Roadtrip ans Meer: eine Woche an der Nordküste der Bretagne

Bretagne-Rundreise-Reisebericht-Nordkueste

Die Bretagne ist da, wo Frankreich anders ist. An seinem äußersten nordwestlichen Ende ist Frankreich rauer, wilder, und keltischer.

Hier an der sturmumtosten Küste stehen ein Großteil der Leuchttürme des Landes, aber auch geheimnisvolle, uralte Dolmen, Hinkelsteine und Steinreihen, hübsche Cottages und Fischerdörfchen.

Die Bretagne ist für dich, wenn du genau wie ich raue Landschaften magst, in denen es aber auch weiße Sandstrände gibt und sogar Palmen gedeihen. Wenn du Geschichte und Legenden magst, die wilde Küste und das Meer.

Wenn du Roadtrips und Reisen in Länder wie Irland oder England magst und Galettes, und Miesmuscheln mit Pommes (oh yeah!). Wenn du etwa eine Woche Urlaub hast (besser etwas mehr), in Europa verreisen möchtest und nicht viel vorplanen willst. Vielleicht geht es dir wie mir und du verbindest die Bretagne mit Erinnerungen an Schüleraustäusche und Sommerurlaube deiner Kindheit und du willst mal wieder zurück? Genau das habe ich diesen Sommer endlich getan.

Hier kommt mein Reisebericht mit unserer Rundreiseroute für eine Woche (bleib bitte etwas länger, wenn du kannst!), mit meinen Tipps zu Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Unterkünften und mehr. Frisch für dich zum Nachreisen!

Tag 1: Rennes – St. Malo. Ein mysteriöses Hügelgrab und die Korsarenstadt am Meer.

  • Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten: La Roche aux Fées, St. Malo
  • Übernachten: Hôtel Les Charmettes, St. Malo

Nach unserer Ankunft am Flughafen in Rennes holen wir den Mietwagen ab und fahren direkt los in Richtung Norden – Kurs auf die Küste! Unterwegs stoppen wir schon kurze Zeit später beim „Feenfelsen“ La Roche aux Fées, der außerhalb eines idyllischen Dorfs einfach so zwischen Feldern und Wiesen in der Landschaft steht.

Wenn du dich für mysteriöse, magische Orte und alte Legenden interessierst, bist du hier richtig.

 Bretagne La Roche aux Fees Dolmen Sehenswuerdigkeit

La Roche aux Fées ist das größte megalithische Grab Frankreichs, ein „Dolmen“, der etwa 4.000 Jahre alt ist. Wer die bis zu 40 Tonnen schweren Gesteinsblöcke hierher gebracht und aufgestellt hat, weiß man bis heute nicht. Der Legende nach war es die Fee Viviane (die Geliebte des Zauberers Merlin aus der Artus-Sage), die das Steingrab mit anderen Feen in einer Nacht errichtet hat. (Klingt eigentlich ganz plausibel, oder?) Der Ort hat jedenfalls eine besondere Energie.

Die alte Seefahrer- und Korsarenstadt St. Malo ist unser nächstes Ziel. Wie eine Zitadelle aus Granit ragt die mit dicken Wehrmauern befestigte Altstadt ins Meer hinein. Außerhalb der Altstadt führt eine Promenade kilometerweit am Strand entlang. Hier, direkt am Meer, kehren wir zum Sonnenuntergang im Hôtel Les Charmettes ein, einem kleinen und liebevoll dekorierten Boutiquehotel in einem alten Haus. Der Roadtrip am Meer hat begonnen!

St-Malo-Altstadt-Bretagne-Sehenswuerdigkeit

St Malo Bretagne Hotel Les Charmettes

  • Mein Tipp: Routenvariante: Wer mehr Zeit hat, schaut sich zunächst die hübsche Universitätsstadt Rennes an, die Hauptstadt der Bretagne, und/oder stoppt auf dem Weg nach St. Malo noch in Dinan mit seiner schönen historischen Altstadt (hier war ich früher zum Schüleraustausch!).
  • Da St. Malo sehr touristisch ist, war ich froh, dass wir außerhalb der Altstadt übernachtet haben (direkt am Meer). Zu Fuß oder mit dem Auto seid ihr dann schnell in der Altstadt.

