Von Luang Prabang über den Mekong und weiter in den Dschungel

„Wie navigiert der Bootsmann eigentlich? Woher weiß der denn, wann Sandbänke und Felsen kommen?“, frage ich Yang, unseren Guide. Ehrlich gesagt hatte ich mir davor gar keine Gedanken darüber gemacht. „Das hat er von seinem Vater gelernt, der war auch Bootsmann und hat ihm alles beigebracht“, erklärt Yang. „Er kennt den ganzen Fluss, und merkt sich das Ufer und die Inseln. Er weiß immer, wo die Felsen unter Wasser sind und wo er fahren muss!“

Ich bin beeindruckt. Denn wir befinden uns nicht etwa auf einem kleinen Flüsschen, sondern auf dem Mekong! Im Norden von Laos, ganz in der Nähe von Luang Prabang, wo wir heute morgen losgefahren sind. Der Mekong ist hier zwar nicht so breit wie im Süden, aber umso tückischer, da der Wasserspiegel nach der Regenzeit ziemlich gesunken ist und überall Untiefen und Felsen lauern. Doch unser Bootsmann kennt den Fluss wie seine Reis-Box aus Bambus (die asiatische Variante der Tupperschüssel) und navigiert uns langsam tuckernd aber sicher stromaufwärts.

Unser Ziel sind die Buddha-Höhlen von Pak Ou, ungefähr zwei Stunden weiter nördlich. Kein Problem, denn so eine Ausfahrt auf dem Mekong macht echt Spaß! Die Sonne scheint und die Landschaft ist wunderschön: Berge und Dschungel so weit das Auge reicht. Ab und zu kleine Dörfer und einzelne Bambushütten. Inselchen mit Sandstränden. Fischer in kleinen Holzbarken, ein Boot mit Mönchen – leicht zu erkennen an ihren leuchtend orangefarbenen Kutten. Kinder, die im Wasser planschen. Und dann wieder: nichts! Nur Berge und Dschungel.

Strandkühe! Kann Euch leider nicht sagen, was es damit auf sich hat…

Während der ganzen Fahrt unterhalten wir uns angeregt mit unserem laotischen Guide. Auf deutsch. Yang hat nämlich in den 80ern in Ostberlin studiert und z.B. den Mauerfall live miterlebt (im Gegensatz zu uns).

Natürlich quetschen wir ihn auch über Land und Leute in Laos aus – bis das Boot auf einmal in einem kleinen Dorf anlegt. „Sind das die Buddhahöhlen?“ „Nein, das ist Mekong Whisky!“

Gut, dass wir eigentlich gar nicht gefrühstückt haben… Statt Frühstück gibt’s jetzt nämlich erst mal einen Reis-Whisky – gebraut von den Dorfbewohnern. „Trinkt man VOR dem Essen in Laos!“, erklärt Yang. Na dann, Prost!

Und der schmeckt erstaunlich gut! Wir nehmen gleich mal ein paar Fläschchen mit. Es gibt sogar mehrere Sorten – je nach Reissorte. Auch Reiswein und Schnaps mit eingelegten Skorpionen und Schlangen drin (den dürfen wir aber nicht probieren. „Ist Medizin!“). Danach werden wir durch das Dorf geschleust, das vom Tourismus lebt. „Wenn Ihr Stoffe und Souvenirs kaufen wollt, geht lieber auf den Hmong Night Market nach Luang Prabang. Ist günstiger!“, empfiehlt Yang.

Gestärkt vom Reiswhisky steigen wir wieder ins Boot und erreichen kurze Zeit später die Buddhahöhlen von Pak Ou. Das sind zwei natürliche Höhlen im Kalksteinufer des Mekong. Seit Jahrhunderten werden sie schon als Tempel genutzt. Hört sich für mich jedenfalls spannend an!

Die untere Höhle ist voller gespendeter Buddhastatuen (ich glaub ich hab noch nie so viele auf einem Haufen gesehen) – aber leider auch voller Touristen.

