Reisepannen: Wie man indonesische Taxifahrer glücklich macht

Einer der Gründe, warum ich gerne reise ist, dass man unterwegs unglaublich viel lernt. Zum Beispiel Feilschen. In Südostasien handelt man jeden Tag Preise für Taxis, Tuk-Tuks und andere Transportmittel aus, aber auch für Waren aller Art – von der Dose Cola über Mitbringsel und manchmal sogar für Unterkünfte.

Mittlerweile hab ich das glaube ich schon ganz gut drauf und so war ich natürlich überhaupt nicht bereit, auf Bali mehrfach überteuerte Taxipreise zu bezahlen – wichtige Grundregel beim Feilschen: Kenne immer den ortsüblichen Preis für etwas!

“I can take you there for 50.000!”, sagt der Taxifahrer. Gemeint sind indonesische Rupien, ca. 4 Euro. Peanuts, ich weiß, aber das Taxameter (seltener Anblick in Südostasien) hatte beim Hinweg weniger als 10.000 angezeigt. Ich war also fest entschlossen, auf gar keinen Fall den fünffachen Preis zu zahlen. Ich: “That’s too much! It’s only 5 minutes!! It was less than 10.000 on the meter on our way here!” Taxifahrer: “40.000!” Ich: “20.000!” Taxifahrer (scheinbar entsetzt): “20.000!? Noooo no no. 40.000!!”

Mir wird’s zu blöd und ich wende Plan B an: Walk away. Direkt zur Konkurrenz. Dort geht das Spiel munter weiter, bis einer der Taxifahrer uns endlich zum (für ihn immer noch guten) Preis von 20.000 Rupien mitnimmt.

Stolz wie Oskar sitz ich im Taxi – ich war informiert, habe erfolgreich runtergehandelt, und der Preis ist für beide Seiten immer noch gut. Feilschen üben? Check.

Zwei Stunden später Kassensturz im Hotelzimmer. Eigentlich müssten wir doch noch viel mehr Rupien haben?! Wir rechnen hin und her, alle Ausgaben der letzten beiden Tage, zählen mehrmals die Rupien durch – es fehlen genau (!) 400.000, ansonsten ist alles da. Es war auch offensichtlich niemand an meiner Tasche…Was ist also passiert?

Als wir uns die Scheine nochmal genauer anschauen, dämmert es uns: Ich habe dem Taxifahrer statt zwei 10.000er-Scheinen zwei 100.000er-Scheine gegeben!!

Das sind sie: meine ‘Lieblingsscheine’

Die 10.000er-Scheine gibt es nämlich auch in rosa – wie die 100.000er (und ich muss zu meiner Verteidigung hinzufügen: es war bereits dunkel). Nichtsdestotrotz komme ich mir unglaublich dumm vor und will auf der Stelle im Boden versinken. Erst die Taxifahrer hart runterhandeln und dann mit dem Zehnfachen um mich werfen (‘man hat’s ja’) –  wie peinlich!

Der Taxifahrer hat wohlweislich mal nichts gesagt und sich hoffentlich gefreut. Und über die dumme Touristin amüsiert ;-).

Das wären die richtigen gewesen (die gibt’s gemeinerweise auch in rosa)

Aber damit nicht genug: Es ist mir offensichtlich nicht nur einmal passiert, sondern zweimal!!! (Und danach beinahe nochmal – mit einem 50.000er statt einem 5.000er-Schein – dank der freundlichen Verkäuferin, die mich darauf hinwies, hab ich’s grade noch gemerkt….)

Mit 100.000ern um mich werfen – kein Problem!

Und so habe ich unterwegs wieder etwas gelernt – über mich selbst: Ich kann einfach nicht mit hohen Währungen umgehen. Eine Million im Geldbeutel zu haben überfordert mich. Das Lehrgeld hab ich bezahlt (im wahrsten Sinne des Wortes), und jetzt stell ich mir einfach vor, wie die beiden Taxifahrer nach Feierabend glücklich nach Hause zu Ihren Frauen kamen. „Schatz, Du glaubst nicht, was mir heute passiert ist…! :-)“

Welche peinlichen Sachen sind Euch auf Reisen schon passiert? Was habt Ihr unterwegs gelernt?

30 Comments

  • Christina says:

    Erinnert mich an die Euroeinführung… Da konnte ich das Geld nicht auseinander halten und hab dem Pizzamann 13 Euro Trinkgeld gegeben. Der sagte nicht mal danke, hat es vielleicht selbst nicht geschnallt. 🙂

  • Manuela says:

    Hehe, der Taxifahrer lacht sich noch ins Fäustchen 🙂
    Aber solange man über sich selbst lachen kann ist ja alles gut..
    Diese hohen Währungen sind einfach nicht normal!