Tag 2: St. Malo – Saint Guirec. Die Altstadt von St. Malo und Kajaken im Bréhat Archipel.

  • Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten: Altstadt von St. Malo, Sea Kayaking im Bréhat Archipel
  • Übernachten: Hôtel Saint-Guirec, Saint-Guirec

Während die Altstadt von St. Malo mit ihren kleinen Gassen, Läden, Cafés, Souvenirshops und Creperien am nächsten Vormittag erst langsam erwacht, spazieren wir schon durch die engen gepflasterten Gassen voller hoher Granithäuser, bestaunen ein altes Piratenschiff im Hafen und flanieren auf den mächtigen Wehrmauern der Zitadelle entlang.

St-Malo-Altstadt-Mauern

St-Malo-Bretagne-Tipps

St-Malo-Bretagne

St Malo Bretagne Sehenswuerdigkeiten Tipps

St-Malo-Zitadelle

Von den dicken grauen Festungsmauern schweift der Blick weit hinaus aufs Meer und vorgelagerte Inselchen. Ein paar alte Kanonen zeigen immer noch hinaus, geduldig auf etwas wartend.

Auf der kleinen Insel Ile de Grand Bé ist der französische Dichter Chateaubriand begraben, bei Ebbe kann man zu Fuß hinüberspazieren. Andere Inseln sind mit Festungsanlagen bebaut wie das Fort du Petit Bé. Unter uns am Strand gehen ein paar sicherlich abgehärtete Einheimische erst einmal schwimmen, während die Kinder der Segelschule mit Mini-Segelbooten ins Meer stechen üben. Ein Kreuzfahrtschiff fährt erst ein Stück weit hinaus und kehrt dann wieder um – es mag wohl noch ein Weilchen bleiben. So wie ich.

Doch wir müssen weiter, an der Nordküste entlang, denn wir haben heute noch etwas vor: Im Seekajak wollen wir das Bréhat-Archipel erkunden! Vom kleinen Örtchen Ploubazlanec paddeln wir wenige Stunden später los – direkt vom Strand. Um ein Haar wäre die Tour wegen zu starkem Wind in letzter Sekunde abgesagt worden, doch wir haben Glück und dürfen mit unserer kleinen Gruppe und unserem Guide Florian vom lokalen Tourenbieter Pôle Nautique hinaus.

Kajaken-Bretagne-aktiv-Wassersport

Vor uns liegen zig schroffe kleine Felsinselchen in einer weiten Bucht: das Bréhat-Archipel. Nachdem das erste Stück offenes Meer überquert ist, erreichen wir die geschützteren Gewässer des Archipels und paddeln zwischen den kleinen flachen Inseln herum, die mich an Schäreninseln erinnern und meist nur von Seevögeln bevölkert werden. Wir gleiten über Seegras hinweg, manchmal schimmert das Wasser richtig türkis. Auf einer kleinen Insel mit einem Leuchtturm landen wir an und machen eine Pause. Schön!

Bretagne-Brehat-Leuchtturm-paddeln

Paddeln-Sea-Kayak-Bretagne

Kajaktour-Brehat-Bretagne

Durch den starken Wind an diesem Tag ist die Kajaktour nicht ohne. Ich erkunde ja liebend gerne Orte vom Kajak aus (u.a. in Kanada und in der Antarktis) – nur bisher nie bei Wind und Wellen! Auf den kurzen Stücken, die dem Wind voll ausgesetzt sind, wird es richtig anstrengend und ich muss permanent gegenpaddeln, um nicht zu weit abzutreiben. Ein paar Mal kippelt mein Kajak auch bedenklich und ich muss mich richtig konzentrieren. Zum Glück geht alles gut und nach etwa 2,5 Stunden kommen alle wohlbehalten wieder am sonnigen Strand an – unser Guide Florian ist fast schon überrascht, dass bei dem Wind heute niemand reingefallen ist. Zum Glück!

