Unterwegs im Outback, Teil 2 – Uluru (Ayers Rock)

Schon von Weitem sehen wir ihn aus der flachen Wüstenebene des australischen Outbacks aufragen. Riesig, rot und irgendwie unnatürlich. Als wäre das Teil aus dem Weltall heruntergefallen und rein zufällig hier gelandet. Die Rede ist von Uluru, auch bekannt als Ayers Rock, der Mutter aller Felsen. Schon tausendmal gesehen und trotzdem möchte man eines Tages selbst vor dem riesigen Felsmonolith stehen und das ganze Ausmaß mit eigenen Augen erfassen.

Dafür haben wir uns nach dem Roadtrip über Coober Pedy heute morgen mal wieder um 5 aus den wackeligen Hostelbetten gequält und sind losgefahren, immer nach Westen. Denn der Uluru ist nochmal ganze 450km von der nächstgrößeren (und einzigen) Stadt der gesamten Gegend entfernt: Alice Springs. Für Australier vermutlich ein Katzensprung (von Alice Springs gibt es sogar Tagestouren (!) zum Uluru), für uns Europäer schon ne halbe Weltreise.

Die Fahrt hinaus zum Uluru und rein ins Outback ist alles andere als langweilig, was nicht nur an unserer Tourgruppe liegt. Die Landschaft verändert sich – mal wird das Outback verdächtig grün mit Bäumen, Gras und Büschen, mal sehen wir Wüstensand und einen riesigen Salzsee. Neben der Straße entdecken wir wilde Ponys, Adler, die sich über ein totes Känguru hermachen und wilde Kamele (früher wurde das Outback von Kamelkarawanen versorgt. Dann ließ man die Viecher frei – jetzt gibt es dort ein paar Millionen). Unser Guide Jason verspricht jedenfalls schon mal Kamelburger. 😉

Es soll schon zu Verwechslungen gekommen sein: Mount Conner, auf dem Weg zum Uluru

Am frühen Nachmittg sehen wir den Koloss schon von Weitem. Wir checken noch schnell auf einem Campingplatz in der Nähe des Uluru ein, bevor es endlich losgeht. Eine Straße umrundet den Uluru und auf mehreren Fußwegen kommt man ganz nah ran an den Fels.

Eigentlich war für heute Nachmittag der “Base Walk” (einmal rund um den Uluru rum) geplant, doch als wir in der glühenden Hitze aussteigen, erfahren wir, dass der Rundweg aufgrund der extremen Hitze geschlossen ist, ebenso der Aufstieg auf den Fels. Wir können allerdings mehrere kürzere Teilstücke des Base Walks gehen, und so entdecken wir kleine überhängende Höhlen, die von den Aborigines für Initiationsriten genutzt wurden und Felszeichnungen.

Erstaunlich: Aus der Nähe wirkt er gar nicht mehr so glatt und gleichmäßig. Er ist zerklüftet, hat Höhlen und Rillen, Täler und Kurven. Es gibt sogar Wasserquellen am Fuß des Uluru!

Wir lernen, dass der Fels auch deshalb so rot ist, weil sich die rote Erde ringsum auf ihm absetzt. Und dass sich die heiligen Stätten der Anangu, des örtlichen Aborigines-Volks, rings um den Berg herum befinden und an dessen Fuß, und dass wir deshalb an viele Stellen gar nicht hindürfen. Bei anderen darf man zwar in die Nähe, aber nicht fotografieren.

Ich lerne Geschichten wie die des Mala-Volks, die zum Uluru kamen, um eine heilige Zeremonie durchzuführen, vom Höllenhund Kurpany angegriffen und von der Eisvogelfrau Luurnpa (teilweise) gerettet wurden.

So spannend das alles ist – die Hitze ist einfach mörderisch. Um die 45 Grad, kein Schatten – und die Steine heizen alles noch mehr auf. Wir trinken literweise lauwarmes Leitungswasser vom Campingplatz, jeder von uns muss bei jedem Walk immer zwei 1,5L-Flaschen dabei haben. Dummerweise bin ich auch noch erkältet und mein Kopf ist schon jetzt kurz vorm Zerspringen. Ich bin froh, als wir zum Campingplatz zurückkehren, wo es eine überdachte Stelle gibt (und einen Pool!). Hier können wir uns ein bisschen erholen, bevor es zurück zum Uluru geht: Wir wollen den Sonnenuntergang sehen!

Bewaffnet mit Sekt, Bier, dem Abendessen und unseren Kameras (und einem frischen Tank voller Wasser) machen wir uns auf den Weg zum offiziellen Sonnenuntergangsplatz. Glücklicherweise gibt es außer uns kaum noch andere Verrückte, die sich um diese Jahreszeit zum Uluru verirren.

Trotzdem macht uns an diesem Abend das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Es ist bewölkt und der Traum-Sonnenuntergang findet einfach nicht statt, der Uluru verschwindet im Zwielicht, ohne sich feuerrot anstrahlen zu lassen. Schade, denke ich mir, aber nach meinem Pech mit Sonnenauf- und -untergängen in Bagan (Myanmar) habe ich beschlossen, mich über sowas nicht mehr aufzuregen.

Viel spannender ist eigentlich die Frage, wir und wo wir anschließend schlafen! Es ist nämlich viel zu heiß für Zelte, und unter freiem Himmel übernachten macht hier in der Wüste ja auch viel mehr Spaß. Deshalb besteht unser “Schlafsaal” auf dem Campingplatz eigentlich auch nur aus einem Platz roter Erde, der zumindest vom dichtesten Busch befreit wurde. Hier biwakiert man dann einfach, und zwar in einem zünftigen australischen “Swag”.

Ein Swag ist ein Biwaksack mit einer dünnen Schlafunterlage drin, einem Schlafsack und einem Kissen. Platz aussuchen, ausrollen, fertig. Nach Gebrauch zumachen, zusammenrollen, einladen. Eigentlich super, so ein Swag!

Und wenn man damit wie wir im australischen Busch nächtigt, ist auch noch ein bisschen Nervenkitzel geboten: Neben Dingos (Wildhunden) und Skorpionen gibt es hier nämlich giftige Brown Snakes, deren Biss tödlich ist. Aber hey, “no worries”! Jason versichert uns, dass es extrem selten ist, dass eine Brown Snake zu einem in den Swag kriecht. Für den ‘äußerst unwahrscheinlichen Fall’ sollen wir still liegen bleiben und uns möglichst nicht bewegen (auf keinen Fall panisch aufspringen) und nach ihm rufen. Ahh…ja.

Gestatten: The Swag.

Ein bisschen unheimlich ist mir ja schon, als ich später im Dunkeln bewaffnet mit meinem Swag lostigere. Zumal wir alle wegen der Hitze noch nicht mal im Swag drinliegen, sondern einfach lose oben drauf, aber es fühlt sich abenteuerlich an. Und deswegen sind wir ja hier.

Wie es weiterging? Ich bin tatsächlich sofort eingeschlafen. Ob eine Brown Snake um uns herum kroch? Will ich lieber nicht so genau wissen. Am nächsten Morgen wurden in einem Busch neben uns jedenfalls Schlangen gesichtet – glücklicherweise zu klein für Brown Snakes.

Und als Jason uns nach einer (mal wieder) viel zu kurzen Nacht um vier Uhr morgens weckt, wache ich unter einem der genialsten Sternenhimmel auf, den ich je gesehen habe.

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