ins Wasser gleiten lassen (oder ins Kajak), oder einfach nur den Ausblick genießen. Ich lasse mich stattdessen vom Longtail Boat auf den Anlegesteg gleiten und von dort aus direkt ins Bett in meinem Zelt – mehr schaffe ich nicht. An Dschungel-Trek ist nicht mehr zu denken.

Während der Rest der Gruppe zu ihrem mehrstündigen, schweißtreibenden Marsch in den Wald aufbricht, verbringe ich den Nachmittag allein mit Fieber im Zelt. Und es ist irgendwie… schön.

Blick aus meinem Zelt auf den Chiao-Lan-See und den Regenwald

Ich weiß nicht, ob es an meinem fiebrigen Zustand liegt, doch der Blick auf den See, umgeben von ursprünglichem Regenwald und die Ruhe und Stille an diesem Ort sind einfach wunderbar. Hier gibt es nur die Geräusche des Waldes. Zum ersten Mal in meinem Leben höre ich die lauten Gesänge von Gibbons, und die lustigen Rufe der majestätischen Nashornvögel. Manchmal scheinen sie ganz nah, nur wenige Meter hinter dem Camp, manchmal hallen sie von verschiedenen Orten gleichzeitig weit über den See und schwellen zu einem immer lauter werdenden Chor an. Ich verliere jegliches Zeitgefühl. Was würde ich jetzt dafür geben, da draußen zu sein und sie einmal sehen zu können!

Einige Stunden später kehren die anderen völlig fertig, aber glücklich von ihrem Dschungel-Trek zur Fledermaushöhle zurück. Schlangen gab es in der Höhle wohl diesmal keine, dafür sorgten handtellergroße Huntsman Spiders im Schein der Taschenlampen für ordentlich Nervenkitzel. Ergo nehmen ein paar erst mal einen wohlverdienten Sundowner zu sich oder ein kühles Bad im See, die Abenteuerlustigen ziehen noch mit dem Kajak los, um die Ufer zu erkunden. Die Guides kümmern sich rührend um mich und ich sinke wieder in meine von Gibbon-Gesängen begleiteten, erstaunlich friedlichen Fieberträume.

Am nächsten Morgen paddeln die anderen auf einer Kajak-Tour in die verschlungenen Seitenarme des Sees hinein, gleiten ganz leise ans Ufer heran, lauschend, wartend. Der dichte Urwald reicht direkt bis ans Ufer heran, und tatsächlich: Sie bekommen Makaken und Languren zu Gesicht, einfach so, vom Kajak aus. Und Gibbons! Und einen Nashornvogel!!

Ich möchte so gerne hierbleiben, und auch in diese Welt eintauchen, doch das Abenteuer ist leider zu Ende. Ein Longtail Boot, ein klimatisierter Minibus und unsere beiden besorgten Guides bringen mich ins internationale Krankenhaus nach Krabi. Es dauert 4h. Dort bekomme ich Antibiotika und noch ca. 10 andere Medikamente, nach ein paar Tests steht glücklicherweise fest, dass es sich bei meiner Dschungel-Pest wohl immerhin nicht um etwas Schlimmeres wie Dengue oder Malaria handelt. Zwei Tage später breche ich schon wieder zum Inselhopping auf.

Wenn ich an den Khao Sok Regenwald zurückdenke, denke ich immer an die Rufe der Gibbons und die Stille des Sees. Ich muss dort unbedingt nochmal hin. Ist doch klar: Es wartet dort schließlich eine geheimnisvolle Fledermaushöhle voller Schlangen und Spinnen…

Vielen Dank an Elephant Hills für die Einladung, und an unsere Guides und das Team vom Rainforest Camp, die sich so lieb um mich gekümmert haben!