  • Noch mehr Tipps: Da St. Malo sehr touristisch ist, war ich froh, dass wir außerhalb der Altstadt übernachtet haben (direkt am Meer!). Zu Fuß oder mit dem Auto seid ihr dann schnell in der Altstadt. Vor den Toren der Altstadt gibt es (kostenpflichtige) Parkplätze.
  • Wenn ihr bei Ebbe hinüber auf eine der Inseln spaziert, zum Beispiel zum Fort Grand Bé oder Fort du Petit Bé, habt ihr einen tollen Blick vom Meer aus auf die befestigte Altstadt!
  • Routen-Variante: Fahrt anstatt im Landesinneren an der Küste entlang und legt einen Zwischenstopp am Cap Fréhel und beim Fort La Latte ein!

Tipps fürs Kajaken in der Bretagne

  • Aktivitäten auf dem Meer sind in der Bretagne extrem wetter- und gezeitenabhängig. Daher ist es ideal, wenn ihr einen Puffertag einplant, falls es z.B. mit einer Kajak- oder Bootstour mal nicht klappen sollte.
  • Geführte Kajaktouren, die auch für Anfänger geeignet sind, gibt es zum Beispiel bei Pôle Nautique in Ploubazlanec (Bréhat-Archipel) oder beim Centre Nautique de Roscoff (Ile de Batz, s.u.).
  • Ausrüstung fürs Kajaken: kurze Hosen aus schnelltrocknendem Material, unbedingt eine wind- und wasserfeste Jacke, Sonnencreme, Sonnenbrille, Kopfbedeckung (die Sonne ist stärker als gedacht!), Drybag für Kamera, Schuhe, die nass werden können (wir haben einfach unsere Laufschuhe genommen. Die waren dann aber auch nass.). Kurze Neoprenanzüge zum Drunterziehen bekamen wir gestellt.

Tag 3: Perros-Guirec – Roscoff – Finistère. Die Rosa Granitküste und die weißen Strände der Ile de Batz.

Cote-du-Granit-Rose-Bretagne

  • Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten: Küstenweg entlang der Rosa Granitküste, Kajak- oder Bootstour zur Ile de Batz, Weiterfahrt entlang der Küste bis zur Landspitze Saint-Mathieu
  • Übernachten: Hôtel Vent d’Iroise, Plougonvelin
  • Essen: Restaurant-Tipp “Le Mao” in Saint-Guirec für Crepes und Galettes

Heute wachen wir an der Rosa Granitküste auf, denn gestern Abend sind wir noch ein bisschen weitergefahren. Unser Hotel Saint-Guirec liegt mitten im gleichnamigen Ort, direkt an einer kleinen hübschen Bucht mit Sandstrand. (Fun Fact: das schlossartige Anwesen auf der Insel direkt gegenüber gehört übrigens Didi Hallervorden). Praktischerweise beginnt gleich am Ende des Strands der Küstenwanderweg entlang der „Rosa Granitküste“, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet!

Scheinbar von Riesen aufgetürmt und wie zufällig verteilt liegen hier überall riesige, rundgeschliffene Felsen aus rosa Granit entlang der Küste herum, dazwischen Buchten und kleine Strände. Ob hier auch wieder die Feen am Werk waren?

Während der Tag grau in grau beginnt, kommt im Lauf des Vormittags doch noch die Sonne heraus, und auf einmal fangen die Farben an zu schimmern. Unser Ziel ist der nur 15 Minuten entfernte Leuchtturm von Mean Ruz (‚roter Stein‘ auf bretonisch), die schönste Stelle an der Rosa Granitküste.

Hier möchte man einfach nur verweilen, auf den Felsen herumklettern und Leuchtturmschauen.

Rosa-Granitkueste-Bretagne-Highlight

Rosa Grantikueste Bretagne Saint-Guirec

Leuchtturm-Mean-Ruz-Rosa-Granitkueste-Bretagne

Rosa Granitkueste Saint-Guirec Bretagne

Bretagne-Roadtrip-Rundreise-Nordkueste

Leuchtturmschauen geht in der Bretagne übrigens sehr gut! Wusstet ihr, dass von insgesamt 150 Leuchttürmen in Frankreich 98 allein an der sturmumtosten bretonischen Küste herumstehen?

