Einmal im Leben: Die Felsenstadt Petra

Angkor Wat, Macchu Picchu, Taj Mahal… Es gibt sie, diese Orte, die eine magische Faszination ausüben. Die man einmal im Leben gesehen haben will. Für mich war die Felsenstadt Petra immer so ein Ort. Als Kind der 80er angefixt durch popkulturelle Referenzen („Indiana Jones and The Last Crusade“, „Tim und Struppi“) wollte auch ich mich einmal im Leben wie eine Abenteurerin fühlen und die legendäre verlassene Felsenstadt in der Wüste Jordaniens entdecken. Im April diesen Jahres war es endlich soweit.

Was mich in Petra erwartet hat?

Es ist noch früh am Morgen, als wir den Eingang der schmalen Schlucht erreichen, den „Siq“. Diese nur wenige Meter breite und gut versteckte Felsspalte mit den steil aufragenden roten Felswänden ist der Eingang zur legendären Felsenstadt Petra, in der Antike die Hauptstadt der Nabatäer und wichtiger Karawanenhandelsplatz. Jahrhundertelang in Vergessenheit geraten, wurde sie erst vor 200 Jahren wieder entdeckt – von einem Schweizer – der genau den gleichen Weg genommen hatte wie wir jetzt.

An den Wänden des Siq bestaunen wir die Überreste der nabatäischen Wasserleitungen, entdecken kleine Nischen für Götterfiguren und stolpern über die noch erhaltenen Original-Pflastersteine. Über einen Kilometer folgen wir der engen, gewundenen Schlucht, die kein Ende zu nehmen scheint. Nach einer weiteren Biegung dann plötzlich dieser Anblick – tausend Mal auf Bildern gesehen, aber in Echt dennoch überwältigend:

So abrupt der Siq aufhört, so abrupt findet man sich auf einem von hohen Felsen eingerahmten Platz vor dem berühmtesten aller Gebäude Petras wieder: dem „Khazne Faraun“ oder „Schatzhaus des Pharao“. Welchem Zweck das Gebäude diente ist umstritten, ein Schatz wurde hier jedenfalls nicht gefunden. (Schade. Und auch kein Heiliger Gral. Man munkelt jedenfalls, es sei ein Grabtempel).

Von dort führt der Weg zwischen hohen Felswänden weiter in die eigentliche Stadt hinein, die in einem weiten Wüstental liegt. Ringsum an den Hügeln und Felswänden entdecken wir unzählige weitere in den Fels geschlagene Gebäude.

Die meisten sind übrigens Gräber. Je angesehener und ‚wichtiger‘ ein Bewohner, desto prunkvoller und größer die Gräber und deren Fassaden, und desto näher liegen sie am Schatzhaus. Skurril fand ich die zahlreichen kleinen Gräber oberhalb des Amphitheaters, die so genannte „Theaternekropole“. Als würden die Toten auf ihren ‚(Grab-)Logenplätzen‘ die Vorstellung mitverfolgen.

Geht man von hier aus weiter, gelangt man an der rechten Talseite zur besonders eindrucksvollen „Wand der Königsgräber“:

Man schätzt, dass bis zum heutigen Tag erst ca. 1 Prozent der antiken Stadt ausgegraben wurde. In Petra und den umliegenden Tälern und Bergen finden sich ca. 20.000 solcher Gräber. Teilweise sind die Fassaden vom Wüstenwind schon fast abgeschliffen, teilweise sind sie halb im Sand versunken. Wer die Standardroute durch Petra verlässt, auf einen der Berge steigt oder die seitlichen Täler betritt, entdeckt noch viel mehr dieser Stätten – und ist mit etwas Glück dort ganz allein!

Meist ist auch nichts abgesperrt, das heißt, man kann selbst entdecken und erkunden, was mir persönlich am Besten gefallen hat. (Am Vorabend „Die Mumie kehrt zurück“ schauen und dann allein und ohne Licht in eine der dunklen Kammern gehen ist allerdings keine gute Idee! 😉 )

In der Mitte des Tals führt der Weg neben Schutthaufen der ehemaligen Wohnquartiere über die Überreste einer Prachtstraße aus römischer Zeit, die zum ‚heiligen Bezirk‘ der Stadt mit Ruinen von Tempeln führt. Eine Rarität ist der riesige nabatäische Tempel „Quasr el Bint“, von dem noch die neun Stockwerke hohen Außenmauern erhalten sind (die man übrigens besteigen kann!).

