Leipzig, Hypezig, Plagwitz: von Industriekultur, Kunst und Hype

Letzte Woche führte mich der Social Travel Summit in eine Stadt, die nun schon seit einiger Zeit von diversen Medien zur Szene-Stadt deklariert wird: Leipzig. Gebetsmühlenartig wiederholte Lobeshymnen à la „wie Berlin vor zehn Jahren, nur besser“ führten zu einem neuen und auch kontrovers diskutierten Hype um die Stadt, der u.a. in Kreationen wie dem Hashtag #Hypezig und den Tumblr-Blog „Hypezig – Bitte bleibt doch in Berlin“ mündete.

Erkundungen im Leipziger Westen

Grund genug, mir das mal etwas genauer anzuschauen. Eigentlich kenne ich Leipzig bisher nur vom Wave-Gotik-Treffen („WGT“) – dem größten Gothic-Festival der Welt, das schon seit 23 Jahren jedes Jahr an Pfingsten in Leipzig stattfindet und ebenfalls sehr zu empfehlen ist, wenn man auf abgefahrene Underground-Events steht. (Hier findet ihr meinen Bericht vom WGT 2016).

Diesmal wollte ich mir neben der mittlerweile schon ziemlich durchgentrifizierten Südvorstadt um die Szenemeile „Karli“ eine weitere Keimzelle von „Hypezig“ genauer anschauen: Plagwitz.

Plagwitz – Keimzelle von Hypezig?

Plagwitz ist der derzeit angesagteste Stadtteil in Leipzig und liegt im Westen der Stadt. Wer heute hinfährt, findet einen Mix aus alten Fabriken und Industriebrachen, aus netten Wohnvierteln und alten Villen, Wasser und grün, alternativem Vibe und Startup-Geist.

Industriedenkmäler treffen hier auf Kunst und Kultur, altes und verlassenes auf neues, modernes.

Epizentrum dieser Entwicklung ist die Spinnerei, das alte Fabrikgelände einer ehemaligen Baumwollspinnerei, in dem heute Künstlerateliers, Werkstätten und Galerien angesiedelt sind. Besonders cool: Beim Abend-Event des #STSLeipzig in der Spinnerei konnten wir uns einige der Studios anschauen und mit den Artists in Residence sprechen, es gibt dort aber auch regelmäßig Events und Führungen.

Auf dem Gelände gibt es außerdem ein altes Kino, in dem man sich seinen eigenen Stuhl mieten und damit lebenslang freien Eintritt haben kann und eine kleine Pension mit tollen loft-artigen „Meisterzimmern“ mit Aussicht und umringt von Galerien und Ateliers.



Impressionen aus der Spinnerei (v.o. nach u., l. nach r.): Werke des australischen Künstlers Stefan Dunlop, Malerin und Artist in Residence Angela Miskis, ich als schwarzer Punkt im Studio der australischen Künstlerin Frankie Morgan, die ihre Erlebnisse in Leipzig auf einer 25m langen Papierrolle festhält.

Kunst, Kultur und Kostüm im Westwerk

Das Westwerk ist ein weiteres altes Fabrikgelände in Plagwitz, in dem sich Künstler, Designer und Galerien angesiedelt haben. Hier finden Partys und Events statt, die lokale „lipz“ Bio-Schorle sitzt hier und es gibt einen riesigen Second-Hand-Store und Kostümfundus, die Garderobe Leipzig.

Direkt beim Westwerk könnt ihr euch im hippen Kaiserbad in stylischen Retro-Industrieambiente stärken, oder gegenüber des Westwerks im Café Albert mit leckerem Kaffee, Bagels und selbstgebackenen Kuchen.

Streetart und Graffiti am Westwerk in Plagwitz

Anlaufstelle und Lebensader: Karl-Heine-Straße

Lebensadern und beste Anlaufstellen zum Erkunden von Plagwitz sind die Karl-Heine-Straße und die Zschochersche Straße. Es ist ein interessanter Mix aus Cafés, Kneipen und Imbissen, Geschäften des täglichen Bedarfs, Firmen und Wohnhäusern – alles wirkt irgendwie relaxt und leicht alternativ. Entlang der Karl-Heine-Straße stoße ich aber auch auf Graffiti-Wände, Brachliegendes und Überwuchertes, eine Wagenburg und ein Oldtimermuseum, über dem ein altes Flugzeug schwebt.

Nehmt am Besten die Straßenbahnlinie 14 vom Zentrum und steigt an der Haltestelle Felsenkeller (Ecke Karl-Heine-Str./Zschochersche Str.) oder Karl-Heine-Str./Merseburger Str. (näher am Westwerk) aus, tigert einfach mal beide Straßen entlang und haltet die Augen offen…

Wasser und grün. Bootsfahrt auf dem Kanal

Ich mag, dass Leipzig von Parks und Wasserwegen durchzogen ist; vor den Toren der Stadt liegen diverse Badeseen und renaturierte Tagebaugebiete. Und faszinierenderweise gibt es im ehemaligen Industrievorort Plagwitz ein Kanalsystem: Auf dem Karl-Heine-Kanal schippert man heute mit dem Boot an der alten Industriearchitektur vorbei, paddelt mit dem Kanu oder Kajak, und man kann sogar so ‚Venedig-des-Ostens‘-mäßig mit der Gondel dahingleiten, wenn man will.

Food und das Verborgene Leipzig

Und wer auf Reisen gerne fremde Orte mit Hilfe von Essen erkundet und auf regionale Küche, traditionelle Handwerksbetriebe, kleine Cafés und Restaurants steht, der kann sich auch auf einer Food Tour mit „Eat the World“ durch Plagwitz futtern. Coole Tipps abseits der typischen Sehenswürdigkeiten hab ich auch hier bei „Verborgenes Leipzig/Hidden Leipzig“ gefunden.

„Hypezig“ hin oder her – mir gefallen die vielen Altbauten, die leerstehenden alten Fabriken mit Künstlern und Events, das viele Grün, die Seen und Wasserläufe und das alternative Flair von Leipzig – nicht nur in Plagwitz.

Und deshalb komm ich nämlich auch ganz bald zurück…

Mehr coole Leipzig-Tipps findet ihr auch bei Maria von kofferpacken.at.

Was gefällt euch Leipzig? Habt ihr noch mehr spannende Leipzig-Tipps?

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