Eine Nacht im Beduinenzelt

„You need more tea“, sagt der alte Mann, während er die große Metallkanne vorsichtig aus dem Feuer hebt und reihum die kleinen Teegläser auffüllt. „It is good for you. It’s our Bedouin Whisky!“ Die Männer ringsum brechen in schallendes Gelächter aus, während wir am gefühlten zwölften Glas des starken, süßen Tees nippen und abwechselnd an der Wasserpfeife ziehen. Was soll’s, denke ich mir, wenn ich heute Nacht nicht schlafen kann. Dann wandere ich einfach in der Wüste umher und schau mir die Sterne an.

Auch das Feuer wärmt und das ist gut so, denn jetzt, einige Zeit nach Sonnenuntergang, wird es in der Wüste erstaunlich kühl. Rafiq, der das Camp managt, erzählt von Gästen aus der ganzen Welt: „Nachher kommt eine Gruppe Christen aus Italien, die Ostern im Heiligen Land feiern. Außerdem haben wir noch eine Gruppe muslimischer Studenten aus Thailand zu Gast, die im hinteren Teil des Camps beten und feiern. So ist das in Jordanien.“

Drei Stunden früher. Wir wandern vom Camp aus zu Fuß ein Stück in die Wüste und steigen auf einen Felsen, um den Sonnenuntergang zu genießen. In der Ferne donnert ein Jeep durch den Wüstensand, vermutlich Beduinen mit Touristen. Ansonsten scheint es, als sei die Zeit stillgestanden.

Wadi Rum, auch bekannt als „Tal des Mondes“, ist das bekannteste Wüstental Jordaniens und Welterbe der UNESCO. Massive Sandstein- und Granitfelsen ragen wie Berge aus dem Sand empor. Seit prähistorischer Zeit haben verschiedene Kulturen Überreste von Felszeichnungen und Tempeln hinterlassen. Eine wichtige Karawanenroute und die Pilgerroute nach Mekka führten früher durchs Wadi Rum. Lawrence von Arabien war hier stationiert, auch der berühmte Film wurde hier gedreht. Heute leben mehrere Hundert Beduinen hier, die einen semi-nomadischen Lebensstil pflegen und Besucher durch das Tal führen.

Unser Lager, das Captain’s Camp, ist kein ‚klassisches‘, mobiles Beduinencamp. Daher ist es auch vergleichsweise groß und komfortabel. Man übernachtet in schwarz-weiß gestreiften Zelten aus Ziegenhaar, in richtigen Klappbetten. Das Camp ist sehr schön angelegt, und es gibt sogar ein Zelt mit Toiletten und Duschen. Abends nach Sonnenuntergang wird ein sehr leckeres, traditionelles Essen mit gegrilltem Fleisch, frischem Fladenbrot, Couscous, Reis, Gemüse und Salaten zubereitet. Danach sitzt man mit den anderen Gästen und Beduinen zusammen oder geht Sterne schauen außerhalb des Camps und genießt die Stille und Weite der Wüste.

Oder man trinkt einfach noch einen „Bedouin Whisky“.

 

Hinkommen: Das Wadi Rum liegt ganz im Süden Jordaniens, ca. 60 km östlich von Aqaba. Am Besten mit dem Mietwagen hinfahren oder vorher eine Tour buchen. Wer mit dem Mietwagen ankommt, hält am Wadi Rum Visitor Center, dem Eingang zum Naturreservat, und bucht direkt bei den Beduinen die gewünschten Wüstentouren mit Jeep oder Kamel.

Übernachten: Unbedingt im Beduinencamp! Entweder in größeren, komfortableren Camps wie dem Captain’s Camp in der Nähe von Diseh oder in kleineren, ‚ursprünglicheren‘ Camps innerhalb des Naturreservats, die vom Visitor Center aus gebucht werden können (werde ich beim nächsten Mal machen!). Von ersteren ist das Captain’s meiner Meinung nach am schönsten.

Aktivitäten: Wüstentouren mit Allradfahrzeugen zu Sanddünen, Bergen, Felsbrücken, Felszeichnungen, Ruinen von nabatäischen Tempeln. Kamelritte (bis zu mehrtägigen Kamelsafaris), Wandern und Felsklettern. Einen Bericht über eine Ballonfahrt über dem Wadi findet Ihr hier.

Weitere Infos zum Wadi Rum gibt es bei VisitJordan und hier.

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