Wie man eine Nacht im Iglootel in Schwedisch Lappland überlebt

Auf meiner Reise nach Schwedisch Lappland erfuhr ich das erste Mal vom „Iglootel„, das erst im Januar in der Nähe des Städtchens Arvidsjaur eröffnet hat. Vom Icehotel in Jukkasjärvi hatte ich natürlich schon oft gehört, aber ein Iglootel ganz aus Schnee, das war mir neu. Als sich mir vor Ort kurzfristig die Gelegenheit bot, eine ganze Nacht dort zu verbringen, hab ich natürlich sofort zugesagt. Und, was soll ich sagen, es war eine fantastische Gaudi und ich habe offensichtlich überlebt!

Und das war so…

Angestrahlt und umgeben von Fackeln und Kerzen empfängt dich das Iglootel am Abend

„Wie schläft man da, wie funktioniert das, gibt es da überhaupt ein Klo? Hat das Iglu überhaupt eine Tür? Was zieht man da an?“, wurde ich danach zigmal gefragt.

Iglootel? Ist es da drin nicht total kalt??

Die Antwort ist natürlich: „Jaaaaaaa! Und wie!“ Umso wichtiger ist es, die folgenden Iglootel-Survival-Tipps zu beherzigen.

Tipp Nr. 1: von innen wärmen!

Wie Ihr Euch sicher denken könnt, hat man im Iglootel jede Menge an. In unserem Fall waren das vom Veranstalter zur Verfügung gestellte Thermoanzüge mit speziellen Stiefeln, dazu Mütze, Handschuhe und darunter noch ein paar Schichten Klamotten. Doch damit allein ist es nicht getan: Für die ‚innere Wärme‘ zu sorgen hat sich als überlebenswichtig erwiesen.

Neben Kaffee und Tee und einem Käsefondue zum Abendessen im gemütlich mit Holzbänken und Rentierfellen ausgestattenen großen Gemeinschaftsiglu heißt das natürlich auch, eine angemessene Menge Alkoholisches zu sich zu nehmen. Als Anlaufstelle dafür hat das Iglootel zum Glück eine Bar – natürlich auch ganz aus Eis und Schnee.

Erste Anlaufstelle für innere Wärme: die Bar

Ein Käsefondue im heimeligen Ess- und Gemeinschafts-Iglu wärmt auch erst mal.

Nach dem Abendessen empfehle ich: Geht zur Bar, dreht die Musik auf und tanzt! Das verstärkt den Wärmeeffekt. Wenn Ihr nicht mehr könnt und schon einige Stunden im Iglootel vergangen sind, werdet Ihr merken, wie die Kälte zurück in Eure Klamotten kriecht. Dann seid Ihr reif für den nächsten Schritt:

Tipp Nr. 2. Wage dich in den Außenbereich – in Hot Tub und Sauna

Ich weiß, das klingt erst mal völlig kontraproduktiv. ABER: Im Außenbereich des Iglootel finden sich die nicht zu unterschätzenden restlichen Wärmequellen: drei Hot Tubs (beheizte Whirlpools) und die obligatorische Sauna in einem kleinen Holzhäuschen.

Ab einem gewissen Punkt sollte die Party also in die Hot Tubs und ins Saunahäuschen verlegt werden. Das Ganze am Besten abwechselnd, denn selbst bei den Temperaturen Ende März wird es im Hot Tub irgendwann kühl. Dann heißt es raus aus dem Pool, rüber ins Saunahäuschen, dort kräftig einheizen, dann wieder raus in den Schnee (für die ganz Harten) und dann wieder in den Hot Tub. Und dann wieder von vorn!

Für den Rest gilt: What happens at Iglootel, stays at Iglootel!

Der Aufenthalt im Außenbereich hat noch einen anderen Vorteil: An unserem letzten Abend haben wir so doch noch Polarlichter gesehen!

Also: Badeklamotten nicht vergessen. (In Schweden geht man nämlich auch nicht nackig in die Sauna!) Im Iglootel werdet Ihr dann noch mit Bademänteln, Pantoffeln und Handtüchern ausgestattet. Doch wohin mit dem ganzen anderen Zeug?

Tipp Nr. 3: Die vorbeugende Klamotten-Lagerung

Wenn man sich schon im Iglootel entblößt, um Hot Tub oder Sauna-Wärme zu genießen, sollte man das besser im beheizten (!) Dusch- und Toilettencontainer tun, der ebenfalls in das Iglootel eingebaut ist. Dort sollte man anschließend auch seine ganzen Klamotten lagern. Denn alles, was in den Schlafiglus oder draußen neben den Hot Tubs liegen bleibt, wird nicht nur unglaublich kalt, sondern friert ein!

Was bleibt, wenn zwei Mädels im Iglootel in den Hot Tub wollen: zwei Kubikmeter Klamotten

Doch wie schafft man es anschließend wieder nass und im Bademantel von Hot Tub und Sauna zur Bar, um Nachschub zu holen oder ins Schlafiglu, ohne unterwegs irgendwo festzufrieren?