Ganz am Ende des Tals wartet einer der Höhepunkte jeder Petra-Tour: Der Aufstieg zum so genannten „Monastery“ Ed Deir. Nehmt Euch dafür unbedingt Zeit! Denn wer sich in der Hitze den Berg hinaufquält (ca. 1h lang), wird nach einer letzten Biegung plötzlich mit dem folgenden Anblick belohnt:

Das Monastery ist noch größer und meiner Meinung nach noch eindrucksvoller als das Schatzhaus. Gegenüber, auf dem weiten Platz vor dem Gebäude, befindet sich ein schönes beduinisches Café, von dem man die Aussicht auf das Monastery perfekt genießen kann. (Die grüne Limonade mit der frischen Minze dort war übrigens das Erfrischendste, was ich je getrunken habe!) Hier oben befinden sich noch weitere Überreste von Grabtempeln, und Wege führen zu spektakulären Aussichtspunkten auf die angrenzenden Wadis und Israel in der Ferne.

Im Abendlicht, wenn die meisten Touristen bereits verschwunden sind und das Licht die Steine rot leuchten lässt, machen wir uns auf den langen Rückweg durch die alte Stadt und den Siq.

Zum Glück kommen wir morgen wieder! 😉

 

Tipps

Hinkommen: Flug nach Amman. Von dort ist Wadi Musa (der Ort am Eingang zu Petra) in wenigen Stunden mit dem Mietwagen (Alternative: Taxi mit Fahrer oder Tour) zu erreichen. Ich rate jedoch von einem Tagestrip von Amman ab (viel zu kurz und zu stressig!). Am Besten einen mehrtägigen Roadtrip mit dem Mietwagen über die alte King’s Road nach Wadi Musa planen. Die ist landschaftlich viel schöner als der Desert Highway und unterwegs gibt es viel zu besichtigen, z.B. die Kreuzfahrerburg Kerak.

Übernachten: In Wadi Musa gibt es unzählige Unterkünfte verschiedener Kategorien und Preisklassen, die online, z.B. über Hotelportale gebucht werden können. Außergewöhnlich: Taybet Zaman, ein Dorf aus dem 19. Jhd., das restauriert und zu einem Resort umgebaut wurde, oder das Ammarin Bedouin Camp (beide ca. 10 km von Petra entfernt). Wir haben uns dann doch für ein Mittelklasse-Hotel in Laufweite vom Petra-Eingang entschieden (Candles).

Tipps für Petra: Am Besten zwei Tage Zeit nehmen, um Petra richtig zu entdecken. Mal ganz früh morgens oder im Abendlicht dort sein, wenn nicht so viele Touristen da sind und das Licht am schönsten ist. Auf die Berge steigen: zum „Opferplatz“ und zurück durch ein einsames Tal, wo man weitere verlassene Tempel und Gräber entdeckt. Zum „Monastery“ mit der tollen Aussicht auf die umliegenden Wadis. Dreimal pro Woche findet zudem „Petra by Night“ statt, wo man im Kerzenlicht durch den Siq zum nur mit Kerzen erleuchteten Schatzhaus geführt wird.

Wart Ihr auch schon mal in Petra? Dann teilt Eure Tipps & Erfahrungen unten!

 

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16 Kommentare

  • Jana sagt:

    Ich bin beeindruckt! Petra muss echt der Wahnsinn sein, da muss ich unbedingt mal hin!
    Das sind wirklich unglaublich schöne Bilder! Mehr davon…
    Liebe Grüße, Jana

  • Manuela sagt:

    Petra spukt schon länger in meinen Gedanken herum. Einfach atemberaubend..
    Ich muss aber auch sagen, das Kloster sieht wirklich toll aus. Stell dir mal vor, du bist dieser Schweizer und dann entdeckst du sowas.
    April ist eine gute Jahreszeit?