Wer mag, kann den Küstenwanderweg an der Rosa Granitküste übrigens noch sehr lange weitergehen: Er ist Teil des Fernwanderwegs GR34, der 2.000 Kilometer an der gesamten bretonischen Küste herumführt.

Wir müssen jedoch nach einem Lunch mit leckeren Galettes (was sonst?), den dünnen gefüllten Buchweizenpfannkuchen, schon weiterfahren. Denn weil es gestern beim Paddeln so schön war, wollen wir am Nachmittag einen weiteren Ort an der bretonischen Küste im Kajak erkunden: die Küste bei Roscoff und die Insel Ile de Batz mit ihren weißen Sandstränden und schon fast südländisch anmutendem Meer.

Bretagne-Fischerdorf-Perros-Guirec

Leider macht uns das Wetter an diesem Tag einen Strich durch die Rechnung. Die Tour wird abgesagt. Wie schade! Doch auch das ist die Bretagne: Das Leben hängt vom Meer ab, von den Gezeiten und vom Wind und Wetter, und das kann sich innerhalb weniger Minuten komplett ändern.

In Roscoff nehmen wir trotzdem die Fähre zur Ile de Batz. Nach etwa 15 Minuten Fahrt sind wir da und leihen uns am Pier erst einmal Fahrräder aus. Denn die beste Möglichkeit, die nur drei Kilometer lange Insel zu erkunden, ist mit dem Rad! Selbst bei dichtem Nebel und Nieselregen dringt die exotische Schönheit der Insel zu mir durch. Kleine bretonische Häuschen mit bunten Türen, die mich immer an die Cottages in Irland erinnern, dazu schneeweiße Sandstrände und jede Menge exotische Pflanzen.

Bretagne-Ausflugsziel-Ile-de-Batz

Bretagne-Rundreise-Norden-Insel-Ile-de-Batz

Bretagne-Bootsausflug-Ile-de-Batz-Tipp

Ile de Batz Bretagne Fischerdorf

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Bretagne-Paddeln-kajaken-Ile-de-Batz-Roscoff

Bretagne-botanischer-Garten-Ile-de-Batz

Obwohl die Insel im rauen Ärmelkanal liegt, ist das Klima hier so mild, dass sogar Palmen gedeihen. Noch viel mehr exotische Pflanzen wachsen im botanischen Garten der Insel – ein schöner Kontrast zur rauen Landschaft und den granitgrauen Steinhäusern. Neben faszinierend weißen Stränden entdecken wir einen Leuchtturm und radeln durch kleine wie verlassen wirkende Gassen. Wie schön muss das hier bei klarem Wetter sein! Note to myself: Ich möchte unbedingt nochmal zum Kajaken in diesen türkisen Gewässern herkommen.

Zurück auf dem Festland fahren wir am späten Nachmittag weiter an der Küste entlang bis zur Landspitze Pointe Saint-Mathieu auf der Crozon-Halbinsel, die wir irgendwann abends erreichen, rechtzeitig zu einem leckeren französischen Menü mit französischem Wein und einer wirklich riesigen Käseplatte zum Nachtisch.  Très bon!

  • Mein Tipp: Nehmt euch für die Fahrt entlang der Küste von Roscoff nach Crozon ruhig einen weiteren Tag Zeit, wenn ihr könnt!
  • Geführte Kajaktouren zur Ile de Batz gibt es beim Centre Nautique de Roscoff (s. auch meine Tipps fürs Kajaken oben!).

Tag 4: Le Conquet. Suche nach Delfinen im Meeresnaturpark Iroise und die Insel Molène.

Bootstour-Bretagne-Archipel-Excursions

Heute wollen wir ganz weit hinaus! Mit Christel und ihrem Mann Lucky gehen wir an Bord eines motorisierten Zodiac-Schlauchboots und stechen vom kleinen Hafen in Le Conquet in See. Die beiden kennen das Meer hier wie ihre Westentasche, die Inseln, die Leuchttürme, die gefährlicheren Stellen und Untiefen und die Meeresbewohner. Wegen denen sind wir eigentlich hier, denn es gibt hier nicht nur Kegelrobben, sondern auch Delfine, und die hoffen wir natürlich zu sehen!