Nein, das sind nicht die Köpfe von Buddhafiguren, sondern Touristen!

Ganz anders die obere Höhle: Ein uraltes Portal führt in den Fels hinein. Außer uns hat kaum einer der anderen Touristen den steilen Weg dorthin genommen. Alte, teilweise kopflose (!) Buddhastatuen finden in Nischen und Plattformen ihre letzte Ruhe. Manche entdecken wir erst im gruseligen Schein der Taschenlampe.

„Speak, friend, and enter“?

Nach einem Mittagessen mit Panoramaaussicht auf der gegenüberliegenden Seite des Mekong fahren wir wieder zurück nach Luang Prabang, wo wir in einen Minivan umsteigen. Jetzt kommt der zweite Teil der Tour – die ‚Landpartie‘. Vorbei an Dörfern und Reisfeldern geht’s jetzt in den Dschungel! Genauer gesagt zu einem weiteren beliebten Ziel in der Umgebung von Luang Prabang: den Kuang Si Wasserfällen.

Gut ausgebaute Wege und Holzstege führen die Besucher vom Parkplatz aus in den Wald. Es geht immer leicht bergauf. Total durchnässte Backpacker kommen uns entgegen und durch die Bäume sehen wir auf einmal einen türkisfarbenen Teich. Das Wasser fließt hier nämlich in Kaskaden über Kalksteinfelsen und durch flache Becken. In einigen kann man sogar baden und sich an einem Seil hineinschwingen. Mich persönlich hat das zwar nicht so gereizt (das war mir alles irgendwie zu touristisch und ausgebaut), sah aber für die Badenden nach einer Gaudi aus.

Ganz oben steht man dann auf einer Brücke vor einem 60m hohen Wasserfall, der von hohen Dschungelbäumen eingerahmt ist. Hübsch! Meine Highlight des Tages bleiben aber trotzdem die Fahrt auf dem Mekong, unser toller Guide Yang und die unheimliche obere Buddhahöhle! 😉

Disclaimer: Ich wurde von GetYourGuide auf den Ausflug eingeladen. Alle Ansichten bleiben meine eigenen.

Wart Ihr schon mal in Laos? Welche Touren habt Ihr gemacht?

 

 

 

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4 Kommentare

  • Oli sagt:

    Ja, zwei Stunden auf diesen Slowboats sind super. Aber früher – vor etwa 13 Jahren, als ich das erste Mal in Laos war und als die Strassen noch reine Schlammpisten waren – musste man oft lange Strecken auf diesen Booten verbringen. Ich war einmal zwei Tage unentwegt auf diesen Schiffen, weil der Bus noch länger gebraucht hätte. Wir hatten zwar eine super Stimmung an Bord mit den Einheimischen. Aber so wirklich gemütlich war das nicht. 🙂

    • Susi sagt:

      Das kann ich mir vorstellen! Auch heute braucht man ja mit dem Bus ewig in Laos von A nach B (kann davon ein Lied singen, sind mit dem Bus von Chiang Rai bis Luang Prabang), da war der Fluss stellenweise echt verlockender…

  • Na ja, in Laos fährt der Bus oder Pick-up ja auch erst, wenn man nicht mehr bequem sitzen kann.
    Wir wollten mal einen freien Sitzplatz bezahlen, damit wir endlich fahren können und bequem sitzen – aber das haben die nicht so ganz verstanden. Erst als ein weiterer Gast den Platz eingenommen hatte, wurde gefahren (und der hatte auch noch Hühner dabei), also wieder unbequem.
    In Laos gilt „Solange man bequem sitzen kann, ist das Fahrzeug nicht voll“.

    • Susi sagt:

      Haha und oh je – ja, die Busfahrten waren tatsächlich sehr abenteuerlich! Aber dadurch eben auch ein Erlebnis (wenn auch nicht sonderlich bequem…) Danke für eure Einschätzung, das ist jedenfalls sehr gut zu wissen!

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