Streetart im Londoner East End: Shoreditch

Letzte Woche war ich zur Reisemesse World Travel Market seit Ewigkeiten das erste Mal wieder in einer meiner Lieblingsstädte: London! Da die Stadt ein Hotspot für Streetart ist, habe ich das Wochenende genutzt, um mich ein bisschen auf die Suche zu machen – unter anderem auf einer Tour mit Graffiti Artist Karim von Street Art London in Shoreditch im Londoner East End.

Wir trafen uns bei der Underground Station Old Street, von wo aus wir bei strömendem Regen (!) vier Stunden lang durch die Gegend zogen, entlang stark befahrener Hauptstraßen, durch ruhige Wohnviertel, durch Back Alleys und verlassene Hinterhöfe, um zum Schluss wieder in der Nähe der Shoreditch High Street rauszukommen. Unterwegs gab es unglaublich viel zu sehen, von unbekannteren Künstlern bis zu den ‚Stars‘ der Szene wie ROA, Vhils, Banksy, Thierry Noir & Co, unterschiedliche Kunstformen und Techniken von Wandgemälden bis Skulpturen; Politisches, Spaßiges, Subversives und Kurioses. Im Londoner East End wimmelt es von Street Art, und je genauer man hinschaut, desto mehr entdeckt man. Man bekommt den Eindruck, sie sei quasi überall!

Luke Skywalker vs. Darth Vader von Invader

Auch das ist Streetart: kleine Tiermosaike. Genau hinschauen muss man auch bei Ben Wilsons Kaugummi-Gemälden:

Streetart in 3D: Skulptur von Cityzen Kane

Detail eines meterhohen Portraits des portugiesischen Künstler Vhils, der seine Werke aus Hauswänden herausmeißelt bzw. -sprengt.

Neuer Trend: Graffuturism

Wer entdeckt den Vogel von ROA? Ein ROA-Wiesel gibt’s in London auch:

Die Blackall Street ist voller Graffiti und unterschiedlicher Streetart-Techniken wie Stencils oder Paste-ups

Graffiti Artist Karim hält wenig von der verbreiteten Spaltung der Szene in Graffiti vs. Streetart, bei der Graffiti-Künstler oft auf Streetart-Künstler herabschauen, die z.B. mit vorbereiteten Schablonen arbeiten oder ‚einfache‘ Bilder wie die Strichmännchen von Stik machen („das könnte ja jeder“… „Yes, but they didn’t!“) und Streetart-Künstler auf gesprayte Tags und Graffiti-Schriftzüge als zu wenig künstlerisch / ‚zu wenig Message‘ abwerten.

Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen illegaler und legaler Szene, zwischen Untergrund und Kommerzialisierung – ein großer Trend, der mit dem wachsenden Hype von Streetart einhergeht und auch zu einer gewissen Konkurrenz untereinander führt. Gleichzeitig wählen z.B. auch immer mehr Künstler anderer Strömungen den urbanen Raum als ‚Ausstellungsfläche‘ und um auf sich aufmerksam zu machen. Streetart-Künstler müssen sich auf einmal vermarkten (ich sehe da beim Stichwort Professionalisierung und Kommerzialisierung durchaus Parallelen zur Bloggerszene!).

Unterm Strich sieht Karim diese Entwicklung jedoch positiv, erlaubt sie doch Streetart und Graffiti-Künstlern, mit ihrer Leidenschaft Geld zu verdienen (manch einer hat dadurch wohl auch den Absprung aus der Obdachlosigkeit geschafft). Eine der Entwicklungen sind z.B. ganze Street Art Festivals wie diesen Sommer in London oder Studios wie die Howard Griffin Gallery in der Shoreditch High Street, in der Künstler Ausstellungen oder Workshops abhalten und Drucke verkaufen können. Eine weitere Nebenwirkung der Popularität von Streetart ist auch, dass vor allem Banksy-Werke unter Schutz gestellt werden (müssen) und z.B. nur noch hinter Plexiglas zu bestaunen sind:

Auf der anderen Seite haben wir einige Werke gesehen, die schon seit überraschend langer Zeit da sind, wie diese kleinen, 10-20 cm hohen Papierfiguren von Pablo Delgado (die allerdings auch ganz gut versteckt sind – ich frage mich, wie oft man hier einfach vorbeigehen würde…)

Nach der Tour streife ich noch durch Shoreditch und sehe das hier.

Ich möchte man am Liebsten entsetzt rüberrufen „Nicht wegmachen! Bitte dranlassen!!!“ Doch ich denke, das ist wohl das Schicksal der Streetart, und auch einer ihrer Reize: Sie ist vergänglich. Sie könnte jederzeit entfernt oder übermalt werden, es entsteht ständig Neues, sie entwickelt sich immer weiter. Was ich wohl beim nächsten Mal an denselben Orten in London finden werde?

Many thanks to Street Art London for inviting me on this great tour!

Hier gibt’s noch mehr zu London:

Mein Guide fürs Londoner East End: Brick Lane

Schaurig-schönes London zur Halloween-Zeit

Hinweis: Mein Aufenthalt in London wurde von GowithOh unterstützt, die uns ein Apartment zur Verfügung gestellt haben. Vielen Dank dafür! Alle Ansichten sind meine eigenen.

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