16 Comments

  • Mo says:

    Oh wirklich zauberhaft schöne Bilder 🙂 Schade, dass es Dich so hingerafft hat und Du nicht alle Ausflüge erleben konntest. Wobei Dir dann wahrscheinlich die Gesänge der Tiere und die Stille entgangen wäre… Hauptsache aber es war schön und Du bist wieder fit.
    Liebe Grüße
    Mo

    • Susi says:

      Danke Mo! Ganz genau, es war trotzdem ein tolles Erlebnis, an das ich gerne zurückdenke! Und den Rest hole ich beim nächsten mal nach – dann aber hoffentlich ohne Dschungel-Pest. 😉

  • Reisetigerin says:

    Schöner Bericht! Und sehr schöne Unterkünfte- sehen jedenfalls deutlich luxuriöser aus, als die in denen wir übernachtet haben. Und zur Höhlenwanderung kann ich nur sagen: Ich hätte im Nachhinein gerne drauf verzichtet! 😉
    http://www.reisetigerinsoa.blogspot.com/2015/05/thailand-4-dschungelbuch-reloaded.html?m=1

  • Verena says:

    Hallo, ein wirklich schöner Bericht. Wir gehen im November zum ersten Mal nach Thailand und Khao Sok steht auf jeden Fall auch auf der Liste.
    Wie sieht es denn mit diesen Touren aus? Kann man die einfach vor Ort buchen?

    LG Verena

    • Susi says:

      Hallo Verena, das Elephant Hills Camp kannst du online oder über Reiseveranstalter buchen. Ansonsten kannst du auch bei Ankunft im Nationalpark verschiedene Touren buchen . wie meistens in Thailand einfach über die Unterkünfte, oder übers Nationalparkbüro. Auf den Webseiten der Unterkünfte findest du oft auch schon vorab Infos zu den einzelnen Touren. Ich wünsche euch jedenfalls eine tolle Reise!

  • Joey Lisa says:

    Hi,
    I have a question.
    What tour did you do? (how many nights) and what was the name?
    Looks incredible

    Joey

    • Susi says:

      Hi Joey, I did the combination of the jungle elephant camp and the floating tents on the lake (it’s called jungle lake safari). Check it out on Elephant Hills’ website! My highlight was actually the tents on the lake so I’m glad I didn’t miss that!

  • Jacqueline says:

    Hi Susi,
    deine Seite ist wirklich toll! Macht Spaß zu lesen 🙂
    Ich fliege im Dezember mit meinem Freund nach Thailand und wir stehen noch relativ am Anfang mit unserer Planung. Haben auch noch nie eine Rundreiseg gemacht…
    Nachdem ich deinen Bericht über den Khao Sok Nationalpark gelesen habe, möchte ich diese Tour unbedingt auch machen 🙂
    Die ist aber ganz schön teuer habe ich gesehen 🙁 Meinst du vor Ort kann man an diese Tour günstiger rankommen oder sollte man sie tatsächlich besser im Vorfeld buchen?
    Freue mich auf eine Antwort von dir!
    Liebe Grüße
    Jacqueline

    • Susi says:

      Liebe Jacqueline, ja, diese Tour solltet ihr auf jeden Fall im Vorfeld reservieren! Zumal ja im Dezember schon Hauptsaison ist. Es gibt aber am Nationalparkeingang auch noch mehr Unterkünfte (Baumhäuser und so!), die evtl. als Alternative in Frage kämen (die bieten auch Touren an!).

  • Jacqueline says:

    Oh super, alles klar. Die sind dann hoffentlich auch noch nicht ausgebucht, wenn wir ankommen?! 😉 Und kannst du diese Unterkünfte auch empfehlen?
    Dankeschön schonmal für deine Antwort!! 🙂

    • Susi says:

      Ob sie ausgebucht sind, kann ich natürlich nicht sagen – grundsätzlich könnt ihr aber vor Ort wenige Tage vorher online buchen oder anrufen. Da gab es jedenfalls auch sehr schöne Unterkünfte, die ich empfehlen kann. Schaut mal in meinem Reiseführer “Merian Momente – Süden von Thailand”!

  • Frank Korz says:

    Hallo Susi, gibt es die Möglichkeit nur die Elefanten zu sehen, ohne den ganzen Schnickschnack (Zelt, Tour, Übernachtung)? Sonst ist das ganz schön teuer. Eine Übernachtung im Resort am Meer ist ja schön um ein Vielfaches günstiger.

    • Susi says:

      Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht – fragt dafür am Besten mal direkt bei Elephant Hills an, ob es auch eine Elefantentour ohne Übernachtung gibt! Ich könnte mir vorstellen, dass man so etwas evtl. auch von Khao Lak aus buchen kann.

  • Frank Korz says:

    also ich meine die Elefanten von Elephant Hills

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