Unterhopft kommt oft – Die Salzburger Bierkultur im Selbstversuch

„Kann man die Geschichte Salzburgs ohne das Bier erzählen?“ „Ja! Aber die wär dann ziemlich kurz. Und trocken!“, stellt unser Bier-Guide Martina gleich mal klar. Ich befinde mich auf einer historischen Stadtführung in Salzburg, wo ich gemeinsam mit anderen Bloggern ein Wochenende lang die örtliche Bierkultur erkunden werde. Dazu muss man wissen, dass ich von Bier keine Ahnung habe und eigentlich auch gar kein Bier trinke. Es ist folglich ein Selbstversuch und die Geschichte von einer, die auszog, das Biertrinken zu lernen. Und das kann man laut Bier-Guide Martina nirgends besser als in Salzburg.

Salzburg und das Bier, so lerne ich bei unserer Stadtwanderung durch die Salzburger Altstadt als erstes, gehören seit Jahrhunderten zusammen. Martina schafft es jedenfalls wirklich, bei allem, was sie uns zeigt, den Bezug zum Bier herzustellen. Dabei kommen jede Menge alter Anekdoten, Fotos, Trinksprüche und ihre derb-lustige Art zum Einsatz. Eigentlich hatte ich ja damit gerechnet, dass es auch biertechnisch gleich zur Sache gehen würde bei so einer Bierwanderung, aber wir hoben uns das Beste für den Abschluss auf: Abendessen auf der Terrasse des Stieglkellers.

Hier erwarteten uns der erste von unzähligen Schmacht-Panoramablicken über die Stadt, lecker-deftige Hausmannskost und natürlich: Bier! Ich steige ein mit Stiegl-Pils und dem passenden Stiegl-Spezialbier „Weltenbummler“. Urteil: Bisher eigentlich gar nicht so schlecht, das Salzburger Bier!

Nach einer weiteren Bierverköstigung in einem der zahlreichen Salzburger Bierkeller (diesmal: Kaiser Karl) geht es am nächsten Tag dann richtig zur Sache: Am Vormittag brechen wir auf nach Obertrum zur Trumer Brauerei, die für ihr Pils bekannt ist. Dort treffen wir Johanna, eine waschechte „Bier-Sommelière“ (ja, auch das gibt’s hier), mit der wir auf Brauereitour gehen. Und die endet natürlich an der Zapfwand.

Hier lernen wir, worauf es bei der Bierverköstigung ankommt: Farbe, Kohlensäure (passt sie zum jeweiligen Bier?), Geruch (malzig/hopfig?) und natürlich der Geschmack im Mund (bitter? Wie empfindet man die Kohlensäure etc.). Hierfür muss man das Bier im richtigen Strömungswinkel (!) in den Mund strömen lassen (deshalb die unterschiedlichen Gläser). Urteil: Beim Trumer Pils scheint alles zu passen. Vielleicht werden wir ja doch noch Freunde, Bier und ich?!

Am Nachmittag dann der Höhepunkt: Wir brauen unser eigenes Bier! Braumeister Sven empfängt uns in „Kiesbye’s BierKulturHaus“, wo wir die nächsten Stunden unter seiner Anleitung ein „dänisches Sommernachtsbier“ brauen werden: 100 Liter, in einem Hexenkessel-artigen Kupferkessel. Was die nächsten 7h folgt, hat tatsächlich etwas von Kochkurs, und geht ungefähr so:

  • Korn schroten
  • Maischen
  • Wasser bei 58 Grad 10 Min. rühren
  • Auf 63 Grad erhitzen
  • 1h Köcheln bei ca. 64 Grad
  • [währenddessen abwarten und Bier trinken, während immer einer rührt]
  • Warten, bis Temperatur auf 73 Grad gestiegen ist
  • [währenddessen Bier trinken]
  • Jodprobe
  • Auf 78 Grad erhitzen und Enzyme töten
  • [währenddessen Bier trinken]
  • Abläutern: feste von flüssigen Bestandteilen trennen
  • Treber entfernen
  • Hopfen zugeben
  • Auf 100 Grad erhitzen
  • [währenddessen Bier trinken]
  • Hopfen auflösen, Stoffe verbinden, steril/haltbar machen, Wasser verdampfen
  • [währenddessen Bier trinken]
  • Hefe scheidet Alkohol aus und macht Kohlensäure
  • Kühlen und in Gärbottich umleiten
  • Stammwürze messen
  • Hefe dazugeben
  • 4 Wochen warten und gären.
  • PROST!

Wir lernen, dass Bierbrauen sehr viel mit Warten zu tun hat (und mit Putzen! Irgendein Kessel muss immer gereinigt werden.) Braumeister Sven versichert uns übrigens, dass die Bierbrauer normalerweise während der Arbeit kein Bier trinken dürfen (dafür bekommt jeder ein Bierkontingent nachhause geliefert!).

Als wir am späten Abend mit dem Brauen fertig sind, ist unsere ganze Brauküche total mit Bierdampf zugenebelt, und wir sind auch schon ganz benebelt (das lag wohl eher am Zapfhahn, und an der kleinen Verkostung seltener Biere („Hardcore IPA Brewdock Scotland“), die wir unter Svens Anleitung zwischenzeitlich auch noch eingeschoben haben). Was soll’s. „Unterhopft soll man nicht ins Bett“, hab ich schließlich dieses Wochenende gelernt. Es hat jedenfalls Spaß gemacht und ich bin jetzt gespannt, wie unser Bier schmeckt, wenn es fertig ist!

Mein Selbstversuchs-Fazit: Ich glaube, ich habe noch nie so viel Bier getrunken. Ich habe gelernt, wie man Bier trinkt, und sogar, wie man es braut! Und ich habe bis zum Ende durchgehalten! Man könnte also sagen ‚Mission erfüllt‘. 😉 Ich weiß jetzt außerdem, dass ich ein Typ für untergärige, hopfige Biere bin und dass das Salzburger Bier auch etwas für Nichtbiertrinker ist (beim Selbstversuch mit Weißbier oder Hefeweizen wär ich vermutlich kläglich gescheitert…) Aber ob mich das Wochenende zum Bier konvertiert hat? Wohl eher nicht… ich gebe es zu: Kaum war das Wochenende rum, war ich auch schon wieder beim Wein. Aber mein letztes Trumer Pils, das hebe ich mir auf, für einen besonderen Anlass.

Hinweis: Ich wurde von Tourismus Salzburg eingeladen, die Salzburger Bierkultur am eigenen Leib zu erkunden. Alle Ansichten sind meine eigenen.

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