In den Wäldern Neuseelands

“A cold wind was blowing from the north, and it made the trees rustle like living things.“ – George R. R. Martin, A Game of Thrones

Die Wälder in Neuseeland wirken auf den ersten Blick wie ganz gewöhnliche Wälder, wie sie auch in bei uns in nördlicheren Breiten vorkommen. Doch auf den zweiten Blick sind sie irgendwie… anders. Fast die gesamte Vegetation Neuseelands existiert nur hier, sonst nirgendwo auf der Welt. Hier gibt es Regenwälder, riesige Baumfarne, noch nie gesehene Palmen, Flechten, Moose und Lianen – und uralte Mammutbäume, die Kauri-Bäume. Und weil ich mir die Maori-Namen der Bäume und Pflanzen einfach nicht merken kann, kann ich Euch nur sagen, wie es ist im neuseeländischen Wald. Wie es sich anfühlt.

Erstaunlich kühl fühlt es sich an. Ähnlich wie in den nördlichen Regenwäldern Kanadas und so gar nicht wie im tropischen Regenwald in Südostasien oder im Norden Australiens, wohin mich meine Reise auch führte. Wo die Luft zu stehen schien, einem der Schweiß aus allen Poren gleichzeitig ausbrach, während die Moskitos einen regelrecht auffraßen. Auch in Neuseeland ist der Wald feucht und üppig – aber luftig und kühl. Ohne giftige Tiere. Immergrün und voller neuer Formen, z.B. im Abel Tasman Nationalpark im Norden der Südinsel – ein Küstenurwald, durch den immer wieder das türkise Meer durchschimmert.

An der Westküste der Südinsel stößt man auf subtropische Regenwälder mit Nikau-Palmen. An keinem Ort der Welt reichen die Gletscher so nah an den Küstenregenwald heran. Und dazwischen immer wieder riesige Baumfarne, die wirken wie aus einer anderen Zeit.

Hier verteidigt der Wald sein Territorium.

Je weiter man in den Süden kommt, desto alpiner werden die Landschaft und der Wald.

The heart of another is a dark forest, always, no matter how close it has been to one’s own.
– Willa Cather

Auch auf der Nordinsel finden sich noch Überreste der alten neuseeländischen Urwälder. Im Waipoua Forest in Northland an der Nordostküste wachsen die letzten neuseeländischen Mammutbäume: Kauri. Der gewaltigste von ihnen ist Tane Mahuta – der Hüter des Waldes – benannt nach dem Maori-Gott des Waldes und der Vögel. Er ist vermutlich 2.000 Jahre alt.

“from far off it seems a unity, it can be comprehended, described, but closer it begins to separate, to break into light and shadow, the density blinds one. Within there is no form, only prodigious detail that reaches everywhere: exotic sounds, spills of sunlight, foliage, fallen trees, small beasts that flee at the sound of a twig-snap, insects, silence, flowers.“ – James Salter, Light Years

Doch nicht nur fernab der Zivilisation gibt es Wald in Neuseeland. Auch in den Ballungszentren auf der Nordinsel, in Auckland und Wellington, spazierte ich stundenlang im Schatten der Bäume durch alte, lichtdurchflutete Wälder.

“For still there are so many things
that I have never seen:
in every wood in every spring
there is a different green.”
― J.R.R. Tolkien, The Fellowship of the Ring

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Liebstes Grün“.

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23 Kommentare

  • Christiane sagt:

    Wahnsinnig schöne Bilder! So vielfältige Eindrücke von einem Wald mit vielen Gesichtern – der Tolkien-Spruch passt da sehr gut.
    LG

  • Frederike sagt:

    So wunderschöne Bilder! Nun habe ich noch einen Grund mehr nach Neuseeland zu reisen.
    Danke für die herrlichen Eindrücke!

    • Susi sagt:

      Danke, das freut mich sehr, dass ich die Stimmung in den neuseeländischen Wäldern vermitteln konnte! 🙂 Ich würde selbst natürlich auch sofort wieder hin!

