Impressionen aus Yangon

Yangon hat mich überrascht. Im positiven Sinn. Wir kamen mit dem Flugzeug aus Bangkok, da man nach Myanmar (Burma) nicht auf dem Landweg einreisen kann. Ich hatte eigentlich keine Ahnung, was ich von Yangon erwarten sollte, doch der Kontrast zu Bangkok hätte nicht größer sein können. Es war, als wären wir ungefähr 40 Jahre zurück in die Vergangenheit gereist.

Vor dem Flughafen stiegen wir in ein altes klappriges unklimatisiertes Taxi und tauchten ein in die Straßen Yangons, das immerhin fünf Millionen Einwohner hat. Ich starrte aus dem Fenster, konnte nicht aufhören, alles in mich aufzusaugen. Hier gibt es keine mehrspurigen Highways, moderne Hochhäuser bis zum Horizont oder blinkende Leuchtreklame wie in Bangkok. Keine modernen Autos, keinen Skytrain, nicht einmal Tuktuks (!). Stattdessen: alte Busse und alte Autos. Fahrradrikschas, bei denen man Rücken an Rücken neben dem Fahrer sitzt. Überall in regelmäßigen Abständen an den Straßen sehen wir Gefäße aus Ton mit Wasser zum Trinken.

Irgendwie ist Yangon wie ein asiatisches Havanna. Das liegt an den vielen alten Häusern aus der britischen Kolonialzeit, als Yangon Rangoon hieß und die Hauptstadt von British Burma war. Mit bröckelndem Putz und langsam verfallend, geben sie der Stadt einen ganz eigenen Charme vergangener Zeiten. Wir streifen durch die Straßen im Zentrum Yangons und lassen uns einfach treiben. An diesem Tag sehen wir fast keine anderen Menschen aus dem Westen. Dafür entdecken wir Einflüsse aus Indien und China: Geschäfte, Tempel, duftendes Essen.

Ich mag die Geschäftigkeit auf den Straßen: kleine, zur Straße hin offene Läden und Straßenhändler aller Art, Essensstände und „Tea Shops“ mit kleinen bunten Plastikstühlchen auf den Bürgersteigen. Und Mönche! Nirgendwo anders haben wir auf unserer Südostasienreise so viele Mönche gesehen wie in Myanmar. Nirgendwo anders auf der Reise wurde mir so bewusst, dass ich mich jetzt in einem anderen Land befinde. Hier ist alles ein bisschen anders. Auch die Menschen sehen anders aus als in Thailand oder Laos. Ihre Gesichter sind irgendwie anders, ihre Haut ist dunkler, auch hier in der Metropole tragen die Männer den Longyi, eine Art Sarong, die Frauen tragen die traditionellen langen Wickelröcke und weiße „Thanaka“-Paste im Gesicht. Die Männer kauen Betel-Nüsse und spucken auf den Asphalt. Es sieht aus wie Blut.

In der Sule Paya (Pagode) im Zentrum Yangons heuern wir einen englisch sprechenden Einheimischen als Guide an. Er erklärt uns, wie hier der Buddhismus mit dem Glauben an Geister und Dämonen, aber auch Astrologie und Zahlenmagie zusammenhängt. Wir kaufen kleine Papierschirmchen und Blumen als Opfergaben und führen Glücksrituale aus.

Ein junger Mönche spricht uns einfach an. Wir sind überrascht, sonst hatten wir immer mit großem Respekt Abstand von den Mönchen gehalten und gedacht, wir dürften nicht mit ihnen sprechen. In Myanmar scheint das anders zu sein, wir unterhalten uns noch mehrfach mit Mönchen auf dieser Reise. Der junge Mönch möchte sein Englisch verbessern und stellt uns viele Fragen. Zum Schluss schießen wir ein Foto von uns mit seinem Handy und er erzählt uns, dass seine Lieblingssängerin Lady Gaga ist. Myanmar wandelt sich schnell…

In Yangon befindet sich auch die berühmte Shwedagon Pagode. Darum geht es im nächsten Post!

Wart Ihr schon mal in Yangon? Wie habt Ihr die Stadt erlebt? Was hat sich seit meinem Besuch bereits verändert?