    LG

    • Susi says:

      Danke! Ich würde die Taxifahrer im Nachhinein gern interviewen, was sie gedacht haben und ob ihnen das öfter passiert (und ob sie sich was Schönes gegönnt haben von dem Geld ;-))

  • Jana says:

    Haha ich könnt mich echt kaputtlachen. Ich bin sooo froh, dass es nicht nur mir so ging!! Entweder nen 10.000 statt dem 100.000 in die Hand gedrückt oder eben andersrum. Ich konnte mich da auch nieee dran gewöhnen. Ob ich nicht auch den ein oder anderen unwissentlich beschenkt habe, weiß ich nicht 😀 Diese blöden großen Währungen….
    Liebe Grüße, Jana

    • Susi says:

      Danke Jana, haha, Du hast bestimmt auch den ein oder anderen Taxifahrer oder Verkäufer (unwissentlich) glücklich gemacht 🙂 Ich frag mich jetzt allerdings, wie das in Laos werden soll, die haben auch so ne große Währung 😉 Ich berichte dann…

  • Manolo says:

    hellas sheldor!

    haha geile story! tschja so hält man die wirtschaft eines landes auch in schwung!
    da wir ( schornis ) auch täglich mit geld zu tun haben und da wohl schon angenommen wird das wir uns ab und zu selbst übers ohr hauen können wir bei der lohnsteuererklärung sogar einen kleinen “freibetrag” angeben um solche unkosten auszugleichen. dreht sich nur um ein paar euro, find ich aber ganz nützlich ;o))
    du solltest dich mal erkundigen, ob es sowas in der art auch für kleine naive touris gibt hehe…

    bg
    manolo

    • Susi says:

      Haha, danke, dann geb ich einfach in meiner nächsten Steuererklärung einen Freibetrag für “maximale Währungskonfusion, insbesondere im Umgang mit Rupien, Baht, Kip, Ringgit und ähnlichen Fremdwährungen” an 😉 Mal schauen, ob das durchgeht ;-))

  • Marlis says:

    *g* ich glaube so etwas passiert dauernd. Also mein Dad hat auch schon versehentlich sehr großzügig “bakschisch” in Ägypten verteilt…
    und was ich bin sehr froh, dass man hier alles mit der Plastikkarte bezahlt, da muss man definitiv weniger denken.

    • Susi says:

      *lach* Echt? Ganz genau, ich zahle nämlich sonst immer alles was geht mit Karte, das ist echt am sichersten für mich – nur leider geht das hier gar nicht 😉 Aber gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin!!

  • Thomas says:

    In Prager Wechselstuben hängen zwei Listen mit Wechselkursen aus – die offiziellen außen gut sichtbar, die der Wechselstube innen, wo sie kein Mensch sieht. Da die Nasen kein Wort Englisch sprechen (wollen), drückt man ihnen einfach 100€ in die Hand und erwartet einheimische Währung entsprechend des sichtbaren Wechselkurses, bekommt aber nur einen Bruchteil davon. Auf ungläubige Blicke wird dann mit einem Finger auf die Wechselkurse im dunkelsten Eck des Kabuffs gezeigt. Und da die Herrschaften ja kein Englisch sprechen (wollen) und hinter Gittern und Glas hocken, kann man nix mehr machen außer fluchen. So war es vor einigen Jahren – ich weiß nicht, ob es immer noch so läuft.

    Große Währungen finde ich gar nicht so verkehrt, andersrum ist schlimmer – britische Pfund machen einen z.B. immer depressiv, weil man da irgendwie immer so wenig Geld hat. Zu D-Mark-Zeiten war das noch schlimmer.

    Der Typ auf den 10000er Scheinen sieht übrigens ulkig aus. Könnte in Fluch der Karibik mitspielen, als Südsee-Pirat

    • Susi says:

      Danke für Deinen Kommentar! Lustig, in Bali haben wir bei National Geographic TV eine Sendung über Tourist Scams genau zu dem Thema Prag und Wechselstuben dort gesehen 😉 In meinem Fall kann ich dem Taxifahrer aber eigentlich nichts vorwerfen – bin ja nicht abgezockt worden, sondern war selber schuld, dass ich ihm so viel Geld geschenkt hab 😉 Der ‘Pirat’ auf dem 10.000er ist übrigens ein indonesischer Sultan!

      • Thomas says:

        Sympathischer junger Mann!

        In Prag scheint das verbreitet zu sein, ich hab’ schon einige Stories dazu gehört. Ein Glück, dass wir nur einen Tag da waren und dementsprechend nur wenig Geld wechseln wollten. Wenn das mit großen Summen passiert… gut, dass der größte indonesische Schein keine 10€ wert ist! Noch ein Vorteil seltsam großer Währungen! 🙂

        • Susi says:

          Da hast Du Recht – letztendlich waren die 400.000 Rupiah zum Glück ja gar nicht so viel Geld! Ich wär nur am Liebsten im Boden versunken, im Nachhinein lach ich natürlich drüber, ist ja nichts Schlimmes passiert 😉

  • Oli says:

    Besonders interessant finde ich es, wenn zu den vielen Nullen noch kleine Denominationen hinzukommen. Ich kann mich erinnern, als ich 2001 das erste Mal in Laos war. Damals waren 5000 Kip der grösste Geldschein – umgerechnet ziemlich genau ein Schweizer Franken. Das war dann in der Folge auch oft etwas absurd bei der Preisgestaltung: Ein Hotel? 5000 Kip! Eine Essen? 5000 Kip! Eine Beer Lao? 5000 Kip! Eine Busfahrt? 5000 Kip! Nur das Toilettenpapier war etwas günstiger: 1000 Kip.

  • Jonny says:

    Hahaha, sehr geil 😉

    Jeden Tag ne Million abheben, also ich könnt mich daran gewöhnen.

    Cheerz
    lookinforjonny.de

    • Susi says:

      Haha, also das wär desaströs für mich 😉 Nächste Woche wartet schon die nächste Challenge: laotische Kip! Bin mal gespannt, was da passiert…

  • Daniel says:

    Ja.. das sind solche lustigen Urlaubsgeschichten, die man nie vergessen wird. Und auch der Taxifahrer ist glücklich 😀
    Beste Grüße,
    Daniel

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