  • Jessi sagt:

    Da wird mir mal wieder klar, warum alle so von Neuseeland schwärmen. Diese Natur ist einfach wahnsinnig schön!

    Liebe Grüße
    Jessi

    • Susi sagt:

      Danke Jessi – ja das stimmt, in Neuseeland muss man einfach raus in die Natur! (Obwohl ich ja auch schon über die interessanten Städte geschrieben habe, bin halt auch ne Stadtfreundin ;-))

  • Jenny sagt:

    Schnüf – da hast du wirklich sehr schöne Fotos mit sehr schönen Gedichten kombiniert. Ich kann fast die Feuchtigkeit in der Luft und den federnden Boden unter den Füßen spüren… Danke!

  • Oli sagt:

    Saugeile Bilder! Es sieht alles so urzeitlich aus. Wahrscheinlich könnte jeden Moment ein Dinosaurier um die Ecke kommen. Am besten gefällt mir das feuchtsaftige kräftige Grün der Vegetation.
    Hoffentlich hast du mir noch etwas übrig gelassen und nicht schon alles entdeckt! 😉

    Viele Grüße,
    Oli

    • Susi sagt:

      Hey Oli, vielen Dank! Naja, mir hätte es schon gereicht, wenn statt eines Dinosauriers mal ein Kiwi um die Ecke gekommen wär – leider Fehlanzeige. Und natürlich hab ich noch was übrig gelassen!!! ;D

  • Wow, das sind einzigartige Bilder der Natur! sehr schön!
    Ich liebe die Wälder… Ich war noch nie in Neuseeland, aber muss sagen, dass mich der Wald sehr an Mauritius erinnert… wahrscheinlich einfach wegen der großen Pflanzenvielfalt und der Berge 🙂
    Warst du schon mal auf Mauritius, sodass du auch einen Vergleich sehen kannst??

    Sonnige Grüße aus Mauritius!

    • Susi sagt:

      Das ist ja interessant, das hab ich noch nie gehört! (Ich war selbst auch noch nie auf Mauritius.) Da muss ich dann natürlich auch mal hin! 😉

  • Melanie sagt:

    Hej Susi!
    Danke für den schönen Artikel! Ich hab selbst schon sechs Monate in Neuseeland verbracht und kann deinen Erfahrungen nur zustimmen: Der dortige Wald ist irgendwie „anders“. Schön anders! 🙂
    Wie lange warst du dort unterwegs?
    VLG Melanie

    • Susi sagt:

      Hey Melanie, danke Dir! 🙂 Ich war dort nur einen Monat lang mit dem Rucksack unterwegs, dieses Jahr im Februar. Es war der Hammer und ich wollte so gerne noch länger bleiben! Muss definitiv nochmal hin, das war voll mein Ding 😉

  • Doris sagt:

    Hallo Susi, herzlichen Dank, dass du bei der Blogparade dabei bist – freut mich sehr! Ich finde es witzig: Neuseeland muss wirklich einen bleibenden grünen Eindruck hinterlassen, denn auch Anja hat über das Grüne Neuseeland einen Post beigesteuert 🙂
    liebe Grüße, Doris

    • Susi sagt:

      Hi Doris, das stimmt in der Tat! 😉 Deshalb hab ich mich auch sehr über die Blogparade gefreut! Ansonsten hab ich bei dem Thema sofort an England und Irland gedacht!

  • Dani sagt:

    Grün ist die Farbe der Hoffnung, des Lebens, der Natur … mit diesen toller Perspektiven macht es nur Lust Neuseeland mal zu entdecken.
    LG sendet Daniela

  • Sabrina sagt:

    Was für ein toller Artikel. Ich hab schon so viel über die Natur Neuseelands gelesen, war aber leider noch nie da.
    Dankeschön!

  • Festina sagt:

    Wundervoller Eintrag! Kann es kaum erwarten selber nach NZ zu reisen:) liebe Grüße

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