Schiffswracks, Stürme, mutige Leuchtturmwärter, die auf völlig isolierten Leuchttürmen mitten in der rauen See leben (von wo sie sich unter Lebensgefahr in Boote abseilen müssen, wenn sie raus wollen!), krasse Stürme und einige wenige Menschen, die auf den Inseln dem Meer und dem Land eine Lebensgrundlage abtrotzen: Davon erzählen die beiden unterwegs Geschichten.

Vom Meer aus können wir den Leuchtturm am Pointe Saint-Mathieu und die alte verfallene Abtei bewundern, neben der wir übernachtet haben. Mit dem kleinen, offenen Boot heizen wir mit bis zu 90 kmh über Wellen und cruisen hin und her, doch von den Delfinen keine Spur! Wir finden allerdings einige Felsen mitten im Nirgendwo, auf denen erstaunlich riesige, bis zu 200 kg schwere Kegelrobben mit ihrem Nachwuchs abhängen. Ihre Köpfe ploppen immer wieder neugierig neben unserem Boot auf, was wirklich entzückend ist.

Leuchtturm-Saint-Mathieu-Finistere-Bretagne

Kegelrobben Voegel Meeresnaturpark Iroise Bretagne

Gegen Mittag landen wir im Hafen der Insel Molène an, die wir auf eigene Faust erkunden dürfen. In weniger als zwei Stunden kann man die kleine Insel im Atlantik erkunden, die sich anfühlt wie das Ende der Welt. Die karge, grasbewachsene Insel hat 150 Einwohner, kleine Gassen, kleine Buchten mit Stränden und eine etwas versteckte, leckere Creperie (Christel fragen!), in der es u.a. Galettes mit einer speziellen lokalen Wurstspezialität gibt, die über Algen geräuchert wird.

Ile-Molene-Bretagne-Finistere

Ile Molene Bretagne Bootstour

Ile-Molene-Bretagne-Fischerboote

Ile-Molene-Bretagne-Finistere-Ausflug

Wieder zurück an Bord stoßen wir am späteren Nachmittag auf Schiffe der Algenfischer, die mit einem sonderbaren Algenkran riesige und sehr lange Algen aus dem Wasser ‚ernten‘. Wir passieren Inseln mit verlassenen Gebäuden und nähern uns einem Leuchtturm, der wie der Turm eines Zauberers wirklich mitten ins tosende Meer auf einen kleinen Felsen gebaut ist.

Er steht an einer Abbruchkante des Meeresbodens, so dass der starke Sog des Meeres auch an diesem noch recht ruhigen Tag wirklich stark zu spüren ist – vor allem in unserem kleinen offenen Schlauchboot! Lucky muss kräftig gegensteuern und wir können uns dem Leuchtturm nur ganz vorsichtig aus der Distanz nähern. Für mich als Landratte ist das total faszinierend und ich stelle mir vor, wie überhaupt irgendein Boot am Leuchtturm anhalten kann, damit sich der Leuchtturmwärter auf- und abseilen kann, denn anders kommt er nicht hinein und nicht mehr hinaus. Wow.

Leuchtturm-Iroise-Bretagne-Le-ConquetLeuchtturm mitten im Sog des Atlantiks – rein und raus geht es nur am Seil.

Und während wir so durch das graue, raue Atlantikmeer cruisen, immer noch auf der Suche nach unseren Delfinen, reißt der Himmel auf einmal auf und die Sonne kommt heraus. Endlich!

Wieder verändert sich die Szenerie innerhalb von Minuten. Auf einmal fängt das steingraue Meer an, blau zu schimmern und an vielen Stellen sogar türkis, und die kleinen Strände der Inseln leuchten auf einmal schneeweiß.

Bretagne-Meeresnaturpark-Iroise-Strand

Obwohl Christel und Lucky mit uns an jenem Nachmittag extra 1,5 Stunden länger herumcruisen als geplant, haben wir ausgerechnet an jenem Tag kein Glück beim Delfin-Watching und treten schließlich den Rückweg zum Hafen an. (Bei über 95% der Touren sieht man die Delfine übrigens! Ihr solltet es also versuchen!) Ich fand es trotzdem schön, die Meereswelt vor dem westlichen Ende Europas erleben zu dürfen.

