Das Londoner East End – Guide für Brick Lane

Zu den Hotspots in London zählt eindeutig das hippe East End. Auch wenn hier in den letzten Jahren Gentrifizierung und Kommerzialisierung ordentlich Einzug gehalten haben und sich die Szene immer weiter Richtung Hackney oder Dalston verlagert hat, ist die Gegend um Brick Lane zwischen Whitechapel und Shoreditch immer noch einen Abstecher wert – vor allem für diejenigen, die keine Lust auf klassisches Sightseeing in Central London haben.

Wo im 19. Jahrhundert Jack the Ripper in den engen düsteren Gassen dieser armen Arbeitergegend sein Unwesen trieb (ja, es gibt da heutzutage auch Jack-the-Ripper-Touren), sich später ein jüdisches Viertel befand, Hugenotten sich schöne Häuschen bauten und sich später Einwanderer aus Indien und Bangladesch ansiedelten („Banglatown“), kamen seit den 90ern vermehrt junge Kreative und Künstler, angezogen von den billigen Mieten und der Zentralität des Viertels. Mit ihnen kamen coole Shops, Cafés, Bars, Galerien, Markets, Streetart und vieles mehr. Das berühmt-berüchtigte East End um die Brick Lane stieg zum Szenekiez auf.

Auch wenn es dort mittlerweile schon ziemlich touristisch zugeht, vor allem an den Wochenenden, sollte man der Gegend ruhig mal einen Besuch abstatten. Was es dort zu entdecken gibt und aktuelle Tipps habe ich hier für euch mal zu einem kleinen Reiseführer zusammengetragen.

Märkte

Wer zu Fuß von der Liverpool Street Richtung Brick Lane unterwegs ist, sollte in der alten überdachten Markthalle des Spitalfields Market einen Zwischenstopp einlegen. Der Markt ist eigentlich jeden Tag, am Wochenende gibt es aber das größte Angebot. Man findet dort hauptsächlich ausgefallene Klamotten und Accessoires, aber auch Selbstgebasteltes und Essen. (Einige der Klamotten habe ich allerdings schon mal gesehen: in Bangkok – was auch die günstigen Preise erklärt). Rings um den Markt findet ihr weitere kleine nette Shops, Cafés und Restaurants.

In der alten Truman Brewery an der Brick Lane findet am Wochenende immer ein Vintage Market statt mit Klamotten, Accessoires wie Schuhen, Sonnenbrillen und Schmuck, aber auch Dingen wie Schallplatten. Auf dem Gelände der alten Brauerei gibt es am Wochenende außerdem noch einen Antik-/Flohmarkt und einen Markt mit exotischen Essensständen, sonntags gibt es den Sunday UpMarket mit Klamotten, Schmuck, Essen und Kunsthandwerk.

Auf dem Gelände gibt es auch einige interessante Läden (Platten, Nachwuchs-Klamottenlabels, Vintage) und es finden immer wieder Veranstaltungen statt (bei meinem letzten Besuch im November ein Food Festival der „Experimental Food Society“). Im Innenhof ist Streetart zu bewundern (z.B. das berühmte Banksy-Auto! Siehe auch Streetart unten) und es gibt Food Trucks. Gegen Abend am Wochenende öffnen noch mehr exotische Essensstände und Bars, im Sommer oft mit Livemusik.

Sonntag vormittags findet auf der Brick Lane der Brick Lane Market statt, eine Art Straßenflohmarkt mit gebrauchten Klamotten, Büchern und anderen Flohmarktsachen, Straßenkünstler, Food Trucks und interessanten Leuten.

Vintage Shopping

Auf der Brick Lane und in ihren Seitenstraßen gibt es jede Menge Vintage Shops, die auch am Wochenende (inkl. Sonntag) geöffnet haben. Hier ein paar Empfehlungen:

Vintage Emporium and Tea Rooms

Habe ich zufällig in einer Seitenstraße entdeckt! Oben ein gemütlicher „Tea Room“ mit Wohnzimmeratmosphäre, Kamin und selbstgebackenem Kuchen und im Untergeschoss ein Vintage-Laden, spezialisiert auf außergewöhnliche Stücke vom 19. Jahrhundert bis Mid Century. Liebe voll dekoriert stößt man hier auf Schätze wie viktorianische Stiefeletten, von Hand mit Perlen bestickte Kleider aus den 20er Jahren, alte Hochzeitskleider und Hüte. Toll!

Rokit

Ein Klassiker direkt auf der Brick Lane, gut sortierter Vintage Shop mit Kleidung, Accessoires und Schuhen. Auch mit Onlineshop und Filialen in Camden und Covent Garden.

In der Cheshire Street (rechts ab von der Brick Lane, nach der Truman Brewery) findet ihr gleich eine ganze Reihe Shops:

House of Vintage

Gut sortierter Vintage-Shop, spezialisiert auf Kleidung von den 1920er bis 1980er Jahren.

The shop

Hier gibt es alte Stoffe und Textilien wie Tischtücher, Schürzen, Schals, aber auch Vintage Kleidung. 3 Cheshire Street.

Vintage Basement

Keller-Fundgrube voller Klamotten, gut für Jacken und alte T-Shirts bzw. Bandshirts. 7 Cheshire Street.

Found.loved

schön eingerichtet und gut sortiert, Mix aus Vintage und neuer Damenkleidung, es gibt auch Accessoires. 82 Cheshire Street.

