Angekommen am Ende der Welt: Great Ocean Road

In aller Herrgottsfrühe brechen wir auf. Schon bald haben wir die Stadt Melbourne mit ihren ausufernden Vororten hinter uns gelassen und sind draußen, im australischen Farmland. Wir sind noch gar nicht an der Küste und ich bin schon hin und weg: EIN KÄNGURU! Ein echtes! Nicht so ein kleines Wallaby-Karnickel, sondern ein richtig großes!! Und da, noch eins… und noch eins!

So früh am Morgen tummeln sie sich einfach auf einem Feld und grasen friedlich vor sich hin. Wegen mir könnten wir jetzt auch einfach hierbleiben, aber unser Ziel ist ein anderes: Es geht weiter in Richtung Küste, immer weiter an den südlichen Rand dieses Kontinents. Zur Great Ocean Road.

Diese Küstenstraße ist legendär, ca. 250km zieht sie sich an der Südküste Australiens entlang. Beim Surferstädtchen Torquay geht es los: eine schöne wilde Küste mit Surferstränden und Wegen entlang der Klippen, ab und zu kleine Surfer- und Ferienörtchen. Bei Fairhaven machen wir einen Abstecher zum Split-Point-Leuchtturm – nicht das erste Mal heute habe ich das Gefühl, ich bin in eine Postkarte gestolpert.

Neben dem Leuchtturm stärken wir uns in dem schnuckeligen Tea House für die nächste Etappe: die Strecke wird kurvenreicher, die Küste steiler, die Berge des Hinterlands reichen bis an die Küste heran. Auf den Klippen sind Seelöwen zu sehen. Mir wird schlecht. Vor lauter Kurven und Schauen.

Bei einem kleinen Café in der Nähe eines Campingplatzes halten wir an. Mit einer eiskalten Cola in der Hand marschiere ich in Richtung Eukalyptuswald, den Blick nach oben gerichtet. Und tatsächlich: ein Koala!!! Insgesamt sehe ich an diesem Tag drei Koalas, faul in den Bäumen chillend. Was für ein Glück! Die Tiere sind sehr empfindlich und bevorzugen nur ganz bestimmte Eukalyptusarten, der Mensch schränkt ihren Lebensraum immer mehr ein. Bedroht – wie so vieles, was mir auf dieser Reise in Australien begegnet.

In der flirrenden Mittagshitze schiebt sich ein großer Blue-Tonged Lizard über die Straße. Unser Fahrer und Guide Chris fährt über kleine einsame Backroads, wir sehen bunte Sittiche in Bäumen und Scharen weißer Kakadus in den Wiesen – für mich irgendwie fast surreal. Und auch das ist eine Überraschung: Die Great Ocean Road geht gar nicht die ganze Zeit an der Küste entlang?!

Bei Cape Otway passieren wir den Great Otway National Park und schrauben uns immer tiefer in den Wald, erst durch lichte Eukalyptuswälder, dann in den schattigen, kühlen Regenwald. Ich stehe das erste Mal staunend vor meterhohen Baumfarnen (wenige Wochen später sollte ich in Neuseeland noch viel mehr dieser urzeitlichen Gewächse sehen). Ich beschließe in diesem Moment, dass ich Baumfarne liebe.

Und dann ist es auf einmal soweit. Die Great Ocean Road führt uns zurück an die Küste. Ich hatte mir das ja gar nicht so spektakulär vorgestellt eigentlich. Eine schöne Steilküste halt, mit Aussichtspunkten voller Touristen, die alle dieselbe Route fahren. Schon tausendmal die Bilder gesehen. Been there, done that, abgehakt. Doch wir sind früh dran und vor den ganzen Bussen da, und ich bin überrascht, wie wild, menschenleer und unbewohnt diese Gegend ist.

Und als ich schließlich am Rand dieses Kontinents stehe, den Abgrund vor mir, dieses spezielle wunderbare Licht überall und den für einen australischen Hochsommer erstaunlich kalten Wind, der auf mich draufpeitscht, macht das irgendwas mit mir. Die Naturgewalt, das türkisfarbenes Meerestosen, der endlose Horizont, die Wildnis. Postkartenschön, aber doch irgendwie rauh und ungezähmt. Ich fühl mich frei, glücklich, angekommen irgendwie, für dieses Gefühl hab ich zuhause so viel zurückgelassen und bin bis ans andere Ende der Welt gereist. Sicher, andere Länder haben auch schöne Küsten, aber hier und an diesem Tag habe ich das Gefühl, wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein.

Genau da wollte ich hin. Und es fühlt sich gut an.

