Here be Dragons – Am Ende der Landkarte in Donegal

Der Legende nach markierten frühe Kartographen unerforschte und somit potenziell gefährliche Territorien mit „Here be Dragons“. In Wirklichkeit wurde der dieser Satz bzw. das lateinische „Hic sunt dracones“ nur ein einziges Mal gefunden: auf einem alten Globus von 1503 – vor der Küste Südostasiens. Es war jedoch durchaus üblich, Seeungeheuer, Drachen und andere bekannte und weniger bekannte furchteinflößende Kreaturen auf unerkundete Flecken am Rande der bekannten Welt zu zeichnen. Es machte irgendwie Sinn. Es gab Anhaltspunkte.

Ausschnitt der „Carta Marina (16. Jhd.), Jeff Dahl, via Wikimedia Commons

Einer dieser Orte, der scheinbar am Ende der Welt liegt und bis vor Kurzem auch auf meiner persönlichen Weltkarte nur als unerforschtes Territorium (bzw. weißer Fleck) existierte, ist die Grafschaft Donegal im äußersten Nordwesten Irlands, die ich vorletzte Woche vor der Blogger-Konferenz #TBEX in Dublin einmal näher erkundet habe.

Hier trifft das raue Ende von Europa auf den rauen Atlantik. Hier sprechen viele Menschen noch gälisch als Muttersprache. Zerklüftete Küste, Heide und Moor, einsame Farmen und Cottages. Schafe (vermutlich mehr als Menschen). Fischer. Kleine Sträßchen, auf denen einem leicht schlecht wird. Steinkreise und andere Zeugnisse einer längst vergessenen Zeit. Verlassene Strände. Hier ist das Wetter am Grausigsten und die Touristen am Seltensten. Dies ist der Ort, von dem mir zwei Iren (einer aus Dublin und einer aus Donegal) erzählt haben, man solle ihn besser von der Landkarte streichen.

Ich bin da anderer Meinung.

Ich bin der Meinung, da muss man hin! Dieses Territorium muss erforscht werden – schwarze Punkte auf der Landkarte müssen her, Seeungeheuer und Drachen… ernsthaft?? Weg damit! (Obwohl… dieses Fleckchen Erde wirkte teilweise so mystisch und verlassen, dass ich mir tatsächlich nicht sicher bin, was dort alles an fantastischen und gefährlichen Kreaturen lauern könnte….) Womöglich ist es eh alles wahr… die ganzen alten Geschichten… Schauen wir uns also an, was es in Donegal so alles gibt.

Jede Menge wilde Küste mit Klippen, Stränden, Fjorden… einfach mal roadtrippen auf dem „Wild Atlantic Way“!

Schafe: keine natürlichen Feinde und die heimlichen Beherrscher dieses Territoriums:

Heide, Torf und Moor…

…geheimnisvolle Stätten wie das uralte Ringfort Grianán of Aileach mit dem poetischen Namen „Storm Palace of the Sun“ über der Halbinsel Inishowen ganz im Norden:

Kleine Fischerorte, die wie Außenposten im Nirgendwo wirken…

…dies bedarf keiner weiteren Erklärung.

Wi-fi gibt’s auch! Nicht nur für Blogger mit Internet-Entzugserscheinungen.

…ein gemütliches Hotel am Ufer eines Loughs, in dem immer ein Feuer im Kamin brennt und jeder Gast als Mitglied der Familie behandelt wird:

…und sehr gutes und leckeres Essen! (Ich weiß, man würde es vielleicht nicht unbedingt vermuten)…

…einige der höchsten Seeklippen Europas (übrigens dreimal höher als die Cliffs of Moher!), mit einem tollen Wanderweg „One Man’s Path“ – immer schön am Grat entlang:

Alte Cottages…

…und Häuser mit Geheimtüren (hier in einem Republican Safe House im „Doagh Famine Village“):

Der nördlichste Punkt Irlands, Malin Head (der liegt tatsächlich nicht in Nordirland! Man wird aber fast rüber gepustet…)…

Doch jetzt zurück zu den Drachen und Seeungeheuern. Ok, ich will jetzt mal nicht übertreiben. Als wir vor den 600 Meter hohen Steilklippen von Slieve League in einem kleinen Fischerboot hin und hergeschleudert wurden, kamen aus dem düsteren rauen Atlantik nicht etwa Seeungeheuer hervor, um uns zu verschlingen, sondern… freundliche Delfine!! So ist es mit diesen unerforschten, gefährlichen Orten auf der Landkarte, diesen weißen Flecken. Immer für eine Überraschung gut.

Hinweis: Vielen Dank an Fáilte Ireland, die mich auf den „Wild Atlantic Way“ in Donegal eingeladen haben. Alle Ansichten sind meine eigenen.

Share

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar zu Susi Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.