Ein Wander-Wochenende im Montafon

Wer wie ich als Kind von Bergsteigereltern aufwächst, braucht irgendwann einfach mal Abstand von den Alpen und den ständigen Wanderurlauben. So circa 15 Jahre. Mindestens! Umso erstaunter war ich, als ich diesen Sommer nach ca. zehn Jahren Alpenwander-Abstinenz auf einmal wieder Lust bekam, mit Freunden ein Wander-Wochenende auf einer Hütte in Österreich zu verbringen. Und mir seitdem auch noch gut vorstellen kann, das Ganze bald zu wiederholen! Was war passiert?

Antwort: Ein Bilderbuch-Wochenende im Montafon.

Los ging’s am Parkplatz des Vermunt-Stausees auf 1.750 m. Dieser ist so ziemlich die erste Station an der berühmten Silvretta-Hochalpenstraße in Vorarlberg hinter Gaschurn.

Hinter dem Stausee beginnt direkt der steile Aufstieg zum Hochmadererjoch – mit 2.500 m der höchste Punkt der Tour.

Der anspruchsvolle und anstrengende Aufstieg wird durch grandiose Ausblicke auf den Silvretta-Stausee und die umliegende Bergkulisse belohnt. Zwei kleine Schneefelder und einige Murmeltiere später quälten wir uns den letzten steilen Hang zum Hochmadererjoch hinauf. Was für ein Gefühl, endlich oben zu stehen!

Vom Hochmadererjoch geht es auf der anderen Seite endlich (!) wieder ein Stück bergab. Ein einsamer Weg führt durch Geröllfelder und über große Gesteinsbrocken, bevor er sich am Hang entlang abwechselnd durch große Steine und grüne Wiesen schlängelt.

Nach ca. weiteren 1 1/2 Stunden kommt endlich die Tübinger Hütte in Sicht, wo man dann nach einem deftigen Abendessen, circa zwei Litern Apfelschorle und einem Obstler später wohlverdient den Sonnenuntergang auf der Terrasse genießen kann.

Nach einem gemütlichen Hüttenabend und einer zünftigen Übernachtung im Matratzenlager ging es am nächsten Morgen an den Abstieg durch das langgezogene Garneratal bis nach Gaschurn. Entgegen unserer Befürchtung war der Abstieg überhaupt nicht langweilig und das Tal wunderschön, vor allem, wenn man den Wiesenweg nimmt, der mitten durch Blumenwiesen mit Schmetterlingen führt.

Der Weg führt an der Alpe Garnera vorbei, wo man einkehren und sich mit selbstgemachten Käse und anderen Milchprodukten, Holunderschorle oder einer deftigen Brettljause mit Schnaps für den weiteren Abstieg stärken kann.

Danach führt der Weg noch ca. 2h weiter bergab bis ins Tal nach Gaschurn, man kann allerdings mit der Versettla-Bergbahn das letzte steile Stück durch den Wald abkürzen. Unten bei der Bahnstation angekommen, fährt man mit dem Wanderbus wieder zurück bis zum Vermunt-Stausee. Nun am Besten erst mal mit dem Auto weiter zum Silvretta-Stausee fahren und sich im Restaurant am See vor der Heimfahrt noch einen Apfelstrudel oder Eisbecher genehmigen. Habt Ihr Euch verdient!

Fazit: Schöne Zweitagestour, vor allem bei schönem Wetter im Sommer sehr zu empfehlen. Kann mit weiteren Hütten in der Region kombiniert und zu anspruchsvollen Mehrtagestouren ausgebaut werden.

Habt Ihr auch schon mal so eine Tour gemacht, die Ihr empfehlen könnt?

Wissenswertes

Highlights: Die hochalpine Kulisse mit dem Blick auf Gipfel, Gletscher, Stauseen. Die wenig überlaufenen Wanderwege. Klares Wasser aus dem Bach oder Brunnen trinken können. Der Wiesenweg im Garneratal mit den Blumen und Schmetterlingen. Jause mit selbstgemachtem Käse an der Alpe Garnera.

Hinkommen: Hinter Partenen die Silvretta-Hochalpenstraße hinauf bis zum hinteren Parkplatz des Vermunt-Stausees. Dort Auto über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag mit dem Wanderbus von Gaschurn wieder bis zum Stausee fahren (verkehrt stündlich, Haltestelle an der Seilbahn in Gaschurn). Das Montafon ist in ca. 2 1/2 Fahrstunden von Konstanz und ca. 3 Stunden von Stuttgart zu erreichen.

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer. Aufstieg 800, Abstieg 1.200 Höhenmeter. Dauer jeweils ca. 4-5h. Ungeübt und untrainiert dauert’s etwas länger und ein Mords-Muskelkater ist vorprogrammiert, aber es lohnt sich! 😉

Übernachten: Auf der Tübinger Hütte, Anfang Juli bis Ende September. Schlafplätze am Besten telefonisch vorreservieren.

Mitbringen: Warme Klamotten (auf der Höhe wird’s auch im Sommer nachts echt kalt!), Hüttenschuhe, Wanderstöcke, Hüttenschlafsack, Regenschutz, Kamera, Sonnenbrille, Kopfbedeckung, Sonnenschutz, Ohrstöpsel, Taschenmesser, Taschenlampe, Bargeld.

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4 Kommentare

  • Seiltanz sagt:

    Sieht toll aus. Merke ich mir mal für nächstes Jahr vor 🙂
    Mir haben 10 Jahre Abstand gereicht um wieder Lust zu bekommen, da gucken die Eltern.

    LG
    Manuela

    • Susi sagt:

      Das ist ja lustig, das bestätigt die ‚mindestens 10 Jahre Abstand‘-Theorie, die Frage ist nur, warum man dann auf einmal wieder Lust bekommt? Ist es das Alter?? Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall auch wieder wandern gehen. In der Region gibt es auch noch viele andere schöne Touren und Hütten…

  • Helen sagt:

    Hi Susi,

    tolle Bilder!
    Da kriegt man richtig Lust auf Berge und Wandern.

    Wie waren vor 2 Jahren in Tirol in Niederthai.
    Wenn man sich erst mal an die Höhenluft gewöhnt hat macht das Wandern richtig Spaß.
    Naja, wir hatten im August einen Schnee-Einbruch.
    Etwas abartig, Schnee im August, aber das hat für eine gewisse Priese Abenteuer gesorgt.
    Und ein (versuchter- wir mussten abbrechen. Der Schnee war einfach zu tief und der Pfad nicht mehr erkennbar) Passaufstieg im Sommerschnee hat auch was für sich.

    LG,
    Helen 🙂

    • Susi sagt:

      Hi Helen, vielen Dank! 😀 Schön zu hören, dass Du dabei auch Lust auf Wandern bekommst – so soll’s sein! Ja, wir hatten bei unserer Tour auch ein (kleines) Schneefeld zu durchqueren, ich find das mitten im Sommer total cool (war aber nicht so krass wie bei Euch)! Nächstes Jahr vielleicht auch Tirol (?)

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