Infos

In Australien gibt es aber noch soooo viel mehr zu sehen als nur die Great Ocean Road! Wenn ihr könnt, reist nicht nur für ein paar Wochen mit einem hin so wie ich, sondern bleibt gleich ein paar Monate. Wenn ihr zwischen 18 und 30 Jahren alt seid, könnt ihr euch ein Working Holiday Visum besorgen und bis zu einem Jahr in Australien bleiben. Damit könnt ihr reisen, studieren und arbeiten kombinieren, und euch so von unterwegs eure Zeit in Down Under finanzieren.

Ihr seid alleine unterwegs und möchtet die Great Ocean Road nicht selbst mit Auto oder Camper befahren, sondern lieber mit einer Tour? Ich habe meine Tour entlang der Great Ocean Road mit Wild Wombat Escapes gemacht, die ich hier empfehlen möchte, und zwar einfach so. Weil es ein kleiner, unabhängiger Anbieter ist und Chris sich richtig reinhängt, viele interessante Hintergrundinfos zu erzählen hat, versucht, vor dem großen Ansturm da zu sein und auch mal Backroads fährt, nur um Tiere zu sehen.

Hinweis: Dieser Post wird von auvisa.org unterstützt.

13 Comments

  • Synke says:

    Das kommt definitiv auf meine Australien Liste! Es mich sehr berührt was Du geschrieben hast, über das am “Abgrund” stehen. So schön Fotos von solchen besonderen Orten auch sind, die Wirklichkeit ist meist noch 1000mal beindruckender! So die Sehnsucht ist geweckt 😉

    • Susi says:

      Danke Dir! 🙂 Am Besten fährst Du auch ganz in der Früh los, vor allen anderen. Oder Du übernachtest an der Strecke und wanderst ein Stück auf dem “Great Ocean Walk” (das möchte ich beim nächsten Mal machen!), an der Küste gibt es viele einsame tolle Wege…

      • Patrick says:

        Oder Du nimmst Dir ein Auto und 3-4 Tage Zeit für die Strecke. Ich finde es viel zu schade, die Straße an einem Tag im Bus runterzureißen. Würde ich nur machen, wenn das Budget wirklich nicht mehr hergibt.

        Den Walk fände ich auch interessant. Es wäre nur besser, wenn jemand vorher die Fliegen abschaffen würde 😉

        • Susi says:

          Stimmt, die Fliegen, die hatte ich schon wieder ganz verdrängt!! Zum Glück war es bei mir megawindig, aber das hat die Mistviecher auch nur bedingt abgehalten 😉 Ein paar Tage Zeit nehmen und einen Teil an der Küste entlangwandern würde ich auch empfehlen – die tollen Strände und die Surferstädtchen sind auch nicht zu verachten! Fazit: ich muss wohl nochmal hin – wie an so viele Orte… 😉

  • Julia says:

    Hey, echt starke und aussagekräftige Fotos. Und das, was Du geschrieben hast kann ich zu hundert Prozent bestätigen. Hatte ähnliche Gefühle in anderen Ländern. Ich habe Australien für 2015 geplant, wenn alles klappt.

    • Susi says:

      Danke Julia! 🙂 Dieses Gefühl ist einer der Gründe, weshalb man reist. Ich hoffe, Dein Australientrip klappt und Du hast auch so eine schöne Fahrt!

  • Tina says:

    Vor 7 Jahren (oh schreck schon so lange her) gings von Adelaide nach Melbourne entlang der Great Ocean Road, und es war so herrlich schön – ich schwelge gerade dank deiner Bilder in Erinnerungen.
    Gerne hätte ich auch ein paar Tage mehr Zeit gehabt- aber ein kleiner Tipp noch, das Geld in einen Heliflug investieren, das gibt noch ein ganz anderes Bild auf die Apostels

    • Susi says:

      Danke Tina, das mit dem Heliflug ist ein super Tipp! Wenn man mal Geld in so ein einmaliges Erlebnis investieren möchte, dann sicherlich vor so einer Kulisse. Allerdings muss ich dazusagen, dass ich vorbeidonnernde Helis ganz schön laut und störend empfinde (die sind ja in Neuseeland auch sehr beliebt), hat also immer 2 Seiten…

  • Großes Lob für die faszinierenden Bilder! Habt noch eine tolle Zeit Downunder 🙂

  • Gins says:

    Hallo,
    danke für diesen unglaublich tollen Bericht! So ein Trip kommt auf unsere Liste, wenn die Kinder größer sind. Die Lust darauf steigt! Kompliment auch für die schönen Fotos! LG Gina

    • Susi says:

      Vielen Dank! Das kann man glaube ich auch gut mit Kindern machen! Ich hoffe, Ihr macht es und findet es dann genauso schön!

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