Beyond Retro

DAS Flaggschiff unter den Retro- und Vintageläden. In einem alten Fabrikgebäude ein Stück weiter hinten in der Cheshire Street gelegen, gibt es hier jede Menge Trendiges und Schräges, so dass man stundenlang stöbern und anprobieren könnte.

Essen und Trinken: Kulinarische Weltreise

Rings um die Brick Lane könnt ihr locker eine kleine kulinarische Weltreise unternehmen. Mit Eating London habe ich mich auf einer 4-stündigen, äußerst leckeren Food Tour durch die ganze Gegend gefuttert. Das waren die empfehlenswerten Stationen:

St. John Bread and Wine

Englisches Restaurant/Bar mit frischem, leckerem Essen, lockerer Atmosphäre und selbstgebackenem Brot. Hier gab es ein erstaunlich leckeres, frisches Bacon Sandwich zum Einstieg.

The English Restaurant

Der Name ist Programm! Traditionelles englisches Restaurant in einem tollen alten Gebäude. Hier hatten wir (ebenfalls sehr leckeren) Bread Pudding.

Androuet

Hier im traditionellen Käseshop am Spitalfields Market ging es weiter mit einer Verkostung englischer Käsesorten von Cheddar bis Stilton.

Poppies

Ein Fish und Chips-Restaurant und Takeaway im Stil eines 50er Jahre-Diners. Die Fish and Chips waren tatsächlich sehr gut – natürlich serviert mit den guten alten grünen „Mushy Peas“.

Unser Eating London-Guide Nicole!

Nach einem obligatorischen Zwischenstopp im Pub (im Test: local beer und cider) ging es weiter zu einem der traditionellen jüdischen Bagel („Beigel“)-Shops auf der Brick Lane:

Beigel Bake

Der berühmteste der jüdischen Beigel Shops. Man isst zartes „Hot Salt Beef“ im Beigel mit Gürkchen und Senf. Lecker! Finden viele andere auch: Hier sind immer lange Schlangen. 24h geöffnet!

Pizza East

Der krönende Abschluss unserer Food Tour. Restaurant in einer alten Keksfabrik, das super cool eingerichtet ist. Hier gibt es allerdings nicht nur Pizza: Von dem Salted Caramel Chocolate Cake träume ich immer noch…

Ein schönes Video über die Food Tour findet ihr bei Travel Run Play.

Curries und indisch

Die Brick Lane selbst ist berühmt für ihre Curry-Restaurants. Stellenweise ist eins neben dem anderen und abends versuchen die Restaurantbesitzer, die Gäste (hauptsächlich Touristen!) mit Sonderangeboten von der Straße in ihr Restaurant zu locken. Wenn ihr wirklich direkt auf der Brick Lane Curry essen wollt, geht ins Aladin, hier waren wir mit der Food Tour und es hat wirklich sehr gut geschmeckt, vor allem das Lammcurry.

Ansonsten habe ich mich mal umgehört und etwas abseits der Brick Lane von Londonern diese Tipps für Curry und indisch essen bekommen:

Tayyabs

Eine Curry-Institution in Whitechapel, lecker Currys nach Punjabi-Art, günstig, lockere Atmosphäre, aber immer voll!

Dishoom

„A Bombay Café in London“: Hier gibt’s alles vom Frühstücks-Chai über Lunch bis Nachmittagstee, Dinner und Cocktails in schöner Vintage-Atmosphäre.

Lahore Kebab House

Pakistanische Küche, berühmt für seine guten, aber günstigen Curries, Tandoori, Fleischspieße etc.

Danke an Nicole von Eating London und Dylan für die Tipps!

Burger im Retro-Ambiente findet ihr auch bei Luncheonette @ All Star Lanes auf der Brick Lane in der Nähe der Truman Brewery, bei der vor allem am Wochenende gegen Abend jede Menge Garküchen und Essensstände aus dem Boden zu schießen scheinen – vor allem bei kleinerem Budget könnt ihr euch da von indisch bis burmesisch durchprobieren.

Alte Hugenotten-Häuser aus dem 16. Jahrhundert in der Nähe der Brick Lane

Streetart und Graffiti

Auf der Brick Lane selbst, vor allem aber in den kleinen Seitenstraßen findet man jede Menge Graffiti und Street Art, darunter auch Werke bekannter Künstler wie Banksy, ROA, Stik, Space Invader usw. – überall gibt es was zu entdecken und das Gute ist, dass hier auch ständig Neues entsteht, d.h. man streift am Besten durch die Seitenstraßen und schaut genau hin. Empfohlen seien an dieser Stelle auch der Innenhof der Truman Brewery (s.o.), die Sclater Street, Bacon Street und die Hanbury Street mit dem ROA-Kranich.

Natürlich kann man die Gegend auch auf einer Streetart Tour erkunden (einen Bericht über meine Streetart-Tour im benachbarten Shoreditch/Hackney findet Ihr hier!).

Hinkommen

Underground / Tube bis Liverpool Street, von dort wenige Minuten zu Fuß Richtung Spitalfields Market

Overground Rail: mit der East London Line bis Shoreditch High Street, von dort in wenigen Minuten zur Fuß bis Brick Lane.

Habt Ihr noch mehr Tipps fürs Londoner East End?

Hier findet ihr noch mehr von mir über London:

Schaurig-schönes London zu Halloween

Streetart im Londoner East End: Shoreditch

Vielen Dank an Eating London, die mich auf ihre Tour eingeladen haben. Alle Ansichten sind meine eigenen.

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