Denn in den runden Gängen des Iglootel sieht es irgendwie überall gleich aus und verlaufen ist gefährlich kalt…

Hilfe, hier sieht’s überall gleich aus…

Tipp Nr. 4: Die richtige Orientierung

Hier ist die richtige Vorbereitung entscheidend. Bei der Rezeption gleich am Eingang solltet Ihr zuvor den in die Wand eingelassenen Lageplan des Iglootels studiert haben. Die Iglus sind nämlich nicht etwa freistehend, sondern bilden einen großen, mit Gängen verbundenen Komplex, der so aussieht:

Im Eis verewigt: Der Lageplan des Iglootel im Winter 2012/2013

Auch die Schlafiglus waren nicht etwa nummeriert, sondern mit samischen Symbolen (Elch, Jäger etc.) markiert. Hier half bei mir nur noch Abfotografieren mit dem Handy.

Da das Iglootel vergänglich ist, wird es nächste Saison wieder anders aussehen, umso wichtiger ist es, sich zu einem früheren (und nüchterneren) Zeitpunkt erst einmal Orientierung zu verschaffen, bevor man später in Pantöffelchen und Bikini und Bademantel durch die eisigen Gänge irrt.

Beherzigt Ihr diesen Tipp, seid Ihr auch beim nächsten Punkt im Vorteil: Am Ende möglichst schnell von der Sauna ins Schlafiglu und den wärmenden Schlafsack kommen.

Tipp Nr. 5: Die Sache mit dem Schlafsack

Geschlafen wird in den Schlafiglus, in denen bis zu sechs Personen Platz finden, genauer gesagt auf einem Holzpodest mit Matratzen und Rentierfellen drauf. Das sieht eigentlich ganz gemütlich aus:

Jeder Gast bekommt einen Polarschlafsack mit einem wärmenden Fleece-Inlet gestellt. Für den optimalen Schlafkomfort empfehlen die Iglootel-Mitarbeiter folgendes Vorgehen: Sich kurz vor dem Schlafengehen in der Sauna nochmal kräftig aufwärmen, dann schnell rüberrennen zum Schlafiglu und möglichst unbekleidet (!) in den Schlafsack einmummeln. Polarschlafsäcke funktionieren nämlich über Körperwärme. Gesagt, getan!

Wie die Nacht war, fragt ihr? Ganz ehrlich: schon ziemlich kalt! Das mit der Körperwärme im Schlafsack hat bei mir nämlich irgendwie nicht so richtig funktioniert und über kurz oder lang klapperten meine Zähne so laut, dass meine Iglu-Mitbewohner davon aufwachten und ich doch wieder alles anziehen gehen musste. (Ok, vielleicht hätte ich nicht mit einem noch nassen Bikini und feuchten Haaren ohne Mütze schlafen gehen sollen). Merke fürs nächste Mal: Eine zweite Mütze zum Schlafen mitnehmen (meine ist leider beim Hot Tub festgefroren) und vor dem Schlafengehen nochmal umziehen in warm gelagerte und trockene Klamotten. Und eine Wärmflasche wär beim nächsten Mal auch nicht so schlecht…;-)

Nach einer zugegeben äußerst kurzen Nacht entlässt uns das Iglootel am nächsten Tag in die gleißende Morgensonne.

Ich bin froh, endlich wieder richtig aufzutauen, muss jedoch sagen: Es war zwar kalt und ich konnte nicht wirklich gut schlafen, aber es war auch sehr spaßig. Das Erlebnis war es jedenfalls wert und ich würde es wieder tun!

Infos

Das Iglootel befindet sich in Abborrträsk in Schwedisch Lappland, ca. eine halbe Stunde von der Stadt Arvidsjaur entfernt und ca. 100 km südlich des Polarkreises. Hin kommt man am besten mit dem Flugzeug – entweder über Stockholm nach Arvidsjaur oder direkt mit FlyCar (ich bin ab Stuttgart geflogen).

Das Iglootel ist nur im Winter geöffnet und wird jedes Jahr im Herbst wieder neu aufgebaut. Übernachtungen mit Frühstück gibt es ab 125 Euro, man kann aber auch nur Führungen machen (Kosten 15,50 Euro pro Person) oder nur für einen Abend zum Käsefondue vorbeikommen. Mehr Infos unter www.iglootel.de.

Mehr über Schwedisch Lappland im Winter:

Würdet Ihr im Iglootel übernachten?

Hinweis: Vielen Dank an singlereisen.de, die mich auf diese Reise eingeladen haben, und an die Mitarbeiter von Iglootel und FlyCar für das tolle Erlebnis!

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4 Kommentare

  • Das ist ja cool! Das würde ich ja gerne mal ausprobieren. Nur ganz schön weit weg 🙁 Deine Seite gefällt mir übrigens super. Bin gerade über Twitter drauf gestoßen!
    Schöne Grüße Lena

    • Susi sagt:

      Danke Lena! Ich würde das auch gern nochmal machen – nur leider gibt es in diesem Winter gar kein Iglootel! Ich hoffe aber, dass es nächste Saison wieder aufgebaut wird.

  • Das klingt sehr geil. Gut, frieren ist nicht so doll, aber da hilft dann wärmere Kleidung. Ich war kürzlich in Finnisch-Lappland. Das ist schon ein unglaublich schöne Landschaft dort oben. Polarlichter haben wir leider nicht gesehen. Da bin ich gewaltig neidisch auf dich. Ich muss da auf jeden Fall nochmal hin!

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