    Liebe Grüße
    Manuela

    • Susi sagt:

      Hallo Manuela, ja, April ist super (generell Frühling oder Herbst, da sonst einfach zu heiß!). Im April ist Jordanien zudem verhältnismäßig grün und es blüht viel (im Norden und auf der Hochebene, in der Wüste ja nicht), als wir z.B. die römischen Ruinen von Jerash besichtigt haben, waren die Wiesen voller Blumen 🙂

  • Laura sagt:

    Wow, was für tolle Fotos!

    Die Stadt ist sicherlich überwältigend. Gerade bei Sonnenuntergang stell ich`s mir beeindruckend vor…

    • Susi sagt:

      Hallo Laura, danke!! Das stimmt, dehalb würde ich auch jedem empfehlen, morgens ganz früh zu kommen und/oder abends möglichst lange zu bleiben (nicht nur wegen dem Licht, sondern weil dann die Touri-Massen noch nicht da oder schon weg sind ;-))

  • Yvonne sagt:

    Hi Susi,

    so ein wenig hab ich mich in den Gedanken verliebt nächstes Jahr nach Jordanien zu reisen 🙂
    Darf ich mal fragen, wie sicher Du dich dort gefühlt hast?

    Lg Yvonne

    • Susi sagt:

      Sehr schön, mach das! Ich kann Jordanien sehr empfehlen – es ist klein, kompakt, aber voller Geschichte & Kultur & Natur auf engem Raum, die Menschen habe ich als sehr offen und freundlich erlebt. Ich hab mich jederzeit und immer sicher gefühlt! Ich muss allerdings dazusagen, dass ich nicht alleine, sondern mit meinem Freund unterwegs war, auf eigene Faust im Mietwagen (war super und ziemlich einfach! Kann ein eigenes Auto sehr empfehlen!). Ich habe schon oft gehört und gelesen, dass Jordanien auch für alleinreisende Frauen einfach und sicher zu bereisen ist.

      • Yvonne sagt:

        Super, danke für die schnelle Antwort!

        Ach, ich könnt jetzt schon los 🙂

        • Susi sagt:

          Winter bis Frühjahr ist die beste Reisezeit! 🙂 Ich war im April da, und im Norden und auf der zentralen Hochebene war es grün und überall blühten Blumen! Die religiösen Feiertage (Weihnachten, Ostern) sollte man aber eher vermeiden, da kommen viele Pilger-/religiöse Touristen.

  • Anna sagt:

    Oh, wie wunderschön das aussieht. Ich versuche schon lange, meinen Freund zu einer Reise in den Nahen Osten zu überreden. Er ist großer Indiana Jones-Fan, vielleicht schaffe ich es ja über die Schiene 😉

    • Susi sagt:

      Hey Anna, ja unbedingt! Zieht bei mir auch! Jordanien habe ich als sehr sicher empfunden und trotzdem kann man viel entdecken und sich abenteuerlich fühlen ;-). Nehmt unbedingt einen Mietwagen und fahrt selber rum!

  • Antje sagt:

    Petra hat mich auch total begeistert. Ich war allerdings in der wahrscheinlich heißesten Zeit, Ende Juli da. Da sind die Winter- oder Frühlingsmonate sicher besser geeignet.
    Es war wirklich glühend heiß, da es aber eine sehr trockene Hitze ist, habe ich es nicht als extrem unangenehm empfunden. Wichtig ist auf jeden Fall, sehr viel Wasser mitzunehmen, eine Kopfbedeckung und Sonnencreme 🙂

    • Susi sagt:

      Wow, im Juli – Respekt! Bei uns hatte es im April schon über 30 Grad! Aber Du hast Recht – die trockene Wüstenhitze verträgt man besser als so eine tropisch-schwüle Hitze, und im Sommer ist ja wg der Hitze auch eher Nebensaison, so dass vermutlich auch weniger los ist. Allerdings war es im April weiter im Norden und auf der Hochebene ziemlich grün und es gab überall Blumen, das fand ich schön!

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