Zurück im Hafen des kleinen Fischerdörfchens Le Conquet wärmen wir uns erst einmal bei leckerem Seafood wieder auf – was auch sonst!

Le-Conquet-Hafen-Bretagne-Fischerdorf

Meeresfruechte Bretagne kulinarisch

Tag 5: Crozon. Der Leuchtturm Saint-Mathieu und der Anfang der Welt in Finistère.

  • Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten: vom Leuchtturm von Saint-Mathieu auf die Halbinsel Crozon, Strand von Telgruc-sur-mer, Küstenwege am Pointe de Pen Hir und Cap de la Chèvre, Segeltörn zum Sonnenuntergang mit bretonischem Seafood (Infos dazu hier und hier)
  • Übernachten: Hôtel Hostellerie de la Mer, Crozon

Am Morgen starten wir von der Landspitze Saint-Mathieu in Richtung Süden, doch nicht ohne einmal den alten Leuchtturm Saint-Mathieu zu besteigen. Von oben haben wir einen wunderbaren Blick auf die Küste, die Klippen und die alte verfallene Abtei unter uns, deren Mönche früher ein Leuchtfeuer entzündeten. Ein schöner Ort, um in einen weiteren bretonischen Tag zu starten, der mein persönliches Highlight dieser Reise werden sollte.

Pointe-Saint-Mathieu-Bretagne-Abtei-Leuchtturm

Leuchtturm Saint-Mathieu Bretagne Le Conquet

Hier ganz am westlichen Ende der Bretagne (und Frankreichs) befinden wir uns in der Region „Finistère“, was man mit „Ende der Welt“ übersetzen könnte (lat. „Finis Terrae“). Ich mag es hier besonders und freue mich, die Halbinsel Crozon weiter südlich zu erkunden. Ungefähr 1,5h später sind wir da und trinken am weißen, weiten Sandstrand von Telgruc-sur-mer erst einmal einen Kaffee, bevor wir uns in einer Creperie mit Galettes stärken (was auch sonst!) und in Richtung Cap de la Chèvre aufmachen. An dem mit Heidekraut bewachsenen, felsigen Kap möchten wir ein bisschen auf den Küstenwegen spazieren.

Und dann, wie bestellt, gibt die Bretagne an unserem letzten Tag nochmal alles.

Das Wetter schlägt mal wieder mal um. Plötzlich stehen wir im T-Shirt da und brauchen Sonnenbrillen gegen das gleißende Licht. Das Meer schimmert in einem irren türkis-blau-grün. Ich komme mir auf einmal vor wie am Mittelmeer, wären da nicht die geheimnisvollen, megalithischen Steinreihen (Alignements) in einem Dorf ganz in der Nähe.

Bretagne-Highlights-Cap-de-la-Chevre

Noch schöner als um das Cap de la Chèvre finde ich es ein Stückchen weiter am Pointe de Pen Hir. Auf der einen Seite stoße ich auf eine türkise Bucht wie im Mittelmeer, irgendwo unten ankert ein einsames Segelboot. Der Ausblick ist der Wahnsinn!

Hier, auf den Küstenwegen, inmitten von Heidekraut, frischem Wind, dem Geruch der Gischt und der erstaunlich starken bretonischen Sonne bin ich endlich angekommen – am “Ende” der Bretagne und Frankreichs und Europas zwar, doch es fühlt sich für mich nicht an wie ein Ende. Während ich hier so alleine auf den Küstenwegen herumstreife und immer wieder innehalte, wird mein Kopf ganz frei und ich wünschte, ich könnte einfach dableiben. Für mindestens eine ganze Tagestour auf dem Küstenwanderweg!

Bretagne Pointe de Pen Hir Cap de la Chevre

Finistere-Bretagne-Steinreihen-Alignements

Kuestenwanderweg-Bretagne-Finistere-Cap

Pointe de Pen Hir Aussichtspunkt Bretagne

Für die Römer war „Finistère“ das „Ende der Welt“. Für die Bretonen ist es Penn Ar Bed – der Anfang der Welt.