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9 Kommentare

  • Patrick sagt:

    Sehr spannend! Bis vor Kurzem hatte ich noch gar keine Vorstellung von Myanmar. Durch einige Blogger verdichtet sich nun langsam ein erstes Bild.

    Diesen Eindruck des 40 Jahre zurück seins hatte ich übrigens gerade vor zwei Tagen, nur umgekehrt. Als ich von Laos zurück nach Thailand fuhr, hat sich das wie 40 Jahre Vorspulen angefühlt. Da habe ich zum ersten Mal so richtig realisiert, wie weit zurück sie in Laos noch sind.

    • Susi sagt:

      Hey Patrick, das Gefühl hatte ich auch, aber als wir von Kambodscha zurück nach Bangkok gereist sind! Aber irgendwie war es in den anderen südostasiatischen Ländern immer so „same same“, aber in Myanmar, da war es wirklich mal „different“! Anstrengend, anders, chaotisch, ärmlich, aber auch unglaublich faszinierend, mit ganz tollen Leuten. Musst Du auch mal hin!

  • Vor ein paar Jahren kaufte ich mir einen dicken Reiseführer über Myanmar und wollte dort unbedingt einmal hin. Damals, dabei ist das gar nicht so ewig her, war alles noch ganz anders und Myanmar galt als das ursprünglichste Land der Region. Natürlich vor allem wegen der Abschottung durchs Militär.

    Ich hoffe, dass sich Myanmar jetzt lange seine Ursprunglichkeit erhalten kann, trotz Öffnung für Touristen. So als Außenstehender, der nie dort war. 🙂 Vielleicht schaffe ich es auch noch dorthin.

    Jedenfalls hast du tolle Bilder und Eindrücke mitgebracht!

    • Susi sagt:

      Danke! 🙂 Einerseits war Myanmar tatsächlich ‚anders‘ und ursprünglich – aber dann wieder nicht in dem Maße, wie ich das erwartet hätte. Wir waren teilweise geschockt, wie touristisch das bereits ist, vor allem in Inle Lake und Bagan (außer in Yangon! 😉 – mit Ausnahme der Shwedagon Pagode). Die Infrastruktur mit Unterkünften, Straßen etc. kann mit dem ‚Ansturm‘ aus dem Ausland jedoch nicht mithalten, was u.a. zu hohen Übernachtungspreisen bei gleichzeitig niedrigerem Standard führt. Das Land ist mittendrin und ich befürchte, dass Myanmar sich jetzt sehr schnell ändern wird. Ambivalent irgendwie, aber dadurch sehr interessant. Ich würde gern nochmal hin, um a) etwas abseits des Touri-Trails aus Yangon, Bagan, Inle Lake zu reisen und b) zu schauen, wie sich das alles seit meiner Reise im November schon verändert hat…

  • Christiane sagt:

    Sehr interessanter Bericht. Mir gefällt besonders, wie du auch Alltägliches zeigst und kleine Begebenheiten erzählst – man fühlt sich fast, als wär man auch dort…
    Ach, und du hast ja sogar ein paar Fahrradimpressionen dabei – cool! Der erste Beitrag meines Projekts „world wide wheeling“ kam übrigens auch aus Myanmar – und der aktuelle Beitrag aus Thailand. Guck doch mal: http://bikelovin.blogspot.de/2013/05/world-wide-wheeling-thailand.html

    Freu mich schon auf weitere Berichte hier bei dir.
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Susi sagt:

      Vielen Dank, das freut mich! 🙂 Ich war allerdings froh, dort nicht selbst mit dem Fahrrad fahren zu müssen (obwohl… wär schon interessant gewesen 😉 aber einfach zu heiß!)

  • Hi,

    witzig, du hast offenbar genau umgekehrte Erfahrungen zu uns gemacht in Myanmar. Wir fanden Yangon furchtbar und hatten dafür Glück in Bagan 🙂

    Wer noch nach einer Reiseroute für Myanmar sucht und nur 2 Wochen Zeit hat, kann hier mal vorbeischauen: http://auszweit.de/myanmar-reiseroute/

    Lieben Gruß aus Sri Lanka
    Alex

    • Susi sagt:

      Danke Alex – bin mal sehr gespannt, wie es mir beim nächsten Mal ergeht, und wie sich Myanmar dann schon verändert hat… Und Bagan geb ich auch nochmal ne zweite Chance. 😉

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