Das finde ich schön. Auf die Anfänge!

Pointe de Pen Hir Finistere Bretagne Sehenswuerdigkeit

Bretagne-Rundreise-Finistere-Pointe-de-Pen-Hir

Segeltörn in den Sonnenuntergang – der würdige Abschluss

Was könnte es für einen würdigeren Abschluss unseres Roadtrips ans Meer geben als einen Segeltörn in den Sonnenuntergang? Auf seinem ziemlich beeindruckenden Segelkatamaran nimmt uns Skipper Erwan, ein echtes bretonisches Original, im Hafen von Morgat an Bord. Die Segel werden gehisst, wir strecken uns faul auf Deck aus und genießen die Fahrt durch die Bucht von Morgat und entlang der Küste, wieder in Richtung Cap de la Chèvre.

In einer kleinen Bucht mit Sandstrand und Höhlen im Fels ankern wir. Es gibt Abendessen! Zwei riesige Platten voller extrem frischer Meeresfrüchte werden aufgetischt: verschiedene Garnelen, Muscheln, Schneckenmuscheln, Austern und große Krustentiere (ich glaube, es waren Seespinnen). Dazu gibt es Weißwein, frisches Baguette und bretonische Butter. Lecker!

Erwan und die anderen französischen Gäste an Bord knacken und öffnen die Schalen mit allerlei Spezialgerät und zeigen uns zum Glück, was das alles ist und wie man es isst. Die Austern sind übrigens so klein und frisch, dass sogar ich sie mag! Mein Favorit bleiben die Garnelen und die etwas urzeitmäßig aussehenden Seespinnen mit einem sehr feinen weißem Krabbenfleisch. (Absolute Empfehlung!). Vor lauter Konzentration auf das Essen verpasse ich fast den Sonnenuntergang. Und der ist nochmal richtig schön.

Kenavo ar c’hentañ, liebe Bretagne!

Katamaran-segeln-Geheimtipp-Bretagne

Segeln Katamaran Bretagne Catavoile 29

Bretagne-Wassersport-segeln-Katamaran-Tour

Seafood Meeresfruechte Bretagne segeln

Sonnenuntergang segeln Bretagne Finistere

Tag 6: Fahrt nach Brest und Rückreise.

Ob es Zufall war oder ein Zeichen des Universums, dass Air France dann noch kurzfristig meinen Rückflug aus der Bretagne gecancelt hat? In Finistère wäre ich jedenfalls gerne noch ein bisschen geblieben!

Doch unser kleiner #RoadtripansMeer ist an jenem Tag schon zu Ende. Wir machen uns von der Crozon-Halbinsel auf und fahren Richtung Norden nach Brest, wo wir am Flughafen unseren Mietwagen abgeben und uns dann per Flugzeug und Zug über Paris auf die Reise zurück nach Deutschland begeben.

Macht daher unbedingt ein paar Tage länger Urlaub am „Anfang der Welt“, wenn ihr könnt!

Bretagne-Norden-Westen-Rundreise-Route-Tipps

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Bretagne Rundreise Nordkueste

Mehr Infos zur Bretagne findet ihr hier auf der Website des Tourismusverbands und mehr Eindrücke unserer Reise bei Katrin von Viel Unterwegs.

Warst du schon mal in der Bretagne? Was sind deine Tipps?

Disclaimer: Ich wurde von Bretagne Tourisme zur Recherche in die Bretagne eingeladen. Vielen Dank dafür! Alle Ansichten sind meine eigenen.

2 Comments

  • Flo135 says:

    Sieht aus als hättest du 6 tolle Tage erlebt. In 6 Tagen so viel sehen ist natürlich nicht einfach. Starke Leistung. Beste Grüße aus dem Hotel Gröden

    • Susi says:

      Dankeschön! Ja, wir haben uns ein ziemlich straffes Programm auferlegt, aber auch sehr viel in kurzer Zeit erlebt und gesehen! Ich würde aber empfehlen, dass man sich ein paar Tage mehr Zeit nimmt (mindestens). 😉

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